Soziales Netz: „#KeinerTwittertAllein“

„Loneliness On The Web“ war mal!

„All unser Übel kommt daher, dass wir nicht allein sein können“, befand Arthur Schopenhauer. Doch habe ich es an den zentralen Feiertagen wenig Bedarf an lautstarken Familienaufläufen. Ein Essen zu zweit ist optimal, ansonsten reicht ein gutes Buch im Verbund mit musikalischer Untermalung meist aus, um mich zufrieden zu stellen.

Allein sein weil man es so möchte, ist etwas völlig anderes, als sich über die Feiertage und ‚zwischen den Jahren‘ einsam zu fühlen und darunter zu leiden. Ausgerechnet dann sind Hilfs- und Interventions-Angebote (z.B. die bundesweit 24/7 erreichbare Telefonseelsorge) überlaufen, zumindest zeitweise. Auch liegt nicht zwangsläufig eine Notsituation vor, wenn man etwas unglücklich ist über die kurzfristig geplatzte Verabredung mit Freunden oder den grippalen Infekt, der größere Unternehmungen unerwartet torpediert.

Unter dem Twitter -Hashtag #KeinerTwittertAllein bringt User @hipsterfitness nun Menschen zusammen – auf zweierlei Weise:

  • Wer (die Weihnachtstage und) Silvester gerne in Gesellschaft verbringen möchte, wird auf Anfrage ‚vermittelt‘, d.h. mit Personen und Grüppchen in seiner Wohngegend zusammengebracht,
  • Wer zuhause bleibt und online mit Gleichgesinnten zusammenkommen mag, ruft auf Twitter einfach den #KeinerTwittertAllein auf. Unter diesem Motto wird Musik geteilt, es ergeben sich persönliche Kontakte und ein Gefühl von Online-Gemeinschaft.

Am Rande wurde neben sinnbefreiter Trollerei auch sachliche Kritik geäußert – forciert diese Initiative womöglich noch einen gesellschaftlichen Druck, z.B. den Silvester-Abend mit vielen Leuten feiernd verbringen zu müssen? Nö. Es handelt sich ja um ein bloßes Angebot, somit wird kein Druck ausgeübt.
Mit dieser ehrenamtlichen, offenbar recht spontan ins Leben gerufenen Aktion wurde zudem ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention in der Zeit von Weihnachten bis Neujahr geleistet!

Freilich handelt es sich nicht um eine Dating-Verantstaltung – keine Partnerschaften oder ONS sollen vermittelt werden, sondern ’nur‘ Gesellschaft an exakt jenen Tagen, zu denen ungewolltes Alleinsein besonders unangenehm aufstoßen kann.

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Was wohl im Kopf führender Satanisten vorgeht?

Keine Leseempfehlung wird in diesem Beitrag, so viel ist mal sicher. In meinem gelegentlich etwas unkoordinierten Stöbern stolperte ich unlängst über längere Zitate aus der sog. „Satanischen Bibel“ von A.S. LaVey. Wer unbedingt will, findet mit einer Suchmaschine mehr als genug über Autor und Werk.

Deren Verfasser folgt ziemlich genau dem, was die allgemein üblichen Klischees dem Satanismus unterstellen (abgesehen von ‚düsteren, blutigen Ritualen‘, mit so etwas befasse ich mich nicht): er vermischt clevere Halbwahrheiten mit Vernebelung. Zwei zentrale Aussagen reichen mir, um solche Texte auch weiterhin mit größtmöglicher Skepsis und Vorsicht zu betrachten:

  1. Die explizite Befürwortung von Rache (wann erwuchs daraus jemals etwas Gutes?)
  2. Die Aufforderung: „Sage deinem Herzen Ich bin mein eigener Erlöser“.
    Nein! Das kann und werde ich nicht sagen, weder in meinem Herzen noch mit meinem Verstand. Denn so viel ist klar: nur aus mir allein heraus werde ich wohl niemals das erlangen, was ich mir vage unter Erlösung vorstelle. Wie unerreichbar es mir derzeit scheint, konsequent die andere Wange hinzuhalten und Gegner zu lieben (ein Punkt, für den LaVey nur Häme und Verachtung zu erübrigen weiß), dies offenbart doch meine eigenen ‚Chancen, in moralischer und persönlicher Hinsicht noch zu wachsen’…
    Hier könnte ich mich zwar mit dem Umstand trösten, wie überaus wenige Personen dauerhaft die Kraft zu einer wahrhaft gütigen Haltung gegenüber ihren Mitmenschen aufbringen…doch was nützt mir die Schwäche der anderen, falls jeder von uns irgendwann einmal persönliche Rechenschaft abzulegen hat?
    ‚Seines Glückes Schmied sein‘ meint etwas anderes als eine rücksichtslose, notfalls auch brutale Dursetzungsmentalität.

