„Das ist gar nich‘ mehr muckelig jetzt…“ – Ablenkung früher & heute

Derzeit fehlen mir ziemlich die Worte in dieser Coronakrise …einer Pandemie mit der vermutlich kaum einer von uns gerechnet hat, obwohl damit zu rechnen war. Viele Themen, die derzeit laufend hin- und hergewälzt werden, erscheinen mir so wohlfeil:

  • Politikerschelte geht eigentlich immer – doch bis das Gröbste überstanden ist, nützt das Meckern herzlich wenig.
  • Statistiken über infizierte Personen je Staat/Bundesland finde ich nicht sehr hilfreich, solange nicht auch die Gesamtzahl getesteter Personen gegenübergestellt wird.
  • Dass sich unter meinen Landsleuten gefühlt 20 Millionen Virologen befinden, hätte ich auch nicht vermutet. Als Nichtmediziner halte ich mich bei fachlichen und zudem sensiblen Fragen komplett zurück.
  • Über rücksichtsloses Hamstern rege auch ich mich auf. Doch was erreiche ich denn damit, wenn ich nun ebenfalls das leere Brotregal im einzigen zu Fuß erreichbaren Supermarkt fotografiere und in den sozialen Medien verteile?
    ⇒ Mit dieser Momentaufnahme (am nächsten Tag habe ich eigentlich alles Benötigte einkaufen können) vergrößere lediglich ich noch die Beklemmungen anderer Menschen, die dann erst recht unreflektierte Panikkäufe starten. Diesbezüglich würde ich mir etwas mehr Mitdenken und dafür weniger Drang zur Selbstdarstellung bei meinen Zeitgenossen wünschen.

Sich unablässig mit Hiobsbotschaften berieseln lassen, ist mehr bedrückend als informativ. Darum höre ich mir das werktägliche Corona-Update (→ NDR-Podcast mit Prof. Drosten) an und anschließend vielleicht noch eine Pressekonferenz, aber dann ist es auch gut.

Ansonsten: Wer wie ich nicht zum systemrelevanten Teil der Bevölkerung zählt, bleibt am besten mit seinem Hintern daheim (kurze Spaziergänge alleine oder mit Hund sind ja noch erlaubt und eigentlich auch sinnvoll) und lenkt sich so gut es geht ab.
Das ist gar nicht immer einfach… für Ablenkung zu sorgen, wo die Lage und die beständige Ungewissheit doch ziemlich bedrückend und angstauslösend ist.

Strafe Gottes??

Ach ja, die Prepper haben es schon immer gewusst und auch Endzeitpropheten wittern nun Morgenluft, auf eine mitunter schäbige Weise:
Wer verkündet, die Pandemie mit womöglich vielen Todesopfern sei als Strafe von Gott gesandt, meint damit doch: ‚Ihr anderen werdet nun gestraft, weil ihr nicht so gottesfürchtig, fromm (und randvoll mit moralischer Überheblichkeit) gelebt habt wie ich‘.
Was solche Tiraden, die dieser Tage immer schriller und aufdringlicher werden, über den Charakter des jeweiligen Verkünders besagen? Nun, dazu möchte ich mich nicht auslassen.

Wer sich laut oder nur insgeheim fragt, ob Gott nicht (wieder einmal) genug von der Menschheit habe – oder warum Er denn solches Leid zulasse – steht damit vor einem grundsätzlichen (theologischen) Problem. Jene Theodizee lässt sich nicht sinnvoll in wenigen Worten abhandeln. Dieser Blog geht an anderer Stelle auf diese Fragestellung ein:

Das Prinzip von Ursache und Wirkung mag Unverständnis und Bitterkeit auslösen: ‚Was habe ich denn falsch gemacht …weshalb werde ich gewissermaßen in Mithaftung genommen?‘ Nun, es handelt sich dabei eben nicht um eine Sanktion, die willentlich über uns verhängt wird. Vielmehr zeigen sich die Folgen von Handlungen und Versäumnissen der Menschheit insgesamt sowie einzelner Staaten (in den jeweiligen Ausprägungen dieser Krise).
Für die kausalen Zusammenhänge (warum ist dieses Virus so ansteckend und so tödlich und warum verbreitet es sich dermaßen rasch?) lassen sich medizinische und epidemiologische Gründe finden, ganz ohne Theologie.

(→ Vgl. „Corona-Pandemie zeigt die Kehrseite der Globalisierung“ auf tagesspiegel.de)

Und die Endzeit? Nun ja, bereits die Apostel und Jünger Jesu waren überzeugt, viele von ihnen würden noch das Ende der Welt und das Zweite Kommen Christi miterleben. Zur ersten Jahrtausendwende waren sich viele Kleriker und Theologen sicher, das Ende stehe unmittelbar bevor.
Und im Grunde gab es in jeder schweren Zeit eine wachsende Zahl endzeitlicher Visionen – dass solche auch jetzt im Zuge der Corona-Pandemie laut werden, ist also nicht verwunderlich.
Nur, derzeit bestehen für einen ‚biblischen Weltuntergang‘ (also das Ende der gesamten Schöpfung) kaum sichtbare Anzeichen – diese Pandemie stellt eher einen harschen Stresstest für die menschliche Zivilisation dar.

Wer dennoch allen Ernstes die in der Johannes-Apokalypse beschriebenen Zustände verwirklicht oder unmittelbar bevorstehend sieht, sollte dies auch durch einen Vergleich Bibel – Realität der Genwart belegen können. Ein  solcher Beleg wurde meines Erachtens bislang noch nirgends glaubhaft erbracht – die in der Offenbarung skizzierten Naturkatastrophen weisen völlig andere Charakteristika auf.

Gebete?
Persönlich bin ich der Ansicht, der Vorgang des Betens entfaltet eine positive, stärkende und nicht selten auch beruhigende Wirkung. Ähnliches dürfte auf mediale Gottesdienste zutreffen, die nun (zum Beispiel → hier) angeboten werden. Was man sich konkret davon erhofft – etwa im Hinblick auf die Infektionsrate, die Suche nach einem Wirkstoff oder die ökonomischen Folgen der Coronakrise – obliegt dem persönlichen Hintergrund.

Früher war alles besser??

Frage mich gelegentlich, wie die Generationen vor uns damit in Kriegs- und Hungerzeiten umgegangen sind, welche sich über Jahre hinzogen. Meine Großeltern besaßen in den 1940er Jahren kaum Bücher und waren auch nicht musikalisch. Tagsüber arbeiteten sie im eigenen Gemüsegarten, der zum Überleben der Familie einen essenziellen Beitrag leistete. Laut meinem Opa war „im Garten immer etwas zu tun“, solange keine Minusgrade herrschten. Zusätzlich gab es noch einen kleinen Stall mit Kaninchen und etwa 15 Hühner, die auch versorgt werden mussten.
Entsprechend waren sie viel an der frischen Luft und am Abend von der körperlichen Arbeit beizeiten müde. Auch das mag als Ablenkung gewirkt haben und so war die Familie tagsüber beschäftigt, die Kids halfen fleißig mit.  Doch irgendwann, spätestens mit Einbruch der Dämmerung waren die anstehenden Arbeiten auch fertig und bis zum Schlafengehen blieben noch mindestens fünf Stunden.

TV gab es damals noch nicht und der Volksempfänger war, nun ja, eben begrenzt. Also wurden Brettspiele wieder und wieder gespielt – Mühle, Dame, wohl auch Mensch-ärgere-dich …die Kinder (in diesem Falle mein Alter Herr) wollten ja auch noch bespaßt werden. Richtig schwierig wurde es am Abend. Ich erinnere mich nicht, ab wann es im Haus meiner Großeltern elektrischen Strom gab, doch der war erstens begrenzt und zudem herrschte in Kriegszeiten ein striktes Verdunkelungsgebot (wg. Luftschutz).

In einer Großstadt existierten auch damals schon weitreichende Freizeitangebote wie Kinos, Gastronomie, Tanzveranstaltungen und sogar Fußballspiele in prall gefüllten Stadien (erstaunlich, mitten im Krieg, aber wohl zutreffend). Doch dazu musste erst mal das nötige Budget vorhanden sein und auf dem Lande gab es bestenfalls eine Dorfkneipe, die auch nicht ewig lange geöffnet hatte. Sofern also kein Luftalarm herrschte, saßen Oma und Opa am Abend bei spärlichem Kerzenlicht zusammen – und konnten genau was tun, um die Zeit bis zur Nachtruhe totzuschlagen?

Ganz ehrlich, im einzelnen weiß ich es nicht. Über ‚die schlimmen Jahre‘ wurde mit uns Enkeln nicht sehr gerne gesprochen. Und meine Eltern waren noch zu jung, um viele Erinnerungen berichten zu können. Doch wenn ich dieser Tage Sprüche wie „das ist ja wie im Krieg“ höre, beschleicht mich ein ganz ungutes Gefühl: kann es sein, dass wir ‚Jüngeren‘ völlig falsche Vorstellungen besitzen, auch wenn wir nun erstmalig mit einer echten Ausnahmesituation konfrontiert sind?

Jedenfalls haben wir (jedenfalls die meisten von uns) heute doch erheblich mehr Möglichkeiten, für unsere Ablenkung und Unterhaltung zu sorgen: 50 – 100 TV-Programme, vor allem aber das Internet und einstweilen auch noch Streamingdienste. Im Web finden sich zahllose Angebote zum kostenlosen Download von Literatur (nicht Schund-, sondern klassische Literatur;).

    • Projekt Gutenberg DE mit weit mehr als 10.000 online lesbaren Büchern
    • Linkliste für Gratis-Sachbücher auf chip.de
    • Auf YT und weiteren Videoportalen findet man Musik für jeden Geschmack,
    • Besonders geschätzt von mir wird das „Kaminzimmer des alten Poeten„, dem größten deutschsprachigen Klassik-Hörbuch-Archiv auf YouTube: „täglich neue Geschichten, Gedichte, Krimis, Detektivromane, Balladen aus der klassischen Literatur und Selbstgeschriebenes aus meiner eigenen Feder und der von Freunden“.
      Gerade entdecke ich dort alte Sagen und Geschichten, welche eher regional bekannt und für mich daher Neuland sind. Zum Beispiel die Wiener Sage vom Dämon Wind:
  • Kommunikation (Email, Telefon, VoIP-Telefonie mit Screen-Sharing-Funktion) ist weiterhin erlaubt …und wird so intensiv genutzt, dass Internet-Provider schon mal an Grenzen kommen können.
  • Bewegung ist weiterhin wichtig.

