C. Die Auseinandersetzung mit dem Gnostizismus

Der Begriff Gnosis stammt vom griechischen Wort [„gnosis“], das soviel bedeutet wie “Erkenntnis”. Erkenntnis ist auch das zentrale Anliegen dieser “religiösen Bewegung innerhalb der spätantiken Synkretismus” (Mösgen), die orientalische, jüdische und christliche Motive in sich vereint.
Auf dem Weg der Erkenntnis werde dem Menschen nämlich Erlösung zuteil:

“Wer sich nämlich nicht selbst erkannt hat, hat gar nichts erkannt. Wer sich aber selbst erkannt hat, hat auch schon die Erkenntnis über die Tiefe des Alls.”

Die Überzeugungen der Gnostiker weisen unübersehbare (und wohl auch unüberwindbare) Unterschiede zu den Glaubensbekenntnissen der frühen Christen auf, die alle die Auferstehung des gesamten Menschen, bestehend aus Körper und Geist, formulierten. Doch befassten die Gnostiker sich nach wie vor sich mit den elementaren Fragen, welche im christlichen Umfeld zunehmend ins Abseits traten (jedenfalls insoweit, als man sich mit einmal gefundenen bzw. erhaltenen Antworten zufrieden gab, anstatt die Erkenntnisgewinnung ausweiten und vertiefen zu wollen).

Was war die Seele? Wie war sie in die Welt gekommen? Und wohin ging die Seele ‘fort von hier’? Genau diese Fragen diskutierte man in dem Diskalaion, dem Studienkreis des Valentian:

 “Wer waren wir einst? Was sind wir geworden? Wohinein sind wir geworfen? Wohin eilen wir? Wovon sind wir befreit? Was ist Geburt? Was ist Wiedergeburt?”

Die Gnostiker haben versucht, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Für sie standen weniger die Schriften und Erinnerungen über Jesus und den Gott des A.T. im Fokus als das Ziel, direkt und persönlich zu erfahren, wer oder was Gott ist. 

Ihre Absicht lag zudem darin, die Geschichte des menschlichen Selbst zu erfassen der eigenen Anhängerschaft  in Mythen und Gleichnissen zu schildern.
Gnosis lehrt einen absoluten Dualismus – d.h. unüberbrückbare Gegensätze zwischen Gut und Böse sowie von Geist und Materie ausgehend von beider Ursprung. JHWH, der Schöpfergott des A.T. wird als der böse Demiurg identifiziert – ein unvollkommener Schöpfer, der nur Unvollkommenes durch Nachahmung erschaffen kann. Abgelehnt wird die Menschwerdung Jesu, der lediglich einen ‘Scheinleib’ hatte (vgl. Doketismus) und von dem fernen, guten und vollkommenen Gott in diese schlechte Welt gesandt wurde. Diese vollkommene Gottheit wird nach gnostischer Ansicht als ‘reines Licht’ und das unwandelbar Gute gedacht.

Jener Valentian (auch Valentinus) lebte in Rom, bekleidete mehrere Gemeindeämter und soll ein Evangelium verfasst haben, das ‘Evangelium der Wahrheit’ (evangelium veritatis) –  ein Teil der als Nag-Hammadi-Schriften bekannten Sammlung gnostischer Texte.

“Leute wie Valentian hatten das Gefühl, auf einem verkehrten Planeten gelandet zu sein …heimwehkranke Seelen, für sie war die Schöpfung ein schrecklicher Irrtum.
Der ferne Gott, aus dessen Heimat die Seelen stammten, der Gott des Lichts, durfte nicht für diese Welt der Finsternis verantwortlich gemacht werden. Im Gegenteil. Der ferne auswärtige Gott hatte Jesus als Boten des Lichts in die dunkle Welt gesandt. Er würde die Seelen, die im Exil lebten, in die Heimat des Lichts zurück geleiten. Nur der innere Mensch, nur die Seele konnte erlöst werden. Der Körper, ihr Gefängnis, blieb als Abfall zurück.”