Die ferner in diesem Text forcierte Haltung „Segen den Starken – Fluch über die Schwachen“ dürfte ein paar radikalen Neo-Darwinisten vermutlich zusagen. Doch wie definiert sich Stärke, wenn nicht situativ? Wie sähe die Welt aus, wenn nur noch wutschnaubende Gewalthaber unter sich wären? Fände deren fortgesetzter Kampf um die Spitze überhaupt jemals ein Ende?
Ein Blick auf die politische Spitze der USA im Jahr 2017 zeigt mir sehr deutlich, was ich mich sicher nicht unter Stärke vorstelle. Zugegeben, ein positives Beispiel zu benennen fällt mir nicht minder schwer…vielleicht weil ‚Stärke‘ im Sinne von Überlegenheit nicht zu den charakterlichen Kategorien zählt, über die ich mir viele Gedanken mache.

Ferner fällt auf, wie dieser Satanist LaVey den unbedingten Erfolg im Hier und Jetzt betont, aber die jenseitige Welt beiseite zu lassen scheint – ist das die alte Falle? Die Verführten wird allerlei Tand für die diesseitige Gegenwart in Aussicht gestellt (nur, sofern sie sich als hinreichend stark und rücksichtslos erweisen), damit sie möglichst wenig wenig über das Jenseits nachdenken? Klingt folgerichtig, sofern es stimmt, dass ihr ‚Fürst‘ im Jenseits letztendlich nichts zu melden haben wird.
Vor allem aber: falls der Mensch nicht nur die Religionen erfunden hätte, sondern auch alles Göttliche – woher stammt dann Luzifer/Satan? Wäre er in diesem Fall nicht gleichfalls nur eine Projektion von Wünschen, Rollenbildern und einer verdrehten Variante des Über-Ichs? Anscheinend hat LaVey etwas von Feuerbach gelesen, doch wer die Existenz eines übernatürlichen Satans als gegeben voraussetzt, kommt auch an Gott nicht vorbei.

Wie in den meisten Texten und Büchern findet sich auch diesem die eine oder andere Passage, die nachdenklich werden lässt:

„Satan als anthropomorphes Wesen mit gespaltenen Hufen, Schwanz mit Widerhacken und Hörnern, (…) als Gott, Halbgott, persönlicher Heiland oder wie auch immer man ihn nennen will, wurde von den Gründern aller Religionen der Welt nur zu einem Zweck erfunden – um über die sogenannten bösen Handlungen und Situationen der Menschen hier auf Erden zu wachen. Daraus folgte, dass alles, was zu körperlicher oder geistiger Befriedigung führt, als „böse“ bezeichnet wurde – und somit wurde jedem ein Leben in ungerechtfertigter Schuld garantiert…“

Hierüber ließe sich durchaus kontrovers diskutieren: Existieren überhaupt (Gesinnungen und) Handlungen, die ‚absolut böse‘ sind – ganz gleich aus welcher Perspektive und unter welchem weltanschaulichen Paradigma sie betrachtet werden? Möglicherweise würde ich in einem Disput mit einem geschulten Philosophen (oder Satanisten) unterliegen, doch mindestens auf der gefühlsmäßig-intuitiven Ebene beantworte ich diese Frage mit einem klaren Ja. Als Beispiel nenne ich schädigende Handlungen, die in die körperliche und/oder seelische Unversehrtheit eines Individuums, insbesondere eines Kindes, unverhältnismäßig eingreifen: Menschenopfer. Jede vorsätzliche Tötung eines Menschen außer in Notwehr/Nothilfe, einschließlich der Todesstrafe. Vergewaltigung. Sexueller Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen.

„Die sieben Todsünden der christlichen Kirche sind: Gier, Eitelkeit, Neid, Zorn, Gefräßigkeit, Wollust und Faulheit. Der Satanismus befürwortet jede dieser „Sünden“, da sie alle zu körperlicher, geistiger oder emotionaler Befriedigung führen.“

Das Vorhandensein menschlicher Grundbedürfnisse – nach Nahrung, einem Dach über dem Kopf, nach Sicherheit auch in materieller Hinsicht und sogar der bisweilen immer noch verteufelten Sexualität – keinesfalls als ‚böse‘ einzuordnen. Entscheidend für die Beurteilung menschlichen Verhaltens nach ethisch-moralischen Kriterien (ohne die eine Gesellschaft nun einmal nicht auskommt) ist, wie der Einzelne vorgeht, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Tja, und hier scheiden sich nun die Geister: das Recht des Stärkeren auf Kosten der sog. Schwachen eignet sich m.E. nicht im mindesten, um eine funktionierende Gemeinschaft zu errichten und zu bewahren. Das sieht LaVey anders, soweit ich ihn verstanden habe.
Gefräßigkeit und Faulheit vermag ich ebenfalls nicht als „böse“ einzuordnen, aber genauso wenig als erstrebenswerte Tugend – ein Drittel der erwachsenen Deutschen hat eine sog. Fettleber, was sollte daran positiv oder günstig sein?