⇒ Heute sollte es uns etwas leichter fallen, uns ‚auf andere Gedanken zu bringen‘ – auch und gerade in einer Zeit, die wir als wahrlich niederdrückend erleben.
Damit möchte ich dieses Bedrückende, all die Angstauslöser keinesfalls relativieren oder kleinreden …sondern ggf. den Blick auf das Positive lenken, auf das weiterhin zugegriffen werden kann.

Ihnen, liebe Leser, wünsche ich viel Kraft für die vor uns liegenden Tage.
Bleiben Sie gesund!


PS: Was Freizeit-Philosoph Ditsche (weltbekannt durch seine Aussage „das muss perlen“) über die momentane Lage denkt und wie er die komische, bedrückende Stimmung beschreibt, kommt meinen eigenen Eindrücken recht nahe.

Siehe auch

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»Wenn die Furcht für mich denkt…« – Corona und die Angst

Nun ist unversehens ein sehr realer Anlass für Furcht entstanden: Die Corona-Pandemie ist längst nicht mehr nur ein Thema in Asien, sie hat auch Europa fest im Griff. Den gesundheitlichen Aspekt betrachte ich mit einem Mix aus Zuversicht und Fatalismus: einerseits verhalte ich mich so umsichtig wie möglich – social distancing bereitet mir weniger Probleme als den meisten Mitmenschen. Sollte mich das Virus trotz Einhaltung aller empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen erwischen – naja, dass ist das eben so und ewiges Leben hatte ich mir ohnehin nie erhofft. Damit will ich die möglichen Krankheitsfolgen nicht etwa relativieren – Lungenentzündung ist kein Spaß. Aber mehr als mich vorsehen (wozu auch gesunde, abwechslungsreiche Ernährung zählt) kann ich eben nicht machen.

Was mir persönlich mehr Sorge und inzwischen auch Angst macht: wie wirken sich die idiotischen, weil nicht am Bedarf orientierten Panikkäufe auf die Versorgungslage aus? Und was mag einzelnen Mitbürgern in ihrer Panik noch an Verrücktheiten einfallen, sobald das Horten von Küchenrolle, Tempo und (natürlich) Bergen von Klopapier als Kompensationshandlung nicht mehr ausreicht?

Irreale Ängste erkennen und analysieren

Bereits ohne konkrete, sichtbare Veranlassung kann Furcht aufkommen. Vielfach maßgeblich dafür sind

  • Befürchtungen, die zwar einen realen Ausgangspunkt haben, der zu unguten Szenarien ‚weitergesponnen‘ wird: was ist, wenn das Klopapier alle ist?
    (Dies scheint ja für viele eine Horrorvorstellung zu sein. Für mich selbst nur, wenn auch noch Wasser abgestellt würde und die Flüssigseife alle ist.)
  • Zurückliegende, schmerzhafte Erfahrungen, welche das assoziative Denken in unguter Weise prägen: dass ‚gebranntes Kind das Feuer scheut‘, weiß jeder.
    Ein Beispiel, das : Die ›Röhre‹, also das MRT (Magnetresonanztomographie) bereitet mir immer wieder mächtiges Unbehagen – so eng so laut. Das geht schon Tage vorher los: ‹Wenn nun ein Feuer ausbräche…wenn dadurch der Strom ausfiele und der Alarmknopf nutzlos würde…und wenn das anwesende Personal vor Rauch und Feuer fliehen würde… wenn der eingepferchte Patient allein in dem Inferno zurück bliebe.‹
    Man kann diese Vorstellung noch weiter treiben, doch die Anzahl der ins Absurde abgleitenden Und-wenn’s ist schon groß genug. Fakt ist: So ein Szenario ist äußerst unwahrscheinlich.

Verständnis hinsichtlich eigener Befürchtungen sollte bei anderen sogar in der akuten Lage nicht vorausgesetzt werden – weil die Verarbeitungsmechanismen eben sehr verschieden sind. Die subjektiven Gegenstände und Ausmaße meiner Furcht sind dem Gegenüber weder bekannt noch wären sie in jedem Falle nachvollziehbar. Auch in diesem Zusammenhang hilft es, das eigene ‚Angstprofil‘ selbstkritisch zu durchleuchten:

  • Was ist es genau, wodurch ich im Augenblick beunruhigt bin – die Gesundheitsfolgen im Falle einer Ansteckung? Die drastischen Schilderungen schwerster Verläufe (»wie Ertrinken, nur langsamer«)? Die vielen Nachrichten aus aller Welt, etwa der tägliche Anstieg infizierter und verstorbener Personen?
    Oder womöglich die gedankliche Vorwegnahme einer späteren Entwicklung, welche zwar eintreten kann, aber nicht muss – Arbeitslosigkeit, Geldmangel, eine drastische Veränderung der bisherigen Lebensumstände bis hin zu bitterer Not?

Mitunter wird die Antwort lauten: »Ja genau, von alledem etwas.« Selbstbeobachtung ist ein erster, wichtiger Schritt – dabei kann es helfen, eine Art ‚Corona-Tagebuch‘ oder ‚Krisenjournal‘ anzulegen, worin die täglichen Befindlichkeiten und Furchtmomente notiert werden. Der Vorgang des Schreibens ermöglicht mitunter schon ein Loslassen, eine innere Distanzierung von dem, was Angst macht.

Was kann man tun im Angesicht der Angst?

Wer das gar nicht von sich kennt, ist zu beneiden: jene schillernden Szenarien eines (vermeintlich oder real heraufziehenden) Schreckens, die zuerst in der eigenen Gedankenwelt wuchern und zunehmend die Gefühlslage bestimmen – sich bei ‚optimalen‘ Bedingungen steigernd bis zum Kontrollverlust – oder der tiefen Angst, einen inneren Zustand nicht länger beherrschen zu können.
Bezug sind hier nicht irreale Ängste und Phobien, sondern die (Vorwegnahme von nicht so unwahrscheinlichen) Situationen, die einen in wachsende Unruhe versetzen.

Angst vor Kontrollverlust ist dabei nicht zwangsläufig, doch sie kann sich einschleichen – wenn man nicht aufpasst und beizeiten ‚etwas unternimmt‘. Eine andere Form von Kontrollverlust kann jedoch auch befürchten, wer sich einer Bedrohung ausgesetzt glaubt, die in der subjektiven Wahrnehmung −immer näher kommt‹. Gegenstand der Furcht ist dann nicht Verlust eigener Contenance (nervöses Umherlaufen, mit den Händen fuchteln, Weinen – what ever) – vielmehr entsteht die Vision einer zukünftigen Konstellation, welche sich womöglich nicht mehr aktiv steuern und gestalten lässt: Hilflosigkeit und Autonomieverlust.

Der Autor des verlinkten Artikels2) spricht von Emotionen, die sich verselbständigen und »dann das Ruder übernehmen, während aufdringliche Gedanken ein bedrohliches Szenario für uns heraufbeschwören, vor dem wir uns verteidigen müssen.«

»Auch wenn es in unserem täglichen Leben …der Faktor ›Angst‹ …präsent ist, dürfen wir ihm nicht die volle Macht geben.«

Gelingt dieses Bewachen und Eindämmen von Gedanken (die Emotionen erst auslösen bzw. verstärken) nicht, sind unsere Schlussfolgerungen und Urteile sind »nicht mehr rational und wir geben dem instinktiveren, weniger nachdenklichen und nicht logischen Autopiloten das Kommando«.

Die Folge davon ist permanenter Stress: ein »Zustand ständiger Hypervigilanz, immer in der Defensive, [wir] reagieren überproportional auf die unbedeutendsten Dinge, …und rechnen mit Dingen, die noch nicht geschehen sind«.

Derartige Anspannung macht sich nun auch im Zeichen von Covid-19 bemerkbar: wir sind uns ständig angespannt der neuen Gefahr bewusst (spätestens beim Verlassen des häusliche Umfelds): warum ließ diese Frau zu, dass ihr Kind mit rasselndem Husten und Schnupfnase auf mich zu rennt und prustend direkt vor mir stehen bleibt? Muss der Mann in der Kassenschlange mir spürbar auf die Pelle rücken?
Trotz eigener Vorsicht lassen sich solche Momente eben nicht immer vermeiden …diese immer wieder anzutreffende Unbesonnenheit (oder bewusste Ignoranz?) ist ein Punkt, der mich gerade in den letzten Tagen ziemlich irritiert hat… inzwischen müsste doch eigentlich jede/r begriffen haben, wie ernst diese Lungenkrankheit ist.

Und dann sind da auch noch die längerfristigen Gedanken und Furchtauslöser: Was soll nur werden? Was wird mit der Wirtschaft, wenn nun über Wochen (oder Monate?) das Land praktisch stillsteht und der Konsum auf ein Minimum reduziert ist?
Vom Typ her bin ich einer, der beängstigende Sachverhalte rationalisiert und äußerlich ruhig bleibt …nur, mit ‚Coolness‘ hat das nicht das geringste zu tun. Auch ich nehme wahr, wie ich von Tag zu Tag dünnhäutiger werde.

Nicht lähmen lassen – aber wie geht das?

Vorab: Dass diese ungewohnte Situation Furcht auslöst – ist völlig normal. Einigen wird ›ein bisschen mulmig zumute‹, während es anderen zunehmend schwer fällt, überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen.

Mich selbst sehe ich da eher im Mittelfeld: Eine paranoide, sich verselbständigende Ausprägung der Corona-Angst hat sich meiner (noch) nicht bemächtigt, doch mir ist schon bewusst: ich sollte achtsam bleiben, damit ich mich auch künftig nicht auf diesen abschüssigen Pfad begebe.
Denn in normalen, ruhigen Zeiten klappte es recht gut mit der vorausschauenden Gestaltung von Lebensumständen …erst gar keine Lage eintreten zu lassen, in welcher ich mich über längere Zeit unterlegen, bedroht oder gar ausgeliefert fühlen könnte. Aber jetzt?