Die Lehre des Valentian besitzt einen eigenen anthropologischen Ansatz, wonach es drei verschiedene Klassen von Menschen gibt (ob diese Vorstellung folgt der antiken Trichotomie von Körper, Geist und Seele):

    • Pneumatiker, in denen Funken des Göttlichen leuchten.
    • Psychiker, die bloß Gläubigen, denen aber die wahre Erkenntnis verschlossen bleibt (allerdings haben einige von ihnen die Chance, sich zu Pneumatikern zu entwickeln).
    • Hyliker, die rein materiell Gesinnten, denen jede Erkenntnis des Göttlichen verborgen bleibe.

Auch die Seele ist ‘aktiv böse’, denn sie gaukelt dem wahren Selbst die Schönheit der materiellen, sinnlichen Welt vor. Der Mensch, bestehend aus Leib und Seele, ist also das Gefängnis des wahren Ich – das nur erlöst werden kann, indem es sich nach dem Tode in dem göttlichen Licht auflöst und eins mit ihm wird.

Damit wird der Hintergrund klar, vor dem die Gnostiker im Gegensatz zu den übrigen Christen nicht an leibliche Auferstehung glaubten. Auch ihre Vorstellung, wie der Mensch in diese Welt des Bösen gelangt ist, hebt sich von der christlichen Auffassung ab:

Der Urmensch, geschaffen von dem vollkommenen Lichtgott, existierte lange vor seiner irdischen Geburt – als engelsgleiches, reines Geistwesen. Doch gelang es dem Demiurgen, d.h. dem bösartigen „Schöpfer“ der materiellen Welt, in Gestalt der Schlange Eva und Adam zu täuschen und in seine Welt zu überführen. Die Schlange vermittelte dem ersten Menschenpaar das Wissen von Gut und Böse und unterwirft die dem Zyklus der sexuellen Fortpflanzung.
Angesichts von so viel Schlechtheit und Verderbtheit der materiellen Welt überrascht es nicht, dass in manchen gnostischen Texten der gegenwärtige Zustand des Menschen als die eigentliche Hölle dargestellt wird.

Gnostiker wie Valentian bildeten die im 2. und 3. Jahrhundert eine starke Strömung innerhalb der Kirchengemeinden, die sich als die wahren Nachfolger und Erben des Jesus von Nazareth betrachteten. Sie erhielten viel Zulauf aus dem christlichen Umfeld und außerhalb davon.-

Die übrigen Christen akzeptierten die Zerbrechlichkeit ihres Körpers, erfreuten sich an körperlicher Sinnlichkeit und weigerten sich darin etwas Böses zu sehen. Die Schöpfung aber und vor allem der Schöpfergott waren gut. Wo der physische Teil ihres Naturells sie belastete, betrachten sie dies als Folge von Sünde und missbrauchter Freiheit. An der Erlösung würde auch dieser materielle Teil partizipieren.
Ihr Glaube an die Auferstehung des (Geistes und) war ihr Bekenntnis zur Welt als Ganzes. Und dass die Gnosis nicht nur leibliche Genüsse, sondern auch die Ehe und sogar die für den Fortbestand der Menschen unerlässliche Zeugung von Nachkommen verteufelten, war ihnen in in hohem Maße suspekt.
Es passte nicht zu Jesus, der jüdischer Herkunft war und seine Loyalität zum alten Gesetz des JHWH mehr als einmal bekräftigt hatte.

“Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen”. [Matth 5:17]

Für mich ist gerade die Auferstehung des Fleisches ein Aspekt, wo ich der christlichen Lehre kaum zustimmen kann? Es ist weder vorstellbar noch plausibel, dass der längst verweste Körper wiedergeboren wird – das wäre wie eine Kopie. Welches Alter sollte der Körper dann besitzen? Und wozu sollte die Seele seiner bedürfen?