„Satan ist mit Sicherheit der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hat sie die ganzen Jahre über am Leben erhalten!“
Diese Aussage ist schwer zu widerlegen (vgl. die Erzählung „Samaan und der Satan“, s.u.), doch was hat der Vatikan noch mit Gott und dem Inhalt der Bibel zu tun?
Aber mal ehrlich, Satan als Opfer von übler Nachrede klerikaler Kreise, echt jetzt? Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

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Einsteins Irrtum

Nein, nein… als naturwissenschaftlicher Laie werde ich mich hüten, die experimentell überprüfbaren Theorien Albert Einsteins in Zweifel zu ziehen. Um sich auf derart dünnes Eis zu wagen, sollte man mindestens wissen, wovon man spricht.
Es geht vielmehr um das Verhältnis Einsteins zur Quantenphysik: einerseits bildete einiges von seiner Arbeit, etwa die Erklärung des photoelektrischen Effekts, deren Grundlage; andererseits lehnte er bestimmte Deutungen der Quantenmechanik ab.

„Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist.
Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt.“

Lassen wir die humorige(?) Umschreibung für Gott beiseite – wie auch den Umstand, dass einem bei Betrachtung des Weltgeschehens mitunter genau dieser Gedanke kommen könnte: ‚ob Er bisweilen nicht doch würfelt?‘
Zudem habe ich Zweifel, inwiefern das Wesen (oder halt das ‚Geheimnis‘ im Sinne Fausts) der Gottheit sich mittels naturwissenschaftlicher Versuchsanordnungen ermitteln lässt.

Im Diskurs jedoch blieben Niels Bohr und seine Anhänger zumeist siegreich; auch aus heutiger Sicht sprechen die experimentellen Belege gegen Einsteins Standpunkt.
Die Photonenwaage war ein von Einstein entworfenes Gedankenexperiment, mit dem er die Unvollständigkeit der Quantenmechanik aufzeigen wollte. „Nach der Quantentheorie können der Zeitraum, an dem ein Quantenteilchen einen bestimmten Raum verlässt, und die Energie dieses Quantenteilchens nicht beide beliebig genau bestimmt werden. Diese „Unschärfe“ wird in der Quantentheorie durch die Heisenbergsche Unschärferelation beschrieben. Albert Einstein stellte dieses Gedankenexperiment 1930 auf dem Solvay-Kongress überraschend Niels Bohr vor.

Interessanterweise wird der scheinbare Widerspruch zwischen spezieller Relativitätstheorie und Quantentheorie durch Albert Einsteins eigene allgemeine Relativitätstheorie aufgehoben.“

„Bereits das Zusehen beeinflusst das Geschehen.“

Worum es sich bei dem ‚Quantenzeugs‘ eigentlich dreht, wird in nachfolgendem Filmbeitrag verständlich erklärt:

Einsteins Ansichten über Gott und Religion

…waren Gegenstand zahlloser Dispute. Wie dieser Beitrag auf hpd.de aus dem Jahr 2008 zu belegen scheint, nahm er eine äußerst distanzierte Haltung zu jeglicher Form von Religion ein:

  • „Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern.“
  • „Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

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Biogenese – Entstehung erster Lebewesen aus anorganischer Materie?

„Die Aussagen der Evolutionsbiologie werden bis heute sehr kontrovers diskutiert – einerseits aus religiös-weltanschaulichen Gründen: die Frage nach der Herkunft des Menschen (und damit „Was ist der Mensch?“ – Produkt einer Kette erstaunlicher Zufälle oder ein geistiges Wesen…oder beides…?) beeinflusst unser Weltbild sehr grundlegend. Andererseits krankt die ‚materialistische‘ Evolutionsthese an einer zentralen Stelle – ganz am Anfang: Wie die allerersten Schritte zur Entstehung ‚belebter Materie‘ im einzelnen vor sich gingen, weiß man nach wie vor nicht.
Die vor etwa 3,5 bis 4 Milliarden Jahren vorherrschenden Umweltbedingungen lassen sich näherungsweise vermuten, doch es liegen so gut wie keine geologischen und Fossilbefunde als Belege für probiotische Entwicklungsstufen vor.

  • „Ein höllischer Beginn – Die Entstehung des Lebens in einer vulkanischen Eisen-Schwefel-Welt“
    Diese Vorlesung von Prof. Günter Wächtershäuser vermittelt einen Einblick über die von ihm vertretene Hypothese (Dauer: 40 Minuten):

https://univerlag.uni-goettingen.de/dokumente/audio/ring2007-11-20.mp3

Als chemische Evolution bezeichnet man den nicht vollständig bekannten Mechanismus der Entstehung von Lebewesen aus organischen Stoffen. Sie begann vor etwa 4 Milliarden Jahren im ersten Abschnitt des
Präkambrium.

Schematische Darstellung eines prokaryotischen einzelligen Lebewesens. (Quelle: Wikipedia)

Im Eoarchaikum, dem zweiten Abschnitt des Präkambrium, vollzog sich die Evolution zellulärer Organismen. Es entstanden Prokaryoten, d.h. zelluläre Lebewesen, die keinen Zellkern besitzen. Ihr Zelltyp wird als Protocyte bezeichnet. Bakterien und Archaeen sind Prokaryoten.

Die postulierte Mischung anorganischer Substanzen, die die Entstehung von Leben ermöglichten, wird häufig als Ursuppe (primordial soup) bezeichnet. Wie Wächtershäuser darlegt, wirft diese Vorstellung grundlegende Fragen und Kritikpunkte auf: In so einer Ursuppe seien die eventuell gebildeten Bausteine des Lebens viel zu dünn verteilt gewesen.