Der kurze Beitrag »Nicht lähmen lassen: Vom richtigen Umgang mit der Corona-Angst« gibt wichtige Hinweise:

  • Bevor die Angst einen so richtig packt, wird ein Realitätscheck empfohlen: ›Wie ist meine Gefahrenlage, wie sieht mein Alltag aus, mit wem habe ich Kontakt?‹
  • Die Flut der Bilder und Meldungen kann einen schon übermannen. Als zum ersten Mal über Hamsterkäufe berichtet wurde, kam ich an meinen persönlichen Tiefpunkt in dieser Krise, denn das war gänzlich neu und traf mich darum unerwartet.
    Alles was ich tun konnte: mir eigenen Überblick über die Lage verschaffen, die Passivität ablegen. Also suchte ich den nahe gelegenen Supermarkt auf und stellte fest: fast alle Artikel waren noch vorhanden.
  • Im o.a. Beitrag wird zudem empfohlen, sich anhand offizieller Quellen zu informieren, beim Robert-Koch-Institut oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (→ BZgA).
    Das sind dann weder Fakenews noch Verharmlosungen, sondern »gesicherte Erkenntnisse und klare Empfehlungen, darauf kann man sich verlassen – und das gibt dann auch wieder Sicherheit.«

Hinsichtlich konkreter Ratschläge empfehle ich auch die Lektüre des Artikels ›Angst vor Kontrollverlust: wenn die Furcht für mich denkt‹. Zwei grundsätzliche Überlegungen daraus:

  • Gute Absichten zu haben, ist löblich – das bloße Wollen & Können reicht aber bei weitem nicht aus, sofern „in uns ein Knoten ist, der uns daran hindert, durchzuatmen und nachzudenken“.

»Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat.« (Hegel)

  • »In jeder Situation haben wir alle die Möglichkeit, auf die eine oder andere Weise zu reagieren. Die Wahl des besten Weges liegt in unserer Verantwortung.«
    Es kommt also drauf an, die innere Ruhe wieder zu finden (→ Entspannungsübungen, z.B. nach Jacobson), die eigene Situation so nüchtern und klar wie möglich zu definieren und dann geeignete Korrekturen vorzunehmen.

⇒ »etwas Kathartisches und Befreiendes tun, um einen Anfang zu machen.«⇐

Abschließend sei vermerkt: Einerseits führt ein Übermaß an gewollter Kontrolle über jede Lebenssituation zwangsläufig zu Disharmonie. Andererseits zeigt sich in dieser Krise: Es ist eine pure Illusion, vollständig und immer die Kontrolle behalten zu können.
Selbst wenn ich mich ‚richtig‘ verhalte, bleibt unweigerlich ein Restrisiko an Covid-19 zu erkranken (oder beim nächsten Sturm von einem herabfallenden Dachziegel getroffen zu werden).


›Litanei gegen die Furcht‹ und Meditation zur Angstbewältigung

Apropos Furcht… als begeisterter Leser von Science-Fiction-Literatur kam ich recht frühzeitig mit dieser auto-suggestiven Methode in Berührung, durch die sich ein lähmendes Aufkeimen von Angst bewältigen lassen soll. Jedenfalls sind die fiktiven Ordensfrauen der Bene Gesserit aus Frank Herbert’s Dune-Zyklus (auch ‚Der Wüstenplanet‘ gibt es als Hörbuch – für lau) überzeugt, dass sie funktioniert:

Ich darf mich nicht fürchten.
Die Furcht tötet das Bewusstsein.
Die Furcht führt zu völliger Zerstörung.
Ich werde ihr ins Gesicht sehen.
Sie soll mich völlig durchdringen.
Und wenn sie von mir gegangen ist,
wird nichts zurückbleiben.

Nichts außer mir.

Und warum auch nicht …jedenfalls in Situationen akuter Furcht? Indem man sich auf die Bedeutung der Worte konzentriert, während diese lautlos rezitiert werden, lässt sich die ggf. ungut beschleunigte Atmung leichter kontrollieren – um damit auch die übrigen Regungen abzumildern.
In der Zeit mündlicher Prüfungen, denen ich mehr mit Nervosität als mit echter Angst entgegensah, probierte ich dies (mit einem Schmunzeln von wegen Science Fiction) aus: jedenfalls gelang es mir, mich abzulenken und mir nicht länger die Folgen eines möglichen Misserfolges auszumalen. Von daher: Problem so gut wie gelöst.

Der Grundgedanke – Meditation zur inneren Festigung und Stärkung – ist nicht verkehrt, soweit man sich darauf einlassen kann. Warum nicht versuchsweise eine ›Traumreise Waldspaziergang‹ unternehmen? …erinnert mich ein wenig an autogenes Training. Jeder von uns wird selbst herausfinden, welche Methoden individuell er/sie als hilfreich befunden werden.
Ein wenig damit zu experimentieren ist ebenfalls ein Weg, um vom Gelähmtsein und ständig wiederkehrenden Gedanken ins Tun zu kommen.


Quellenangaben

  1. »Nicht lähmen lassen: Vom richtigen Umgang mit der Corona-Angst«
  2. »Angst vor Kontrollverlust: wenn die Furcht für mich denkt«
    auf gedankenwelt.de
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Winterdepression? Nö, aber ganz viel Selbstmitleid :)

Hardy Schwetter (*1971) – eher bekannt unter seinem Künstlernamen Christian Steiffen – hat es wirklich drauf, die kleinen menschlichen Schwächen und Unarten in liebenswürdiger Weise auf den Punkt zu bringen. Besonders in seinem Song «Selbstmitleid» ist dies gut gelungen, finde ich.

Die ‚Moral‘ braucht keine lange Erklärung, der Text spricht ja für sich. Die Lebenseinstellung ‚Schuld an meinem Elend haben immer nur die anderen‘ kenne ich auch von mir selbst – von früher. Heute klappt beides nicht mehr: mich als passives Opfer zu sehen würde letztlich nur einen Widerstand gegen aktive, u.U. schmerzliche Veränderungen darstellen.
Bloß, sich in in einem Morast aus Selbstvorwürfen zu suhlen, bewirkt ebenfalls nichts Gutes – ein guter Freund regte mich vor Jahren dazu an, vom Denken ins Handeln zu kommen – womit er genau den Nerv traf.

«Willst du mal richtig traurig sein
dann lade keine Freunde ein
am besten bleibst du ganz allein
und du lässt niemand hinein

Ooh, verlasse auch niemals Dein Zimmer
Und Du wirst sehen es wird noch schlimmer
weine einfach still in dich hinein
und die ganze Welt stimmt ein

Selbstmitleid – Das ist die schönste Jahreszeit
Viel schöner noch als Winterdepression
Denn da hat man nur im Winter was davon
Selbstmitleid – komm, nimm dir einfach mal die Zeit

um richtig traurig zu sein …und ganz allein

Mach dich frei von allen Zwängen
lass den Kopf mal richtig hängen
Vergiss nicht, das du wertlos bist
und dein Leben sinnlos ist

Schuld an allem bist Du selbst
und hast du dir das erst einmal vorgestellt dann
denk auch noch ans Liebe Geld
und alles kommt von selbst

Selbstmitleid…

Und dann bade von Herzen in deinen Schmerzen
denn im Schmerz ist die Welt erst schön
ja, bade von Herzen in deinen Schmerzen
und die Sonne wird für immer untergehen.»

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Evolutionsforschung: ›Unintelligentes Design‹ beim Nahrungserwerb

Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, ist mir durch seinen Vortrag »Evolution oder Schöpfung? Versuch einer Synthese« positiv in Erinnerung.

Hier befasst sich der Zoologe mit einer relativ kurzen Widerlegung eines Intelligenten Designs, d.h. der kreationistischen Auffassung, wonach sich bestimmte Eigenschaften des Lebens auf der Erde nur durch einen intelligenten Urheber erklären lassen.

  • »Ein prinzipiell Unerklärlicher [also Gott] ist keine Erklärung«
    … jedenfalls nicht innerhalb der Methoden und Standards naturwissenschaftlicher Forschung.

    (Ebenso kann man im Bereich seriöser Wissenschaft nicht ›die Aliens‹ als Urheber oder Mitgestalter des genetischen Codes (DNS) auf der Erde postulieren: Solange die Existenz von intelligentem Leben außerhalb der Erde ungewiss (wenn auch wahrscheinlich) und die Überbrückung der interstellaren Entfernung einstweilen unklar bleibt, entziehen ›sie‹ sich jeder methodischen Erforschung.
    Na,
    Moment mal, vor zwei Tagen habe ich doch von Szenarien gesprochen, die sich mit exakt diesem Fall befassen. Eben, es handelt sich um verschiedene theoretische Szenarien unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit, wobei selbige sich nicht präzise beziffern lässt. Darin besteht ja gerade das Akzeptenzproblem von Präastronautik-Vertretern wie E.v.Däniken in der Wissenschaftsgemeinde, dass sie bislang noch keinen schlagenden Beweis (z.B. ein unwiderlegbar künstliches und außerirdisches Artefakt) vorlegen konnten.)
  • ›Beweise mir das Gegenteil‹ – ist kein wissenschaftlicher Ansatz.
  • ID lasse sich widerlegen durch ›unintelligentes‹, d.h. unpraktisches Design beim Nahrungserwerb u.a. bei Menschen, Kalamaren,  → es existiere keine planende Voraussicht in der Entstehung und Weiterentwicklung biologischer Arten. Hierfür werden mehrere Beispiele angeführt.
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Exosoziologie. Eine ernsthafte Diskussionsgrundlage

→ Huh, was mit Aliens? Nun ja, es geht um ernsthafte Szenarien, die einstweilen noch theoretischer Natur sind. Bezug ist eine Abhandlung der Bundeszentrale f. politische Bildung aus 07/2019:Exosoziologie. Szenarien für den Erstkontakt mit außerirdischer Intelligenz“, Autoren: Dr. Andreas Anton, Prof. Michael Schetsche


Es ist schon erstaunlich: was zu meiner Abiturzeit (Mitte der 80er Jahre) als pure Science Fiction galt, wird heute als real denkbar diskutiert. Andernfalls käme die Bundeszentrale für Politische Bildung wohl niemals auf die Idee, das Thema Exozoziologie1) ausführlich aufzugreifen.
Buchautoren wie Daniel Gerritzen (→ „Erstkontakt – Warum wir uns auf Ausserirdische vorbereiten müssen“) sind an dem Thema schon etwas länger dran – wohlgemerkt auch nicht als Science Fiction, sondern als Beitrag zu realitätsnaher Zukunftsforschung. Doch vermutlich werden deren Bücher und Traktate vorwiegend von Personen gelesen, die sich ohnehin mit der Thematik befassen.
Die breite Öffentlichkeit verteilt sich, wie so oft, auf die beiden Extrempole Ignoranz und Hysterie.