Dagegen tue ich mit der gnostischen Vorstellung eines guten und eines bösen Gottes ebenso schwer wie mit der Auffassung, alles an und in dieser materiellen Welt sei schlecht. Zwar lässt sich die Existenz von Bosheit und Unvollkommenheit in der Welt (der Menschen) kaum bestreiten – doch Maße ich mir nicht an, Gott als dessen Urheber zu betrachten.–
Eine Zeitlang kämpften Gnostiker und Christen um die Vorherrschaft in der jungen Kirche – und zu dieser Zeit wurde die Auseinandersetzung zwar hart, aber noch mit geistigen Mitteln geführt.
(Wie sehr sich die Kirche tausend Jahre später verändert hatte, erweist sich nicht zuletzt durch ihren Umgang mit ‘Ketzern’, besipielsweise den Katharern, deren Überzeugung dem Glauben der Gnostiker sehr ähnlich war).

Sieg der ‘Rechtgläubigen’

Die ‘rechtgläubigen’ Christen trugen den Sieg dennoch davon – damals noch auf beinahe faire Weise:
Sie stellten die Gnostiker in das Umfeld von Zauberei, Magie sowie geheimnisvollen, düsteren Ritualen – insbesondere der Ritus des Brautgemachs diente als Ansatzpunkt für die Kirchenväter, die Gnosis als “durch und durch verdorben” zu brandmarken. Sie gingen dabei so weit, Gnostikern einen ‘totalen Libertinismus’ zu unterstellen , was völlig abwegig war.

Nach Karl S. Frank fallen solche Versuche von Seiten der Kirchenväter wohl in den Bereich der Ketzerpolemik. Jedenfalls ergeben sich aus den Texten gnostischer Kreisen keine Anhaltspunkte für, scheinen solche Praktiken eher unwahrscheinlich zu sein. Sollte in Einzelfällen die Kritik der katholisch-christlichen Seite berechtigt gewesen sein, sind Rückschlüsse auf alle Gruppierungen im Umfeld der Gnosis unzutreffend. 

Sieger stellt fest, dass den Kirchenväter offensichtlich wirkliche Ansatzpunkte für eine inhaltliche Kritik fehlten; sie scheinen also der Meinung zu sein, der Gnosis nur begegnen zu können, indem sie ihre sittliche Verdorbenheit anprangern.

Auch wird ihnen das Corpus Hermeticum zugeschrieben. 

Das Corpus Hermeticum ist eine Sammlung griechischer Traktate über die Entstehung der Welt, die Gestalt des Kosmos sowie menschliche und göttliche Weisheit. Heute finden die Texte vorwiegend Beachtung in esoterischen Kreisen. Als ihr Verfasser galt Hermes Trismegistos, dem etliche religiöse, astrologische und magische Schriften zugeschrieben wurde. Tatsächlich lassen sich Einflüsse dieser Schriften auf die christliche Gnosis des 3. und 4. Jahrhunderts nachweisen – ein weiterer Baustein des bedrohlichen Bildes, das katholische Christen von der Gnosis entwerfen und verurteilen.

Für die katholische Kirche des 2. Jahrhunderts, auf die der Kanon des N.T. letztlich zurückgeht, lag eine Gefahr allgemein darin, dass es neben ihr überhaupt andere christliche Gruppen gab. In späteren Jahrhunderten wurde deren Literatur gezielt ausgemerzt und indiziert; sie ist daher nur in Fragmenten erhalten. Der Fund von Nag Hammadi ist insofern ein Glücksfall.
Gnostiker wurden nicht mehr in christliche Gemeinden aufgenommen; wurde ein Gemeindemitglied ein Gnostiker, hatte dies den Ausschluss zur Folge. Bischöfe belehrten und warnten ihre Gemeinden vor den ‘verderbten Ketzern’, die sich selbst freilich als treue Anhänger der christlichen Religion verstanden.

Vor allem nach der Entstehung des Papsttums strebte die zentrale, christliche Autorität eine strikte Einheitlichkeit ihrer Glaubenslehre anstelle einer lebendigen Vielfalt mit einem gemeinsamen Kern an. Von daher verwundert es nicht, dass die Gnosis zunehmend als ‘erste Häresie des Christentums’ ausgegrenzt wurde. 