Woher kommen die Monomere1)? …Sie sollen über Tausende oder Millionen von Jahren sich in einer Ursuppe ansammeln und stehen dann später für die Bildung von Polymeren2) zur Verfügung.
Für die Ursuppe und die präbiotische Chemie, die dort stattfinden soll,  dafür gibt gibt es keinerlei geologischen Beleg. Aber sie wird benötigt für diese Theorie, also hat man sie postuliert.

Alle diese Theorien haben sehr, sehr viele Schwierigkeiten, die kaum überwindbar sind…

Flüssiges Wasser zählt zu den unverzichtbaren Voraussetzungen dieser theoretisch angenommenen Form der Biogenese. „Aber das flüssige Wasser ist der Feind der Kondensations-Reaktionen“, welche gleichfalls elementar sind für die Bildung von Biopolymeren laut Ursuppen-Theorie.

Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, schlägt Prof. Wächtershäuser nun eine Eisen-Nickel-Schwefel-Welt vor, in der in Anwesenheit von Wasser die Bildung organischer (=Kohlenstoff enthaltenden) Grundbausteine im Wege von Redox-Reaktionen3) erfolgt. Dafür ist eine Ursuppe mit sehr spezifischer Zusammensetzung verzichtbar.
Da noch keine Nukleinsäuren vorliegen, kann eine Reproduktion der sog. ‚Pionierorganismen‘ nicht so erfolgen, wie dies bei heutigen Organismen mit Hilfe von langkettigen DNA-/RNA-Molekülen geschieht. Hier postuliert nun Wächtershäuser einen Vorläufer-Evolutionsprozess – „das geht eigentlich ganz einfach“:

Man müsse lediglich den biologischen Begriff der Reproduktion ersetzen durch den chemischen Begriff der synthetischen Autokatalyse4) – ein Prozess der positiven Rückkopplung, der sich selbst beschleunigt und zudem synthetisch wirkt, also aus einfachen Verbindungen komplexere Produkte erzeugt.

Nach Wächtershäuser entstanden die ersten Biomoleküle an der Oberfläche von Eisen-Schwefel-Mineralien die sich heute noch durch geologische Prozesse an Tiefsee-Vulkanen, sogenannten schwarzen Rauchern bilden. Die Reduktion von teilweise oxidierten Sulfid-Mineralien (z.B. Pyrit) mit Wasserstoff liefert genügend Energie für die Synthesereaktionen monomerer Bausteine und deren Polymerisierung.

Und dann?

Damit ist natürlich noch kein Leben entstanden – es fehlt die Ausbildung von Lipiden, Membranen und Zellen.
Lipide sind Naturstoffe, die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung eine gewisse Polarität besitzen: Die meisten biologischen Lipide sind amphiphil, d.h. sie besitzen einen hydrophilen (wasserliebenden) ‚Kopf‘ und

Mizelle in Wasserlösung

zugleich einen lipophilen (fettliebenden) ‚Schwanz‘; diese Polarität veranlasst sie dazu dazu, in polaren Lösungsmitteln wie Wasser Micellen oder Membranen zu bilden. Dieser Vorgang wird Selbstassemblierung genannt.

Ihre Wasserunlöslichkeit rührt vor allem von den langen Kohlenwasserstoff-Resten her, welche die allermeisten Lipide besitzen.

Liposom und Mizelle

Ein Liposom ist nun ein Bläschen (Vesikel), das eine wässrige Phase einschließt und dessen einfache Membranhülle aus einer Doppelschicht jener Lipide besteht.

In lebenden Organismen werden Lipide daher als Strukturkomponenten in Zellmembranen, als Energiespeicher oder als Signalmoleküle gebraucht.

Eine positive elektrische Ladung hält die neuen, negativ geladenen Teilchen an der Oberfläche fest. „Die Lipide mit ihrer geringen Wasserlöslichkeit bleiben auf den mineralischen Oberflächen hängen“ – sobald Lipide entstehen, haben sie gar keine andere Wahl, als sich unweigerlich zu geschlossenen Membranschichten zu formen. Dies läuft natürlich dreidimensional ab, es entstehen ‚automatisch‘ Liposom-Kugeln, wobei sich sowohl in ihrem Inneren als auch in deren äußeren Umgebung Wasser befindet.

Liposom mit wässrigem ‚Kern‘

Dieses Gebilde, durch auf physikalisch-chemischen Prinzipien beruhender Selbstorganisiation entstanden, besitzt noch keine Eigenschaften eines lebenden Organismus, könne aber als Vorstufe einer Zelle betrachtet werden. Wächtershäuser spricht hier von einer „Halbzelle“.

In deren ‚Kern‘, komme es nun zur Enzymatisierung durch metallhaltige Einschlüsse.

[Exkurs: Mikrosphären

Im Jahr 1970 konnte Sydney Fox nachweisen, dass sich aus den proteinartigen Produkten (Proteinoide), die beim Erwärmen trockener Aminosäuregemische entstehen, auch durch Selbstaggregation wachsende Tröpfchen ergeben können, sogenannte Mikrosphären.