Ausgangspunkt

  • Irdisches Leben hat die unwirtlichsten Zonen unseres Planeten besiedelt – einmal entstandenes Leben ist extrem robust und anpassungsfähig.
  • Unsere Erde ist keine Ausnahme-Erscheinung, sondern gewöhnlicher Planet, der eine relativ langlebige Sonne innerhalb einer durchschnittlichen Galaxie umkreist – in einer Entfernung, welche die Temperaturen zur Entstehung und Weiterentwickelung von Leben in wässriger Umgebung zulässt (habitable Zone).

    Bislang wurden um die 4.160 Exoplaneten entdeckt, von denen zumindest einige vergleichbar lebensfreundliche Eigenschaften aufweisen dürften wie die Erde3). Unsere Suche umfasst bislang einen kleinen Ausschnitt des schier unendlichen Universums, nämlich unsere Heimatgalaxie. Von daher darf als sicher angenommen werden, auch auf weiteren geeigneten Planeten hat sich Leben entwickelt. Auch intelligentes Leben?

  • Die irdische Evolution brachte mehrfach unabhängig voneinander Intelligenz hervor – in so unterschiedlichen Lebewesen wie Oktopoden, Krähen, Delfinen und Menschenaffen.
    Vor diesem Hintergrund ist es heute so gut wie sicher, dass wir nicht die einzige Lebensform im Universum sind.

Mit der Frage nach einem Kontakt der Menschheit mit einer außerirdischen Intelligenz endet die alleinige Zuständigkeit der Naturwissenschaften. Zusätzlich sind sozial- und kulturwissenschaftliche Disziplinen gefragt: schließlich geht es, hat man die bloße Möglichkeit eines solchen Zusammentreffens erst einmal akzeptiert, um die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Spezies und dem Gelingen/Misslingen von Kontakten zwischen völlig verschiedenen Kulturen.

Allerdings: Ob und wann die Entdeckung von Aliens oder sogar die Begegnung mit Aliens bevorsteht, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Wozu sich dann heute mit dieser theoretischen Möglichkeit beschäftigen…und sogar Szenarien dafür entwickeln? Schließlich kostet so etwas ja Ressourcen und Geld.

⇒ Im Rahmen der Zukunftsforschung werden sog Wild-card-Ereignisse untersucht. Dabei handelt es sich um Vorkommnisse, die eine geringe Eintritts-Wahrscheinlichkeit haben. Falls sie jedoch eintreten, werden sie drastische und potenziell bedrohliche Veränderungen nach sich ziehen und dürften massive Auswirkungen auf unser aller Leben haben.
Beispiele sind die Terroranschläge vom 11.September 2002. Oder, als eher lokales Ereignis von nationaler Relevanz, ein Wieder-Aufflammen des Vulkanismus in der Eifel. (Unter dem Laacher See steigt offenbar Magma auf.  Der Vulkan sei nicht erloschen – man müsse ihn noch genauer beobachten, heißt es inzwischen – aber weil Vulkane unter den landschaftlich reizvollen Maaren seit etwa 13.000 Jahren ’schlafen‘, hält die Politik einen neuerlichen Ausbruch für unwahrscheinlich und lehnt aufwendige Vorbereitungen für den Katastrophenfall ab.)

Methodisch lassen derartige Ereignisse sich in Form einer Szenarioanalyse betrachten und auswerten, bei der verschiedene mögliche Zukünfte vergleichend untersucht werden. Auch für das Wild-card-Ereignis des Erstkontakts der Menschheit mit einer außerirdischen Zivilisation wurde nun eine solche Szenarioanalyse erstellt. Dabei werden drei Basisszenarien betrachtet, abhängig davon, wie dieser Kontakt zustande kommt:

I. Signalszenario

Radioteleskope könnten Signale aus dem Weltall auffangen, die künstlichen Ursprungs sind. Aus deren technischen Parametern ässt sich die ungefähre Distanz des Senders errechnen. Sofern die Beschaffenheit des Signals auf eine inhaltliche Botschaft schließen lässt, würden wir den Versuch unternehmen, diese Nachricht zu entschlüsseln – mit ungewissen Erfolgsaussichten.

Eine größere Entfernung des Senders würde das Ereignis „weit aus dem menschlichen Relevanzsystem herausrücken“ – mit anderen Worten: in diesem Fall werde sich die öffentliche Erregung in Grenzen halten und den Alltag wenig beeinflussen.

Sicher? Man sollte die heutigen Medien nichthinsichtlich ihrer Fähigkeit  unterschätzen, Sensationen zu schüren. Zunächst würde ein wilder Streit um die Echtheit des Signals ausbrechen, praktisch jeder ‚Experte‘ würde sich vor laufenden Kameras darüber verbreiten.
So stelle ich stelle mir – mit einem wohlwollenden Schmunzeln – einen 90 Jahre alten Erich von Däniken vor, wie er fröhlich kräht: „Habe ich es nicht schon immer gesagt?!“ – und vielleicht noch nachschiebt: „Sie kommen…!

Ein unwiderlegbar echtes, also von intelligenten Lebewesen stammendes Signal aus zB 5.000 Lichtjahren Entfernung würde „die wissenschaftlichen, philosophischen und religiösen Subsysteme der Erde tangieren [und] die vorherrschenden Annahmen über die Stellung der Menschheit im Kosmos erschüttern“.
Dennoch gehen die Autoren davon aus, das allgemeine Interesse an dem Thema werde schnell wieder nachlassen. Als einen Grund dafür geben sie die Unmöglichkeit eines unmittelbaren Dialogs an: jedes Signal, also auch jede Antwort von der Erde bräuchte wiederum 5.000 Jahre, um sein Ziel zu erreichen. Eher werde sich die wissenschaftliche Fachwelt intensiv mit dem Signal befassen und nun, befeuert durch den neuen Erknenntnisschub, auch die weitere Suche nach außerirdischen Lebensformen weitaus stärker betreiben als bisher.

Sobald ich mir die Bereitschaft vieler Menschen zu religiösem und ideologischen Fanatismus vergegenwärtige, gelange ich zu einer etwas anderen Einschätzung: Sicherlich würde nicht jeder von uns in Rage versetzt und an manchen geht ja auch sonst alles spurlos (und oftmals unbemerkt) vorbei.
Der ewige Kampf um die Deutungshoheit, diese tödliche Rechthaberei in Bezug auf Gottheiten, Dogmen und religiöse Normen, würde meiner Ansicht nach noch verbissener ausgefochten als bisher. Womöglich müssten die Entdecker des Signals und mit dessen Erforschung befasste Fachleute um Leib und Leben fürchten – weil aus Sicht einzelner Fanatiker nicht sein kann, was nicht sein darf…

Allerdings: Ein Signal aus geringer Entfernung „würde der individuellen wie kollektiven, also politischen und ökonomischen, Zukunftsplanung ein schwerwiegendes Element der Unsicherheit hinzufügen“. Zudem dürften sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen zunehmen, welche Folgen aus dem Kontakts erwachsen könnten.
Ein weiterer Relevanz-Faktor ergibt sich aus der Frage, ob die Entschlüsselung der ‚Botschaft‘ relativ zeitnah gelänge oder eben nicht.

II. Artefakt-Szenario

Eines Tages könnten wir in unserem Sonnensystem oder auf der Erde selbst die materiellen Hinterlassenschaften einer außerirdischen Zivilisation vorfinden – etwa eine Raumsonde.

„Vorstellbar sind Objekte einer solchen Fremdartigkeit, dass bei ihnen nicht nur jede heute bekannte Methode der technischen Untersuchung versagt, sondern bereits die Einordnung „künstlich“ oder „natürlich“ lange Zeit zweifelhaft bleiben könnte.“ Als anschauliches ‚Beispiel‘ wird „Oumuamua“ angeführt, jenes im Oktober 2017 entdeckten Himmelsobjekt ‚von außerhalb‘ unseres Sonnensystems. Aufgrund seiner eigentümlichen Eigenschaften entstand auch unter als ’seriös‘ bekannten Wissenschaftlern eine lebhafte Debatte darüber, ob dieser Asteroid möglicherweise künstlichen Ursprungs sei.

Der momentane Stand dieser Diskussion scheint zu sein:
„Die genaue Herkunft des interstellaren Objekts kann bisher nicht bestimmt werden, zumal seine Flugbahn nicht-gravitative Einflüsse zeigt.“ (vgl. Wikipedia)

Das Ausmaß der Reaktionen unter den Erdlingen auf ein außerirdisches Artefakt hängt als maßgeblich davon ab, ob selbiges überhaupt mit Sicherheit identifiziert werden kann – und was ggf. bei einer Altersbestimmung herauskäme. Das mögliche Alter würde «ein gefundenes Objekt in den menschlichen Zeithorizont hinein- oder im Gegenteil aus ihm hinausrücken.»

  • Im Falle eines geschätzten Alter von nur 100 Jahren wären wir «mit unmittelbaren ‹zeitlichen Nachbarn› konfrontiert, die möglicherweise von der Existenz einer Zivilisation auf der Erde wüssten.»
    Neben Spekulationen über seine Funktion(en) entstünden schwerwiegende praktischen Fragen: «Soll das Objekt möglichst unberührt bleiben oder sollte es systematisch wissenschaftlich untersucht werden? Kann es ggf. sogar aus dem Weltraum auf die Erde gebracht werden? […]
    All dies sind Fragen, für die es keinerlei internationale Regelungen gibt.»