Dabei verkenne ich keineswegs die Schwierigkeit, einen gemeinsamen Nenner mit der dualistischen Position der Gnostiker zu finden. Mich verwundert nur, dass ein Element des personifizierten Bösen mit ähnlichem Potenzial wie dem des Demiurgen dann doch Einzug in die christliche Lehre hielt, in der Gestalt des Satans oder Teufels. Jedoch nimmt das katholische Christentum  die personifizierte Existenz des Bösen im Gegensatz zur Gnosis zwar ernst, erklärt aber nicht ihren Ursprung.
Treffender, als ich dies je tun könnte, formulieren Gerd Lüdemann und Martina Janssen diese Überlegungen in ihrem Buch “Unterdrückte Gebete: gnostische Spiritualität im frühen Christentum” (Auszug).

Der Versuch, auch die Beweggründe der katholischen Bischöfe in ihrer starren, unnachgiebigen Haltung zu verstehen, ist sicher notwendig. (Er endet jedoch spätestens da, wo Menschen um ihres Glaubens willen verfolgt und sogar getötet wurden): 

Die Kirchenväter sahen sich als Verteidiger ihres Glaubens sowie der Einheit Gottes (Mösgen). Katholische Kleriker erkannten die Faszination, die von der Gnosis für viele Christen ausging – und die machte ihnen Angst. Sie befürchteten offenbar, die gesamte Christenheit werde sich hoffnungslos zerstreiten und in unbedeutende Splittergruppen aufspalten.
Zugleich hatten sie die unübersichtliche und widersprüchliche Welt römischer Gottheiten und Religionen als Negativbeispiel vor Augen, von dem sie sich durch den christlichen Monotheismus, aber auch durch Herstellung ideologischer Klarheit um jeden Preis abgrenzen wollten.
Sicherlich ging es auch um ihre persönliche Stellung und Autorität – aber eben nicht nur:

“Die Bischöfe und Kirchenlehrer sind mit Herz und Verstand davon überzeugt, dass die Frohbotschaft des Christentums genau das einlöste, wonach sich die Menschen bisher vergeblich gesehnt hatten – eine Identität, die sogar dem Tod überlegen war.” (Zitelmann)

Ihre Strategie: Sie behalten das A.T. bei und erklären die apostolische Überlieferung für verbindlich. Der Kanon des N.T. wird um 180 n.Chr. ‘abgeschlossen’ (in der doppelten Wortbedeutung, d.h. der Kanon wird auch verschlossen, damit keine vermeintlich verderblichen, der Gnosis nahe stehenden Texte Eingang finden).

Von da an ist die katholische Position schon recht fest umrissen und stützt sich auf 3 Säulen: das Neue Testament, die autorisierten Bischöfe und die regula fidei. (Als regula fidei oder ‘Kanon der Wahrheit’ werden die Traditionen der Apostel bezeichnet, wie sie in der Kirche fortleben.)

Der Streit um den richtigen christlichen Glauben eskaliert gegen Ende des zweiten Jahrhunderts. Die Auseinandersetzungen innerhalb der konkurrierenden christlichen Bewegungen werden nun mit aller Heftigkeit ausgetragen, bis der Dogmatiker Irenäus von Lyon ein Machtwort spricht und den Streit um Inhalte beendet: 

Er legt den Rahmen christlicher Glaubenslehre fest und erklärt die Gnostiker zu Ketzern. Damit schafft er die Handhabe, alles zu verbannen und verbieten, was der Kirche seiner Meinung nach schadet. 

Das in griechischer Sprache verfasste, fünfbändige Werk des Irenäus “Gegen die Häresien” ist im Gegensatz zu vielen gnostischen Schriften bis heute erhalten. Recht interessant im o.a. Kontext ist das 6. Kapitel des 1. Bandes “Die Moral der Gnostiker”)
Eine nicht ganz unvoreingenommene Sichtweise gibt nachfolgende Textpassage zur Rolle von „Kirchenvätern“ und „apostolischen Vätern“ wieder, die ich hier gefunden habe.