Mikrosphären

Sie grenzen sich von der Umgebung durch eine semipermeable Membran ab und nehmen weiteres proteinartiges Material aus der Umgebung auf. Dadurch wachsen sie weiter und zerteilen sich wieder in kleinere Tröpfchen. Des Weiteren fand Fox, dass diese Systeme enzymatische Eigenschaften haben, Glucose abbauen oder sich wie Esterasen oder Peroxidasen verhalten, ohne dass von außen Enzyme hinzugefügt worden wären. In diesem Kontext wird auch von Protein-Protozellen gesprochen.]

Auch die Bausteine der Nukeinsäuren, also der Erbträger von Organismen,  sind Liganden, wie Wächtershäuser nun ausführt (lat. ligare = „binden“). D.h. sie sind in der Lage, über eine koordinative Bindung an ein zentrales Metall-Ion zu binden („koordinieren“) kann. Sie hätten „ihren  Lebensunterhalt bereits verdient“, indem sie schon frühzeitig an der o.a. Autokatalyse beteiligt waren – „sonst wären Nukleotide5) und damit Nukleinsäuren nie entstanden.“. Bis zur Ausbildung einer genetischen Reproduktionsfähigkeit (Teilung der ‚Zelle‘ in zwei identische Tochterzellen) ist es noch ein weiter Weg: es müssen die Bestandteile der Nukleinsäuen  gebildet werden – und diese müssen sich zu einem sinnvollen Träger der späteren Erbinformation formieren. Parallel setze seine eine „weiteren Vervollkommnung der Stoffwechselprozesse“ ein.

Spätestens an dieser Stelle zucke ich: Wie kann stabile und verlässlich vererbbare Information allein aus Zufallsprozessen entstehen, bei denen die Wahrscheinlichkeit zur Bildung sinn-freier (=nicht lebensfähiger) und sinnstiftender Kombination (=Erbinformation, Genom der Zelle) gleich groß ist? Um eine funktionierende Tochterzelle zu bilden ist eine Genomgröße (=Anzahl von Basenpaaren) in der Größenordnung von mindestens n*106 notwendig, um die Erbinformation vollständig abzubilden.
Nun mag man hier einwenden, die allerersten Zellen seien doch weit weniger komplex gewesen und hätten demzufolge auch weitaus weniger Erbinformation weitergeben müssen. Das ist richtig, doch selbst die einfachsten bekannten organismusähnlichen Strukturen, die Viren, kommen nicht mit weniger als 10.000 Basenpaaren aus (HIV-Virus: 9.700). Zwar bin ich mathematisch nicht allzu bewandert, aber die Wahrscheinlichkeit zur zufälligen Bildung eines intakten Genoms aus 10.000 vorgegebenen Komponenten ist, hm, sehr sehr klein.

Experimentelle Überprüfung

Zum Ablauf der chemischen Evolution existieren heute diverse Hypothesen. Sie werden hauptsächlich durch Experimente gestützt, die auf geologischen Erkenntnissen über die damalige chemische Zusammensetzung der Erdatmosphäre beruhen mit einer wesentlichen Einschränkung: Zwar wurde die chemische Entstehung komplexer Moleküle beobachtet, die für biologische Abläufe notwendig sind, jedoch noch keine Bildung eines lebenden Systems.

„Die Experimente reichen momentan nicht zur Formulierung einer geschlossenen Theorie aus, die erklären kann, wie das Leben entstand.“

Sicher zu sein scheint, dass sich nur eine Form von Leben, nämlich die auf Nukleinsäuren (RNA und DNA) beruhende, durchgesetzt hat (falls es je mehrere verschiedene gegeben haben sollte). Wesentliche Indizien für diese Theorie sind die Gleichheit der Bausteine der zwei wesentlichsten lebenstypischen Makromoleküle in allen bekannten Lebensformen (die fünf Nukleotide als Bausteine der Nukleinsäuren und die 20 Aminosäuren als Bausteine der Proteine) und der universell gültige genetische Code.

Die RNA-Welt-Hypothese besagt, dass unseren heutigen Lebensformen eine Welt vorausging, deren Leben auf Ribonukleinsäuren (RNA) als universellen Bausteinen zur Informationsspeicherung und zur Katalyse chemischer Reaktionen basierte. Es wird angenommen, dass freie oder zellgebundene RNA im Rahmen der Evolution vom chemisch stabileren Informationsspeichermedium Desoxyribonukleinsäure (DNA) und von den funktionell flexibleren Proteinen abgelöst beziehungsweise um diese ergänzt wurde.
Diese Hypothese ist ein Bindeglied zwischen den Hypothesen zur chemischen Evolution und der Kooperation mehrerer RNAs, die eine biologische Selektion in Gang bringen, sowie der heutigen biologischen Evolution auf Basis eines DNA-Genoms. Das Aufkommen zellulärer Lebensformen steht möglicherweise nicht am Ende dieses Prozesses, denn zelluläre Organismen auf RNA-Basis (Ribozyten) könnten bereits in der RNA-Welt entstanden sein.