Mehr noch: wem ‚gehört‘ das Objekt, abhängig vom Ort seiner Auffindung. Mit ‚etwas‘ Phantasie kann ich mir einen Streit zwischen den USA, Russland, China und weiteren Nationen um das Laserschwert von Enakin Skywalker schon ausmalen 😉
Aber im Ernst, würde sich eine international besetzte Expertengruppe mit dem Artefakt befassen und auch Entscheidungen zu seiner weiteren ‚Handhabung‘ vorbereiten dürfen? Es bleiben Zweifel, ob nicht nationale Egoismen im Vordergrund stünden – wie bislang ja auch meistens.

Die mediale Aufgeregtheit wäre noch heftiger und anhaltender als im Signalszenario (s.o.), auch in der allgemeinen Öffentlichkeit wäre das Interesse gewaltig. Zudem würde der Fund eines oder mehrerer außerirdischer Artefakte das Weltbild der Bevölkerung nachhaltig beeinflussen – immer vorausgesetzt, eine Zensur (etwa aus Furcht vor Unruhen) fände nicht statt.

«Eine gegenüber dem Signalszenario stärkere kulturelle Brisanz ergäbe sich hierbei daraus, dass die „Es gibt uns“-Botschaft durch eine „Wir waren hier“-Botschaft …dominiert würde.»
Außerdem wäre bewiesen, dass sich auch interstellare Entfernungen mit einer fortgeschrittenen Raumfahrt-Technologie überbrücken lassen.

Erich v. Däniken wäre nun ganz außer sich. Denn ein derartiges Artefakt, versehen mit einem Bestätigungs- und Echtheitsvermerk von NASA und MIT, wäre allerdings die Krönung seines Lebenswerks. (Auch wenn ich selten einer Meinung mit ihm bin – vor allem darüber, was alles als „Beweis“ gelten darf – bewundere ich die Energie, mit welcher der 84-Jährige unermüdlich für seine Sichtweise eintritt..)

Raumfahrtnationen und Raumfahrtkonzerne unternähmen große Anstrengungen, weitere außerirdische Artefakte im Sonnensystem zu entdecken – dabei läge der Ressourcen-Einsatz auf einem völlig neuen Niveau und würde, so die Autoren, Erforschung des Sonnensystems generell revolutionieren.

Brisant ist die politische Relevanz: Als feststehende Tatsache dürften früheren Besuche außerirdischer Intelligenzen in unserem Sonnensystem die weltpolitische Agenda stark beeinflussen: die Möglichkeit der Rückkehr eines technologisch weit fortgeschrittenen außerirdischen Akteurs mit unbekannten Motiven wäre nunmehr eine reale Möglichkeit, und nicht länger bloße Spekulation von Military SF -Autoren wie John Ringo und David Weber. (Deren Romane behandeln zwar fiktionale Ereignisse, doch in ihren Vorworten wird mit spürbarem Ernst vor dieser Möglichkeit gewarnt – zumal keine Nation der Erde auf so etwas wirklich vorbereitet ist.)

⇒ Die bisherige Machtverteilung auf der Erde wäre infrage gestellt. Der neue Akteur könne im worst case aufgrund seiner überlegenen Technologie «ein Machtmonopol beanspruchen, dem die irdischen Nationalstaaten nichts entgegenzusetzen hätten. Konstituierende Elemente des politischen Weltsystems der Erde wie die nationalstaatliche Souveränität stünden dann zur Disposition.»

Sorry, das ist die politische Dimension, aber bei weitem nicht der schlimmste erdenkliche Ausgang.
Nun, falls es beim einmaligen Auffinden eines Artefaktes bliebe, würden Euphorie und neuerlicher Endzeitwahn (wie vor dem 21.12.2012, nur heftiger) vermutlich mit der Zeit abebben. Sofern sich, auch als Folge der nun zielgerichteter und mit mehr Aufwand betriebenen Forschung, die eindeutigen Anzeichen für Besuche von Außerirdischen mehren, stelle ich mir eine konfliktreichen Neuorientierung der Menschheit vor.

III. Begegnungs-Szenario

→ Im ‚erdnahen‘ Weltraum erschiene ein außerirdischer Raumflugkörper, der mutmaßlich von einer biologischen oder künstlichen Intelligenz gesteuert wird.

Ein gewisser Erich v.D., soeben muntere 103 Jahre alt geworden, quietscht vor Freude und stellt mit seiner Fangemeinde rasch einen Kornkreis her. Noch aus großer Höhe ist zu lesen: „Ich will mit! Kommt schon, dem Henoch habt ihr doch auch einen Mitflug gestattet„…

Wie weit das fremde Objekt sich der Erde nähert, hätte erhebliche Auswirkungen: Je näher es der Erde käme, als desto bedrohlicher würde es wahrscheinlich wahrgenommen.

Im Begegnungsszenario nimmt eine höchst komplexen Situation an, in der es neben den Menschen einen weiteren handelnden Akteur gibt: eine außerirdische Intelligenz, über die wir zunächst nichts wissen und deren Motivecwir auch nicht ohne Weiteres zu erschließen vermögen.. Aus diesem Grund sind keine Vorhersagen über das Handeln der Fremden möglich.

«Wir können einfach nicht wissen, was bei einem solchen Zusammentreffen konkret geschehen würde.»

Vorstellbare Kontaktszenarien sind uns bereits aus der Science-Fiction mehr oder weniger gut bekannt. «Der Erstkontakt als fiktionales Ereignis wurde kulturell schon vielfach durchgespielt und hat seine Spuren im kollektiven Denken hinterlassen…» – und zwar im positiven wie im negativen Sinne.
Dadurch wären wir‘ bei einem Erstkontakt nicht mit einer gänzlich „unvorstellbaren“ Situation konfrontiert. Die Tendenz, die Deutungsmuster aus dem fiktionalen Kontext auf die wirklichen Geschehnisse zu übertragen, könne sich indes als fatal erweisen.
Beispiel: politische und Entscheidungsträger und Militärs deuten das Erscheinen einer außerirdischen Raumsonde vorschnell als „Invasionsabsicht“ leiten und militärische Abwehrmaßnahmen ein.

Soziologisch lasse sich Senario III als radikale Form eines asymmetrischen Kulturkontakts beschreiben. Solche Kontakte kennen wir aus der Geschichte: Beim Zusammentreffen gehen beide Seiten von einem erheblichen Machtgefälle zwischen den Beteiligten aus.  «Für die „Entdecker“ bewies die Entdeckung fern ihrer eigenen Heimat ihre eigene Überlegenheit, für die „Entdeckten“ entsprechend die Tatsache, im eigenen Lebensraum mit Fremden konfrontiert zu werden, ihre Unterlegenheit.»

  • Begegnungen dieser Art bedrohen die kulturelle Identität, oftmals auch die physische Existenz der so entdeckten Zivilisationen in erheblicher Weise.

Platt ausgedrückt, solche Begegnungen nahmen für die Entdeckten oftmals einen fatalen Verlauf. Im vorliegenden Szenario wären wir Menschen wären die „Entdeckten“, die Außerirdischen hingegen die in jeder Hinsicht überlegenen „Entdecker“. Allein die offensichtlichen Diskrepanz zwischen den technischen Möglichkeiten beider Zivilisationen (nach gegenwärtigem Stand) lässt dieses Gefälle unangenehm deutlich werden.

Im Vergleich mit den Szenarien I und II ergeben sich mehrere Besonderheiten:

  • Schwerwiegende kulturelle (und nicht zuletzt religiöse) Folgen, welche sehr schnell eintreten und eine ganze Reihe gesellschaftlicher Stabilitätsfaktoren beträfen,
  • der zentrale Akteur bleibt hinsichtlich seiner Handlungsweise eine unkalkulierbare Größe.

Sollten wir uns vorbereiten?

⇒ «Das Auftauchen eines von ETs gesteuerten Flugkörpers in der Nähe der Erde dürfte unmittelbar, nachdem diese Entdeckung öffentlich wird, zu schwerwiegenden massenpsychologischen, ökonomischen, religiösen und politischen Auswirkungen führen, von denen …viele eher negativer Natur sein dürften.»

⇒ Neben einer möglichen Verschiebung der politischen Machtverhältnisse auf der Erde sähen sich Unternehmen womöglich mit der Wertlosigkeit ihrer jüngsten Technologien konfrontiert. Religiöse Vorstellungen von einer einzigartigen Bedeutung der Menschheit in einer göttlichen Schöpfungsordnung wären radikal infrage gestellt.

Auch hier erhebe ich einen zaghaften Einwand: Die mediale Öffentlichkeit ist kein einheitlicher Block. Auch bislang wurden UFO-Landungen, Begegnungen mit sowie Entführungen durch Außerirdische berichtet. Dramatische Umwälzungen blieben jedoch aus, lediglich die ‚Betroffenen‘ zeigten sich je nach Sachverhalt unterschiedlich beeinträchtigt.
Auch die in ’seriösen‘ Medien berichteten Mutmaßungen in Bezug auf ‚Oumuamua‘ (s.o.) erzeugten zwar ein gewisses Echo, doch von Unruhe oder gar Panik kann absolut keine Rede sein. Die religiösen und sonstigen Fanatiker haben kaum gezuckt.
Von welchen Faktoren würde die hier von den Autoren als wahrscheinlich skizzierte Reaktion ‚der Massen‘ abhängen?

Nun, der entscheidende ‚Katalysator‘ scheint zu sein: das sichere, unwiderlegbare Wissen um die Existenz außerirdischer Intelligenz findet unmittelbar Eingang in unser alltägliches Denken und Handeln – und tangiert somit Politik, Ökonomie, Religion. Man kann sich kaum mehr wegducken vor den Fakten.
Wann und wodurch genau würde dies bewirkt werden? Bereits durch die erste Nachricht von der Entdeckung? Kaum. Deutliche TV-Großaufnahmen in 4K, welche selbst für durchschnittlich Gebildete nur diese und keine andere Interpretation zulassen? Eine auf allen Sendern zeitgleich ausgestrahlte Ansprache der Regierungschefs aller G8-Staaten?