“Sie sind … von der kirchlichen Allgemeinheit als authentisch anerkannte frühe Schriftsteller, die ihre Zeit damit verbrachten, die verschiedenen Strömungen und Auffassungen zu interpretieren und Auszulegen und so die „kirchliche Lehre“ zu „formen“ – die dann Jahrhunderte später als „Wort Gottes“ dogmatisiert wurde.”
Die dogmatische Haltung der Kirchenväter und -lehrer gründete primär in der Ablehnung von allem, was die römische Kirche gefährden und ihre Lehre in Frage stellen könnte. Dabei habe sich die anfänglich sachlich-kritische Beurteilung von Schriften Andersdenkender schnell in rigorose, aggressive Ablehnung gewandelt.

Einen vorläufigen Schlusspunkt der Eskalation setzte Kaiser Konstantin (s.u.), der das katholische Christentum als Staatsreligion im römischen Reich durchsetzte, mit einer Instrumentalisierung des weltlichen Rechts gegen die Gnostiker:
Um 324 veröffentlichte Konstantin einen Erlass gegen Sektierer, zu denen auch die Gnostiker gezählt wurden. Ihre Zusammenkünfte wurden untersagt und ihre Versammlungshäuser konfisziert.

Erstmals zeigen sich Tendenzen der christlichen Kirche, alles ‘andersartige’ als anti-christlich zu verdammen – ohne zuvor zwischen wertvollen und unzutreffenden Ansätzen zu differenzieren. Dabei lieferten gerade die Gnostiker und ihre Nachfolger wertvolle Impulse – beispielsweise die Vorstellung, dass in jedem Menschen ein ein ‘göttlicher Funke’ sei, weshalb eine innere Selbsterkenntnis ebenso für möglich erachtet wurde wie Erkenntnisgewinnung durch Anstöße von Gott. Ein spiritueller Zugang kann auch ohne kirchliche Gemeinschaft gelingen.

Rückblickend bietet dieses Kapitel der Kirchengeschichte die Gelegenheit, einige Erkenntnisse zu gewinnen:

  • Religiöse Toleranz bereichert, impliziert aber auch Risiken.
  • Grausame Unterdrückung eignet sich aber in keinem Fall dazu, eine Überzeugung aus den Herzen der Menschen zu entfernen.
  • Alter Hass brennt lange.

Immerhin gelang es der Amtskirche nicht, gnostisches Gedankengut ein für allemal aus der Welt zu verbannen. Im Laufe der 2000jährigen Kirchengeschichte traten immer wieder Strömungen der Gnosis auf – im Mittelalter z.B. die Bogomilen und die Katharer (Albigenser) – und wurden bald darauf als Häresie bekämpft wurden.
Eric Voegelin sah auch in der Moderne eine Wiederkehr der Gnosis, insbesondere als politische Religion. Er beschreibt es sechs ‘zeitlose’ Merkmale, welche die Gnosis auszeichnen:

  • Der Gnostiker zeigt eine Unzufriedenheit mit seiner Lage in der Welt.
  • Der Gnostiker glaubt, die Welt sei schlecht beschaffen, aber er glaubt nicht an die Unzulänglichkeit des Menschen.
  • Der Gnostiker glaubt, vom Übel der Welt erlöst werden zu können.
  • Der Gnostiker glaubt, die Seinsordnung könne in einem historischen Prozess verändert werden.
  • Der Gnostiker glaubt, die erlösende Änderung könne durch eigene Tat des Menschen erfolgen.
  • Der Gnostiker glaubt sich im Besitz des Wissens um die Methode dieser Änderung und erstellt von diesem Standpunkt aus Rezepte zur Selbst- und Welterlösung und verkündet prophetisches der Menschheit sein Erlösungswissen.

Für mich persönlich wirft Dualismus gnostischer Strömungen eine bedeutsame Frage auf: Ein Blick auf Geschichte und Zustand unserer eigenen Spezies sowie der von uns marode gemachten Natur lässt daran zweifeln, dass nur ein ‚gutes‘ Prinzip (oder ein gütiger Schöpfer) existiert. Wenn wir von der Erbsündenlehre einmal absehen, wie sollte in diesem Fall ‚das Böse‘ in die Welt gekommen sein? Eher sehe ich Anzeichen für ein konstruktives und ein destruktives Prinzip, die einander sowohl ergänzen als auch bekämpfen.

Siehe auch:

→ D. Von einer verfolgten Minderheit zur Staatsreligion