Vom Einzeller zum Vielzeller

An die 2 Milliarden Jahre tummelten sich auf der Erde offenbar ausschließlich einzellige Lebewesen, Bakterien, Archaeen etc. Wie aus diesem ‚Universum der Einzeller‘ dann vor 1,5 Milliarden Jahren relativ plötzlich vielzellige Lebewesen hervorgegangen sind, war lange Zeit unklar. Die Symbiose verschiedener Einzeller könnte ein möglicher Auslöser dafür gewesen sein: Die Endosymbiontentheorie wird in diesem kurzen Video der Max-Planck-Society anschaulich erläutert:

Zunächst kam es also zur Ausbildung eines Zellkerns und weiterer Zell-Organellen – ein wichtiger Schritt auf dem Wege zu komplexeren Systemen.

Die Mehrzelligkeit ist wahrscheinlich mehrmals unabhängig entstanden. Älteste Fossilbefunde mehr-

Gabonionta, möglicherweise früheste Form multizellularen Lebens auf der Erde

zelliges Lebewesen weisen auf ein Alter von etwa 2 Milliarden Jahren hin. Komplexere Mehrzeller treten erstmals vor 2,1 Milliarden Jahren auf (Gabonionta) und ab einem Alter von etwa 600 Millionen Jahren im mit der Ediacara-Fauna und den Vielzelligen Tieren (Metazoa). In der Evolution impliziert jeder Entwicklungsschritt einen zusätzlichen Überlebensvorteil, andernfalls würde er sich nicht dauerhaft durchsetzen. Vorteile multizellulärer Organismen bestehen in der Differenzierung und Spezialisierung ihrer Zellen, was wiederum eine Arbeitsteilung ermöglicht und damit mutmaßlich weniger Energie erfordert.

Mein Fazit?

Nein, wirklich nicht. Ein Fazit setzt ein gewisses Fachwissen voraus, welches zu einer abwägenden Beurteilung einer Theorie oder These befähigt. Zu gravierend sind die Wissenslücken meinerseits, um eine persönliche Ansicht auch nur halbwegs kompetent vertreten zu können. Zwar neige ich der Idee einer theistischen Evolution mindestens im Hinblick auf die Festlegung der Naturgesetze und -konstanten des Universums zu. Falls ein „physiko-chemischer Determinismus“ den Weg der chemischen Evolution vorgab (wie Wächtershäuser zu Beginn seines o.a. Vortrages befindet), sähe ich darin meine Haltung bei aller Vorsicht bestätigt:
Er scheint die Auffassung zu begünstigen, wonach die Rahmenparameter in Form von Naturgesetzen und -prinzipien festgelegt wurden – zum Entstehungszeitpunkt des Universums, das sich von da an ’nur noch‘ zu ent-wickeln brauchte. Mit dieser Sicht kann ich mehr anfangen, als hinter jedem neu entdeckten Strauch, jedem Unglück und jedem Fortschritt eine unermüdliche, äußerst umtriebige Gottheit zu vermuten.

Anders gesagt: Wenn wir jemals erwachsen werden wollen, sollten wir aufhören, unaufhörlich die Elternrolle sowie die Schuld für vieles Unverstandenem auf Gott zu projizieren.

Freilich entsteht meine diesbezügliche Motivation aus emotionalen Widerständen – z.B. gegen die Überbewertung von gemutmaßten Zufallsketten in einem Universum, dessen Konstanten auf ein Trillionstel genau abgestimmt sind …und sein müssen, damit wir überhaupt darin leben können) – sowie der intuitiven Annahme, da müsse mehr sein als pure Materie.

Erstaunlich ist, wie sehr wir alle (oder die meisten von uns) an einmal erworbenen Denk- und Vorstellungsmustern festhalten… es muss überaus unangenehm sein, eine emotional positiv besetzte, lieb gewonnene Überzeugung kritisch-ergebnisoffen zu hinterfragen. Weshalb sonst erweisen sich die Dogmatiker unter den Kreationisten als ebenso unwillig wie die Dogmatiker des strikt materialistischen Lagers, die auf beiden Seiten vorhandenen, gut begründeten Kritikpunkte und Fragen auch nur zur Kenntnis zu nehmen?

  • Dass die Erde weniger als 10.000 Jahre alt sei, wie es der Junge-Erde-Kreationismus unablässig behauptet, kann im Licht der heute vorliegenden Befunde und Fakten nur noch als Realitätsverlust gewertet werden.
  • Umgekehrt scheint (aus meiner Sicht) fast ebenso offensichtlich, dass sich die gut erforschten Mechanismen der Mikroevolution (Entwicklung von Variationen und Adaptionen innerhalb einer Art) eben nicht 1:1 auf die Makroevolution (Entstehung neuer Gattungen und ganzer Tierstämme) anwenden lassen.
    (Dass sämtliche Wale vom Indischen Hirschferkel abstammen, glaube ich erst, nachdem Fossilbefunde von Übergangsformen vorgelegt werden, die einen solchen Entwicklungsweg nachvollziehbar und plausibel erscheinen lassen. Bloße Analogien einzelner Merkmale („spezielle anatomische Merkmale, die nur bei Walen vorkommen, darunter die charakteristische Verdickung einer Knochenleiste im Mittelohr, die Anordnung der Schneidezähne und die Kronenform der Backenzähne“) reichen dazu meines Erachtens nicht aus.)