So viel scheint klar: die Reaktion ‚der Massen‘ auf eine brisante, ja einzigartige Nachricht hängt wesentlichen von der Art und Weise ihrer Übermittlung ab. Insoweit nehme ich an, sie würden ‚es‘ uns schonend und in verdaulichen Happen beibringen, soweit dies möglich ist…

Dennoch, selbst wenn die im Szenario III dargelegten Auswirkungen lediglich Möglichkeiten von ungewisser Eintrittswahrscheinlichkeit darstellen, angesichts deren potenzieller Tragweite liegt doch die Notwendigkeit auf der Hand: Konkrete Maßnahmen vorzuschlagen, um ungünstige Auswirkungen eines Erstkontakts zu verringern und mögliche günstige Folgen wahrscheinlicher zu machen → zentrale Aufgabe der Exosoziologie.

Sofern im Kontakt mit einer außerirdischen Intelligenz verheerende kulturelle Auswirkungen und im Falle einer militärische Eskalation die Auslöschung der Menschheit nicht auszuschließen sind – wäre es unverantwortlich, nicht für solche Fälle zu planen. «Dabei kann die (ohnehin kaum verlässlich errechenbare) Wahrscheinlichkeit für das Erstkontakt-Ereignis fast beliebig klein werden, ohne dass das Gesamtrisiko vernachlässigbar wird.»

Die bislang an den Tag gelegte Ignoranz hinsichtlich der ‚Alien-Frage‘ funktioniert jedenfalls nur so lange, wie es keine offensichtlichen Indizien für die Existenz außerirdischer Intelligenzen gibt bzw. solche nicht einer breiten Öffentlichkeit vorliegen. Diese Kopf-in-den-Sand-Strategie wird in dem Moment prekär, sobald sich Indizien für intelligentes Leben außerhalb der Erde häufen oder eines der Szenarien I – III unübersehbar eintritt.

Die Autoren Anton und Schetsche raten nachdrücklich zu einer systematischen Vorbereitung, die von fünf Leitsätzen ausgehen sollte:

  1. Die Suche nach außerirdischen Intelligenzen sollte als High-Risk-Forschung betrachtet werden, deren Nutzen und Risiken offen diskutiert werden müssen.
  2. Diese Debatte ist nicht allein der Wissenschaftsgemeinde zu überlassen. Denn falls insbesondere Szenario III einträte, wäre die Menschheit insgesamt betroffen.
  3. Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger sind über die (bisherigen und künftigen) Forschungen und ihre möglichen Konsequenzen so weit informiert werden, dass rationale Entscheidungen möglich sind.
  4. Die Zuständigkeit wird bei internationalen Institutionen gesehen. Rechtliche Regelungen (wohl eher Übereinkünfte mit freiwilligem Charakter, wie auch beim Klima…) und politische Maßnahmen sollten vorzugsweise auf UN-Ebene implementiert werden.
  5. Alle Varianten/wahrscheinliche Szenarien des Erstkontakts sollten Gegenstand der Sicherheitsforschung und in Plänen des Zivil- und Katastrophenschutzes berücksichtigt werden.

Aus meiner Sicht sind diese Leitsätze vernünftig und richtungweisend, doch wie groß ist aus heutiger Sicht (= keine Aliens, keine Artefakte und nicht mal Signale zu sehen) die Chance ihrer Verwirklichung??
Die Auswirkungen des Klimawandels sind deutlich sichtbar, doch die individuelle wie kollektive Bereitschaft zu Verhaltenskorrekturen ist, hm, bestenfalls heterogen.

Im verlinkten Interview warnt Dr. Anton zusätzlich vor sog. METI-Projekten (Messaging Extraterrestrial Intelligence), welche große Anstrengungen unternehmen, mögliche ET-Zivilisationen durch gerichtete Signale auf ‚uns‘ aufmerksam werden zu lassen. Zum einen bestehe diesbezüglich keinerlei Regelungs-Übereinkunft. Ferner ist es fragwürdig bis unklug, einen in seinen Auswirkungen unkalkulierbaren Erstkontakt zu forcieren, auf den man sich selber (als Spezies) überhaupt nicht vorbereitet hat.

Zu negativ gedacht?

Mit der ‚UFOlogen-Gemeinde‘ und deren esoterischen Abspaltungen habe ich keine Berührungspunkte. Gleichwohl ist mir bekannt, nicht wenige Menschen betrachten ‚die Aliens‘ mit einer quasi-religiösen Faszination und erhoffen sich von deren Ankunft lauter segensreiche Wirkungen: spiritueller und technologischer KnowHow-Transfer, innovative Energiekonzepte, medizinischer Fortschritt und deutlich höheres Alter, – sowie, natürlich, Frieden für alle.

Bloße Träumerein von einem ‚intergalaktischen Freibiersaufen‘ nach MiB-Manier? Nein, nein, für den Fall einer Mensch-ET-Begegnung sind auch erfreuliche Effekte keineswegs auszuschließen. Gleichwohl ist anzunehmen, dass eine Billiarden Kilometer währende Reise nicht ausschließlich zu altruistischen Zwecken unternommen wird. Zudem, gerade jene ‚UFOlogen‘ gehen doch von der Existenz mehrerer intelligenter ET-Spezies in unserer ‚Nähe‘ aus …es reicht ja völlig, wenn nur eine Sorte von denen ’nicht nett‘ ist, sondern so ähnlich drauf wie der Mensch und zudem ausgesprochen hungrig nach der langen Überfahrt.

Wer bereit ist, die alle drei o.a. Szenarien als theoretisch möglich zuzulassen, sollte man auch für die vollständige Bandbreite der beschriebenen Auswirkungen in Betracht ziehen. Nicht panischer Aktionismus ist gefragt, auch nicht halbherzige Heimlichtuerei, sondern ein strategisches Vorgehen.
Nachdem die Szenarien I und II als deutlich wahrscheinlicher anzusehen sind, sollte den möglichen Umwälzungen und Verwerfungen vorrangig Rechnung getragen werden, zu denen wir Menschen ‚ganz ohne außerirdisches Zutun‘ alleine imstande sind.

Mit anderen Worten, zuallererst braucht es eine globale Kommunikations- (aber nicht Zensur-)Strategie für den Fall, dass SETI Erfolg hat oder erwiesenermaßen echte Alien-Artefakte auftauchen.–


Anmerkungen

  1. Exosoziologie bezeichnet soziologischer Forschungsrichtungen, die sich  – unter der Annahme, dass es außerirdisches Leben mit wissenschaftlich-technischer Organisation gibt – mit den Entstehungsbedingungen und möglichen Eigenschaften solcher unbekannten extraterrestrischen Zivilisationen, möglichen Kontaktszenarien und deren Konsequenzen befassen.
  2. Beim 2016 entdeckten Trappist-1-System wurden mittlerweile 7 terrestrische Planeten gefunden, wovon mehrere in der habitablen Zone liegen.
  3. Es wird davon ausgegangen, dass sich Planeten auch in anderen Galaxien geformt haben. Jedoch sind Planeten außerhalb der Milchstraße sind mit heutigen Mitteln deutlich schwerer nachzuweisen. → Vgl. Extragalaktischer Planet

Quellenangabe

Siehe auch

Interview mit Dr. Andreas Anton, einem der Autoren der o.a. BpP-Textes: „Exosoziologie: Vorbereitung auf den Erstkontakt mit Außerirdischen

 

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„Beginne bei dir selbst“

Einer der wenigen Wow!-Vorträge auf YT.

Im Grunde hatte ich nach etwas völlig anderem gesucht, so aus der Abteilung ‚Nachdenken und Schmunzeln‘. Doch dieser Trainer Tobias Beck hat etwas Mitreißendes an sich.
In diesem Vortrag wird primär die Liebe in einer Partnerschaft behandelt – und was beide dafür tun können, damit diese Liebe nicht mit jedem Jahr des Zusammenseins ein wenig mehr erstirbt: „…eine emotionale Traumreise durch deine eigene Kindheit und welche Parallelen Beziehungen und Unternehmen haben. Es gibt Gefühle, Tränen und eine Definition davon, was Liebe ist. Weshalb man sich um Kinder kümmern und Gefühle zeigen muss.“

Der leicht zynisch gewordene Dauersingle in mir fragte sich anfangs: Hm, was hat das jetzt mit mir zu tun? Schon lange lebe ich ‚lieber alleine‘, weil es dann weniger Enttäuschungen und vor allem keine Verlustängste gibt. Doch im Laufe des Vortrages wird deutlich: Ganz egal wie der augenblickliche Beziehungsstatus lautet – zuallererst ist die Beziehung zum eigenen Selbst zu ‚klären’… was ganz ohne tiefenpsycholgisches Vokabular und Vorwissen erreicht werden kann.

Und ja, auf das kleine Experiment im Laufe des Vortrages darf man sich ruhig einlassen, es tut auch nicht weh… 😉

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Lernen oder Leiden.

Kein Problem wird gelöst,
wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.

(Martin Luther King)

Die Vorstellung eines universellen Problemlöser-Gottes setzt dessen Allmacht sowie seinen Willen voraus, jeden Vorgang und jeden Sachverhalt willkürlich zu beeinflussen.-
Eben davon gehen viele aus: »Gott ist doch allmächtig.« Und weil er außerdem  allwissend und wirklich gütig sei, könne er doch dem Leid unschuldiger Kinder entgegenwirken – sofern er denn wollte!

Oder: Falls es überhaupt einen ›Allmächtigen‹
gäbe, dann würde er das alles – ›unverdientes Leid‹ – nicht zulassen.

Diese beiden Sichtweisen seien so nicht stimmig, erklärt Dr. phil. Günther Schwarz in seinem Vortrag »Leid – Unrecht – Gewalt – Krieg – Warum lässt Gott das zu?« – vielmehr müsse die Frage gestellt werden: Ist Gott im Hinblick auf die Erde allmächtig?

Das Wort »Allmächtiger» sei ausschließlich in deutschsprachigen Bibel-Übersetzungen zu finden; in den Ursprachen der Bibel kommt es nicht vor – weil: »Das Wort passt nicht. Es ist kein angemessener Ausdruck. […]
«Gott kann jedes Ziel erreichen, das er erreichen will.
Und er kann jeden Weg gehen, den er dabei gehen will. Er kann aber nicht jedes Ziel auf jedem Wege erreichen.«

⇒ Gegen die freie Entscheidung von Menschen wird Gott seinen Willen nicht durchsetzen. Warum nicht? Schwarz bezeichnet die Willensfreiheit als »unser größtes Erbe, die größte Gabe, die er uns geben konnte« – selbst sehe ich dies weniger positiv: ist es wirklich ein Geschenk, dass unsere Ethik weniger weit entwickelt ist als unsere Technologie, sodass wir unsere Lebensgrundlagen demontieren und in jedem Krieg, mit jedem Gewaltakt selbstzerstörerisch agieren können?