Literaturhinweise

Anmerkungen/Ergänzungen

Die biochemischen Zusammenhänge werden in diesem Beitrag allenfalls benannt, aber nicht ausführlich erläutert …das überlasse ich den Fachleuten. Einen recht guten Überblick gewinnt man als Laie jedoch schon, indem man die verlinkten Beiträge (meist Wikipedia-Artikel) wenigstens überfliegt. Dass RNA (Ribonukleinsäure) und die chemisch stabilere DNA (Desoxyribonukleinsäure) die Träger der Erbinformation eines jeden Organismus auf der Erde sind, habe ich als Allgemeinwissen vorausgesetzt.

  1.  Monomere (altgriechisch μόνος monos ‚ein‘, ‚einzel‘ und μέρος meros ‚Teil‘, ‚Anteil‘) sind niedermolekulare, reaktionsfähige Moleküle, die sich zu unverzweigten oder verzweigten Polymeren zusammenschließen können. Monomere können Einzelsubstanzen, aber auch Gemische unterschiedlicher Verbindungen sein.
  2. Ein Polymer ist ein chemischer Stoff, der aus Makromolekülen besteht.[1] Die Makromoleküle eines Stoffes sind aus einer oder mehreren Bausteinen oder Struktureinheiten (d.h. den Monomeren), den konstitutionellen Repetiereinheiten, aufgebaut. Das Adjektiv polymer bedeutet entsprechend „aus vielen (gleichen) Teilen aufgebaut“.
    Es braucht also Monomere in ausreichender Menge, um an die Bildung von Bio-Polymeren auch nur zu denken.
  3. Bei Redoxreaktionen (eigentlich: Reduktions-Oxidations-Reaktion) laufen Oxidation und Reduktion gleichzeitig ab → chemische Reaktion, bei der ein Reaktionspartner Elektronen auf einen anderen überträgt. Hierbei findet also eine Elektronenabgabe (Oxidation) durch einen Stoff (ein sog. Reduktionsmittel, beispielsweise Wasserstoff) sowie eine Elektronenaufnahme (Reduktion) durch einen anderen Stoff (ein sog. Oxidationsmittel, beispielsweise Sauerstoff) statt. Viele Stoffwechsel- und Verbrennungsvorgänge, technische Produktionsprozesse und Nachweisreaktionen basieren auf solchen Reaktionen.
  4. Autokatalyse bezeichnet eine besondere Form der katalytischen chemischen Reaktion, bei der ein Endprodukt als Katalysator für die Reaktion wirkt. Durch die fortlaufende Bildung dieses Katalysators wird die Reaktion ständig beschleunigt. Es handelt sich dabei um eine positive Rückkopplung.
  5. Nukleotide sind die Bausteine der Nukleinsäuren DNA und RNA. Die Bausteine der DNA bestehen aus einem Zuckermolekül (Ribose/Desoxyribose), einem Phosphat und einer Base. Die Basen heißen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin.

    Aufbau von Nukleosiden und Nukleotiden. Ein Nukleosid ist die Verbindung einer Nukleinbase (Base) mit einem Einfachzucker, einer Pentose.

Vom Aufbau her ist die RNA der DNA ähnlich. RNA-Moleküle sind – im Gegensatz zur doppelsträngigen DNA – in der Regel einzelsträngig:

RNA und DNA im Vergleich

Die Einzelsträngigkeit erhöht die Zahl der Möglichkeiten für dreidimensionale Strukturen der RNA und erlaubt ihr chemische Reaktionen, die der DNA nicht möglich sind – dieser Unterschied macht die RNA weniger stabil im Vergleich zur DNA. In der RNA kommen die folgenden organischen Basen vor: Adenin, Guanin, Cytosin und Uracil. Die ersten drei Basen kommen auch in der DNA vor. Uracil dagegen ersetzt Thymin als komplementäre Base zu Adenin. Vermutlich nutzt RNA Uracil, da dieses energetisch weniger aufwändig herzustellen

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Wahlkrampf erledigt – kein neues Ermächtigungsgesetz

Die wichtigste Nachricht des gestrigen Tages: 86,8 Prozent der Wähler haben nicht AfD gewählt. Damit wird eine Partei immerhin nicht in die Regierungsverantwortung kommen, deren Spitzenkandidat ungestraft den stolz auf die im WWII an Angriffskriegen beteiligte Armee des NS-Regimes einfordern kann.

Gauland blieb auf Nachfrage bei seiner Aussage: „…Millionen deutscher Soldaten haben ihre Pflicht getan für ein verbrecherisches System. Aber da ist das System schuld und nicht die Soldaten, die tapfer waren.“ Sinngemäß: Man müsse trennen zwischen dem einzelnen Soldaten und der NS-Regierung. Muss man? Um dann wieder stolz sein zu dürfen auf die Teilnahme an Besetzungen und Kriegshandlungen, die zu Millionen Todesopfern führten?
Ich verhehle nicht: Mir macht dieses Gerede Angst – besonders dann, wenn ich über die möglichen Beweggründe Gaulands nachdenke.