Tatsache ist wohl: Wir sind keine Roboter, …sondern frei wählende Wesen, die sich gegen ihn, gegen seinen Willen entscheiden können –und von Anfang an konnten!
Wenn wir aber die freie Wahl haben, dann tragen wir die Verantwortung selbst.

»[Die Macht Gottes] ist für uns unvorstellbar. Aber er hat sie, um uns so sein zu lassen, wie er uns haben wollte, beschnitten.
…Ich meine natürlich nicht nur die, die hier eingekörpert sind auf der Erde, sondern alle seine Kinder. Geistige Wesen im ganzen All, ob im Körper oder außerhalb des Körpers. Das war seiner würdig. War riskant, aber seiner würdig.«

Leid, Unrecht, Gewalt, Krieg sind gegen seinen Willen, gegen seine Ordnung, gegen die von ihm geschaffene Harmonie. Gott schreitet aber trotzdem nicht ein, »damit wir unseren Weg zu Ende gehen können und am Ende lernen, wohin es führt, wenn einer sich auf seinem Wege von Gott weg begibt« – entsprechend dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

»Leid entsteht – weil du die Zeit deiner Prüfung nicht erkannt hast
Womit befassen wir uns die meiste Zeit unseres Lebens?
Vielfach dreht sich unser Denken und Handeln um vergänglichem Tand – dabei gegen die Ambitionen oftmals weit über den Bedarf eines bodenständigen Daseins hinaus – sowie mit seichter Ablenkung. Dem zugrunde liegt ein fataler Denkfehler: ›Ich habe nur dieses eine Leben …und weil es ist so schnell vorüber ist, nehme ich mir, was ich kriegen kann… und genieße, solange es geht.‹
Auch etliche religiöse Menschen scheinen so zu denken, sofern sie ihr Herz an irdische Reichtümer hängen und von diesem Streben nach materieller Sicherheit, Prestige & Status regelrecht ›besessen‹. So ganz bin ich selbst diese ungesunde Lebensausrichtung bis heute nicht losgeworden, wenngleich die Prioritäten nun verschoben sind.

»Ihr sollt vollkommen werden auf der Erde, wie Abba – der Vater – vollkommen ist in den Himmeln!«
Davon ist die heutige Menschheit weit entfernt. Ohne eine Vorgeschichte – lässt sich nicht einleuchtend erklären, weshalb wir vermeintlich grundlos vom Leid betroffen werden.

Wie konnte es so weit kommen?

In einem weiteren Vortrag (Die esoterische Lehre Jesu) erklärt Dr. Schwarz:

Harmonie ist das Urprinzip jener Ordnung. Und Kern der Harmonie ist die Liebe. Die Liebe zu sich selbst und die Liebe zum anderen verlangt Respekt vor dem anderen, Achtung vor ihm; das Seine zu schützen, nicht anzutasten, sich keine Übergriffe zu erlauben; nichts für sich wollen, sondern wollen für die Gesamtheit…

Dieses Prinzip war ein fruchtbares Prinzip. Es gestattete jedem, sich frei zu entfalten, mit der Möglichkeit grenzenloser Entfaltung in alle Zukunft.

  • Wir waren in jenen Anfängen da, in der geistigen, in der spirituellen Welt, als unmittelbar aus Gott Hervorgegangene. Wir waren da. Das heißt, wir leben jetzt seit undenklichen Zeiten – und sind nicht etwa mit unserer Geburt oder Zeugung ins Leben gekommen.
  • Was mit unserer Zeugung und Geburt begann, ist eine Episode,…das mit dem Tod nicht etwa endet, sondern weitergeht, und mit der Geburt nicht etwa begann, sondern undenkliche Zeiten an Leben bereits hinter sich hat.

Damit schließt sich so langsam der Kreis zu jenen Themen, Autoren und Überzeugungen, um welche ich auch mit diesem Blog seit Jahren kreiste:

Was wir heute ernten, haben wir in unsere früheren Leben mit all ihren Entscheidungen und Fehlern selbst gesät. Gott ist kein schlechter Pädagoge, der uns mit Strafen aus purer Rache belegen würde, welche von uns nicht in in einen Zusammenhang mit eigenem schuldhaften Handeln gebracht werden könnten.

»Er erzieht uns. Er schult uns,… Er schult uns auf dem Wege, auf dem alleine das möglich ist: nämlich durch Selbstschulung, durch Selbsterziehung.
Aber bevor man das kann, sich selbst in Pflicht nehmen, muss man erkannt haben. Erkannt, woher komme ich. Erkannt, wozu bin ich hier. Erkannt, wohin führt mein Weg.«

Dargestellt habe Jesus das in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. »Dieser mein Sohn war tot und ist wiederbelebt worden.« Das Gleichnis vermittle einen Abriss, der unser ganzes Sein umspannt: von unserem Ursprung aus Gott und unsere lange währende, schrittweise Rückkehr zu ihm.

»An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?
«
Matthäus 7,16; Lukas 6,44

Hier geht es um Saat und Ernte (was wir ernten, wurde von uns gesät), also um die Kausalität, das Prinzip von Ursache und Wirkung:
Wo Gesinnungen wie Härte, Herausforderung, Rachsucht, Hass, Unterdrückung wie Unkraut wuchern und zunehmen, ist ein harmonischer Zustand des Heil-seins, des Friedens und der Freude nun einmal nicht zu erwarten. (Falls Sie, liebe/r Leser/in, sich nun fragen »Was hat das mit mir zu tun? Ich trage weder Hass noch Rachsucht und auch keine unmenschliche Härte in mir«, dann geht es Ihnen im Grunde wie mir. Bloß, diese Einschränkung müssen wir uns wohl gefallen lassen: → Heute betreffen solche Wesensmerkmale uns nicht, vielleicht niemals in diesem Leben! Aber was wissen wir davon, wie wir davor – in früheren Leben – gesinnt waren, dachten und handelten?

Wer die Möglichkeit einer wiederholten Wiedergeburt (noch) ablehnt, kommt an dieser Stelle (noch) nicht weiter! Die furchtbaren Leiden eines gequälten oder unheilbar kranken Kleinkindes lassen sich niemals akzeptierend einordnen, solange nur diese eine winzige Lebensspanne jener geplagten Würmchen gesehen wird. Natürlich sind nicht allein Kinder in ihrem Leid gefangen, doch die Tragik ihres Nichtverstehenkönnens macht die Frage nach dem Sinn solchen Leidens um so dringlicher und berührender.
Auf diese Schwierigkeit, diesen Konflikt mit der üblicherweise vertretenen christlichen Glaubenslehre (katholisch wie evangelisch) geht Günther Schwarz explizit ein:

»Also doch Reinkarnation? Also doch Wiedergeburt? Hier kommen wir an einen kritischen Punkt. Wer da anderer Meinung ist, möge mir vergeben, wenn ich sage: Lies einmal genau nach in den Evangelien. Da wirst du genügend Belege finden aus dem Munde Jesu. Aber nicht nur bei Jesus, auch bei den Kirchenvätern.
Einer der Kirchenväter, Hieronymus, schrieb in einem seiner Briefe,  an Demitrias:
›Die Lehre von der Wiedergeburt wurde seit ältesten Zeiten den Wenigen verkündet als ein überlieferter Glaube, der nicht öffentlich verbreitet wurde.‹«A

Warum lehrt Kirche die Reinkarnation nicht?

Die lutherische Kirche lehrt zwei Sakramente, die katholische sieben. Luther sagt von der Taufe und vom Abendmahl: »Sie erlösen von Sünde, Tod und Teufel.«
⇒ Nach der Lehre Jesu bewirkt… die Wiedergeburt die Rückkehr zum Vater, auf einem langen Weg; für die Kirche ist Erlösung bereits allein durch die Sakramente (und nur für zahlende Mitlieder) möglich. »Das eine schließt das andere aus. Und da die Kirche nicht von den Sakramenten lässt – noch nicht! – kann sie die Reinkarnation nicht lehren.«

Das ›göttliche Schulungsprinzip‹ – Reinkarnation und Karma – fordert einen aktiven Beitrag ein: Streben nach (und Erbitten) spiritueller Erkenntnis.  Lernen, »die Lasten, die mich niederdrücken, abzuwerfen«. Es genügt nicht, wenn mir die Sünden durch einen Pfarrer nach der Beichte vergeben werden. Zum einen werde ich mir selbst vergeben müssen, mich alsdann um einen echten Aussöhnung mit von mir verletzten Personen bemühen.
Das Wichtigste jedoch:
Ich muss an mir arbeiten. Das schädliche Fehlverhalten abstellen – gar nicht leicht, sofern es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die meisten von uns sind keine Schläger, Raubmörder oder Vergewaltiger, doch ‚vollkommen‘ sind wir genauso wenig:

  • Welchen besitzt der Begriff Nächstenliebe im heutigen Denken, Trachten und Handeln der Menschen hierzulande – oder in den Medien? Tja, dies ist einer der Punkte, wo ich mich getrost an die eigene Nase fassen sollte.
  • Wie oft verdrehen, verzerren wir die Wahrheit aus Bequemlichkeit und ›Rücksichtnahme‹ …mitunter ein automatischer Reflex.
  • Üble Nachrede – was die Bibel ein falsches Zeugnis wider den Nächsten nennt – lässt sich täglich beobachten. In der Politik sowieso, aber auch im allgemeinen Umgang. Es ist so einfach, voller Selbstgerechtigkeit die Verantwortung für Unzulänglichkeiten auf andere abzuwälzen.
  • Mit sexueller Freizügigkeit habe ich kein Problem, sofern sie offen und aufrichtig gelebt wird. Doch längst werden Ehebruch bzw. heimliche Untreue in einer festen Partnerschaft professionell vermarktet, ausdrücklich in der Werbung angepriesen – Apps und Online-Portale ködern mit Labels wie »Fremdgehen« oder »Seitensprung«.
    Wer denkt schon daran, dass aus solchem Verhalten am Ende doch Streit, Unzufriedenheit, ggf. die Zerstörung der Partnerschaft sowie und womöglich eine fiese Geschlechtskrankheit resultieren.
  • Geiz ist nicht geil! Erst recht stellt rücksichtslose Gewinnmaximierung zulasten der am Wertschöpfungsprozess Beteiligten keine Tugend dar. Auch mindern materielle oder soziale Verlustängste eine Lebenseinstellung wie ›Nie mehr lasse ich mir etwas wegnehmen‹ – die eigene Lebensqualität erheblich.

Tja, aber wie Schwarz schon sagte: zu einer echten Veränderung im Denken und Wesen einer Person bedarf es einer hinreichend starken Motivation – etwa indem überhaupt erst der Wunsch entsteht nach dieser Rückkehr, diesem Einssein mit Gott. Nicht wenige der heute lebenden Menschen verspüren diesen Impuls kaum.
Zum Ende hin, ja, sobald die verbleibende Zeit merklich knapper wird, kommt zuweilen furchtsames Nachdenken auf… bloß, dann ist es für größere Lernschritte reichlich spät, denn diese brauchen Zeit.
Tröstlich ist dennoch: wer vor lauter Trödeln und Konsumieren die zentrale Sinn- und Zielgebung seines Lebens verpasst, wird deswegen nicht einer zeitlosen Verdammnis überantwortet. Sondern er hat das ›Klassenziel‹ nicht erreicht und wird diese Klasse in einem weiteren Leben wiederholen.B

(Keine) Gebetserhörung?

Beispiel Krieg und Frieden: Wenn wir Menschen den Frieden wollen … dann müsse dieser Wunsch anfangen in unseren Köpfen, spürbar werden in unseren Herzen. Und unser Handeln muss damit übereinstimmen.

»Es ist geradezu töricht, Berge von Waffen zu schmieden und zu verkaufen und wenn es dann kracht, Gott um Frieden zu bitten, dass er den Frieden machen solle.
Nö, so läuft das nicht, den müssen wir selber machen.«

Bei den Einstellungen, die wir haben, bei den Handlungsweisen, mit denen wir umgehen, sei einstweilen auf der Erde kein Paradies zu erwarten, sondern Leid, Unrecht, Gewalt und Krieg. »Wenn wir aber die Verursacher sind, wie könnten wir uns dann hinstellen und sagen: wenn es einen Gott gäbe, würde er das nicht zulassen? Es ist doch unser, der Menschen Wunsch und Wille! So sind wir doch, wir Menschen!«

Mit Gebeten verhalte es sich ganz ähnlich:
›Gibt es unter euch einen Vater, den sein Sohn um ein Brot bittet
und er gibt ihm einen Stein?‹ Nur müssen die Bitten stimmen. …Nämlich um Erkenntnis, um den Weg, den wir gehen sollen, und um den Einlass in …die geistige, in die spirituelle Welt. Also Bitten, die darauf zielen, Bitten, die dem dienen, da verfährt Gott so.-

Die Rolle Jesu im ›göttlichen Schulungssystem‹

Aus diesem Blickwinkel kann, muss ich einräumen: Meine eigenen Bitten (um Erkennen, ›um ein Weiterkommen in meinem Verstehen‹, was es mit dieser Welt und mit uns auf sich hat…) wurden erfüllt. Nicht immer sofort – das ist ja nicht wie bei der Zahnfee! Auch ist dieser Erkenntnisprozess noch lange nicht abgeschlossen, und die Umsetzung gleich gar nicht.
Doch es war schon so: in verkraftbaren Schritten, auch mit den (in meiner Ungeduld nicht immer als notwendig eingesehenen) ›Verdauungspausen‹, wurde ich auf diesem Weg des Lernens und Verstehens voran geführt. Mitunter war erstaunlich, wie ich just im richtigen Moment dem neuen Text, dem bis dato unbekannten Autor begegnete, der ›gebraucht‹ wurde, um das Puzzle ein wenig mehr zu vervollständigen.

Was mir indessen bis in diese Tage fehlte, war eine kohärente Integration der Person Jesu in mein Weltbild.
Denn zeitlebens war ich nur mit dem Kirchen-Jesus vertraut. Wenn der Weg zum Heil, zurück zu Gott so unsagbar schmal war (vgl. Mt 7,14), dass nur ganz wenige die erforderliche Vollkommenheit erlangen würden, …nun, dann wäre einer wie ich kaum jemals Teil dieser elitären Kleingruppe. Träge, zu inkonsequent und oftmals halbherzig in meiner Veränderungsbereitschaft war ich, um solch besonderen Lohn zu erhoffen.
Auch hatte Jesus dem Vernehmen nach betont, nur durch ihn könnten wir (also einige wenige von uns) zum Vater gelangen – ich sah darin eine ähnliche Drohbotschaft, wie ich sie von der RKK kannte. Nein, mit diesem Jesus wusste ich nicht sehr viel anfangen.

Erst die Einordnung der Lehre Jesu in das ›göttliche Schulungsprinzip‹ von Karma und Reinkarnation ermöglicht mir die Revision dieser doch reichlich verbohrten Sicht auf Jesus: Dass der Weg ›nach Hause‹ schmal und beschwerlich ist, bedeutet nicht, dass nicht jeder von uns ihn einmal beschreiten darf!
Sondern: ›Nicht alle gleichzeitig‹ und ein Spaziergang wird das auch nicht. Denn die Voraussetzungen müssen erfüllt sein, d.h. der Erkenntnis- sowie vor allem der Lern- und Läuterungsprozess muss abgeschlossen worden sein. Damit wird klar: es kann unter Umständen noch viele Lebensspannen dauern, bis wir so weit sind.

Die Rekonstruktion der ursprünglichen Worte Jesu lässt so viele Zitate in einem völlig anderen Licht erscheinen,  Dr. Schwarz erläutert nun anhand zahlreicher Zitate und Beispiele, wie Jesus uns als Lehrer zum persönlichen Führer auf diesem langen, oft mühsamen Weg zurück werden könne. »Wenn wir also bitten um das, was wir zum Leben brauchen, körperlich-materiell, geistig-spirituell, dann werden wir das bekommen.«

Das ›Zauberwort‹ indes lautet Selbstentwicklung (»bitteschön nicht Selbsterlösung, das ist ein ganz anderes Thema«). Mit Betonung auf Selbst, also auf Eigenanteil, auf Eigenleistung:
»Der verlorene Sohn… er musste jeden Schritt, der ihn vom Vater trennte, gehen, auf eigenen Füßen. Das wird immer übersehen, wenn jemand sagt, die Gnade Gottes macht das alles. Nein, die Gnade Gottes habe ich eben erwähnt: das Herabströmen von oben. Aber wer das nicht tankt, dessen Benzintank ist leer. Fahren Sie mal mit einem leeren Tank.«

In unser Treiben, unsere Konflikte hier auf der Erde mischt Gott sich nicht ein. »Denn wenn er das täte, dann brächte er sich um den Effekt des ganzen. Und er brächte uns um den Effekt des ganzen. Nämlich, dass wir lernten, Unrecht, Gewalt, Krieg zu vermeiden.«

Einwand: Niemand verändert sich wirklich.

Falls es stimmt und wir viele Lebensspannen durchlaufen, um schrittweise zu reifen…nun, dies kann nur gelingen, sofern wir zu tiefgreifender charakterlicher Veränderung überhaupt imstande sind. Erfahrungsbedingte Zweifel daran sind verständlich – wie viele durch und durch geläuterte, zum Positiven gewandelte Personen kennt man denn so? Der Geist mag ja willig sein, aber das Fleisch bleibt eher schwach und träge…

An dieser Stelle sei wiederum auf die Vorgeschichte (s.o.) verwiesen, d.h. die möglichen Vorleben. Ein Prozess tiefgreifender Charakterformung geschieht überaus langsam, sichtbar würde er wohl nur, hätten wir die Vergleichsmöglichkeit, d.h. wie wir vorhergehenden Leben waren.

Der Blick auf den Homo Sapiens insgesamt fällt entmutigend aus: Das Bild einer kriegerischen, in hohem Maße selbstzerstörerischen Spezies hat sich abgesehen von technologischen Innovationen seit Jahrtausenden im Kern nicht verändert – die heutige Menschheit setzt zusätzlich alles daran, die Erde zu zerstören. »Sie morden sich gegenseitig, setzen radioaktives Material frei, vergiften die gesamte Biosphäre, heizen die Atmosphäre auf. Wälder werden ohne jedes Bedenken abgeholzt, Tiere aus ihren Heimen vertrieben oder ganz ausgerottet. Gleichzeitig feiert sie den technischen Fortschritt…«

Nur, ist diese diese Betrachtungsweise hilfreich oder mündet sie in eine Sackgasse. Wir Menschen sind zwar soziale, aber keine Schwarmwesen. Nein, wir sind Individuen – Einzelseelen, wie Schwarz schreibt – und den langen Weg zurück treten wir einzeln an, Anders wäre es auch kaum möglich, bedenkt man unsere ganz und gar unterschiedlichen Entwicklungsstände.
Dass die heutige Menschheit einen weithin ungünstigen Weg nimmt, lässt sich wohl konstatieren – dieser sagt indes nichts über den geistig-spirituellen Weg einzelner Personen aus.

»Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.« (Dante)

Quellenangabe und Literaturhinweis

Anmerkungen

A -Weitere angeführte Belege lassen sich in dem verlinkten Vortrag nachlesen, Schwarz verweist u.a. auf Johannes Kap. 3: Die entscheidende Frage, die der Rabbi Nikodemus hatte: »Wie kann man eingelassen werden in die Herrschaft Gottes, in die Himmelsherrschaft?«; Jesus sagt: »Ohne Wiedergeburt läuft gar nichts!«

B – Die aufgeführten und verwandte Aktivitäten sind nicht notwendigerweise verwerflich, soweit sie niemandem Schaden zufügen – nur: sie bringen uns spirituell kein bisschen weiter. Es ist zutiefst bedauerlich, wenn ein Leben außerhalb der Arbeitszeit weitgehend für Fußballgucken, Sauforgien und anschließendes Auskatern ver(sch)wendet wird – aber „böse“ ist daran wohl nichts.

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