„Wer so redet, muss sich vorwerfen lassen, ein Rechtsextremer zu sein“, stellte Justizminister Heiko Maas fest – nun bin ich kein Fan des den Überwachungsstaat forcierenden Justizministers, doch in dieser Einschätzung lag er richtig.

Hatte es dieser Demaskierung der eigentlichen Gesinnung dieser Partei bedurft? Nun, immerhin wird nun sichtbar, Höcke und Pogge sind eben keine isolierten Rechts-Ausleger einer ansonsten bürgerlich-konservativen Partei – sondern sie und Gauland stehen für das, was sich hinter der nach Rechtsstaatlichkeit krähenden, aber demokratische Kundgebungen massiv behindernden Maske des AfD-Pegida-‚Ausländer raus‘-Komplexes verbirgt.

Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme: Zwar ist die AfD drittstärkste Kraft im Bundestag geworden, doch eine Machtergreifung ‚wie damals‘ wird es einstweilen nicht geben. Wie es aussieht, wird die SPD die Oppositionsrolle wahrnehmen – vernünftig, denn nur so ist eine Konsolidierung vielleicht noch möglich.

Merkel bleibt Kanzlerin, obwohl auch sie einen empfindlichen Dämpfer hat hinnehmen müssen… ob sie an ihrer Haltung ‚Weiter wie bisher, im Prinzip haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen‘ volle vier Jahre festhalten kann? Das muss sich erst noch zeigen.

Anne Will 24.09.2017- Nach der Bundestagswahl u.a mit A. Gauland (AfD)

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Prooemion (Goethe)

Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründe ich keinen Arbeitskreis, sondern werfe einen Blick auf die Gedanken kluger, herausragender Köpfe – ihnen sollte doch eher gelungen seinen, was mir mangels kognitiver Begabung und, wenn ich ehrlich bin, auch Bildung zwangsläufig versagt bleibt: ein wenig von dem zu erhaschen, was den Kern von Allem-was-ist ausmacht. Da konkrete, greifbare Antworten auf mein ständiges Fragen und Räsonieren nach dem Warum und Wozu (und ob wir tatsächlich in der besten aller möglichen Welten leben) ausbleiben, erhoffe ich mir von diesem Blick auf fremde ‚Notizen‘ neue Denkanstöße.

Prooemion, ein 1816 verfasstes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, vermag solche Impulse zu geben, denke ich. Es „gehört es zu seiner weltanschaulichen Lyrik, in der er bestimmte Ansichten bündig-belehrend formulierte und symbolische Motive verwendete, die in vielen Alterswerken zu finden sind“.

Prooemion

Im Namen dessen, der sich selbst erschuf!
Im Namen dessen, der Sich selbst erschuf
Von Ewigkeit in schaffendem Beruf;
In Seinem Namen, der den Glauben schafft,
Vertrauen, Liebe, Tätigkeit und Kraft;
In Jenes Namen, der, so oft genannt,
Dem Wesen nach blieb immer unbekannt:

So weit das Ohr, so weit das Auge reicht,
Du findest nur Bekanntes, das Ihm gleicht,
Und deines Geistes höchster Feuerflug
Hat schon am Gleichnis, hat am Bild genug;
Es zieht dich an, es reißt dich heiter fort,
Und wo du wandelst, schmückt sich Weg und Ort;
Du zählst nicht mehr, berechnest keine Zeit,
Und jeder Schritt ist Unermesslichkeit.

Was wär‘ ein Gott, der nur von außen stieße,
Im Kreis das All am Finger laufen ließe!
Ihm ziemt’s, die Welt im Innern zu bewegen,
Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen,
So daß, was in Ihm lebt und webt und ist,
Nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermisst.

Im Innern ist ein Universum auch;
Daher der Völker löblicher Gebrauch,
Dass jeglicher das Beste, was er kennt,
Er Gott, ja seinen Gott benennt,
Ihm Himmel und Erden übergibt,
Ihn fürchtet und wo möglich liebt.-
(Quelle: textlog.de)

Goethe beschreibt irdische Phänomene „als Zeichen einer höheren Wirklichkeit, die immer nur angedeutet und nicht in Gänze erkannt werden kann. So sieht das „sonnenhafte“ Auge immer nur die Farbe, nicht aber das Urlicht selbst“.

Diese Sichtweise impliziert einen beträchtlichen Vorteil: sie verlangt nicht danach, das Ganze zu (be-)greifen, verstehend zu erfassen – stattdessen gibt sie mit dem „Abglanz“ des Erfahrbarem zufrieden, welcher immerhin auf ein transzendentes Element verweisen kann (sofern der Betrachter offen dafür ist).

Als Stadtbewohner finde ich seltener hinaus in die Natur, als mir lieb ist. Gerade die Natur vermittelt mir aber einen Eindruck von dem, was Goethe hiermit gemeint haben könnte.

Übrigens hat sich sogar Joseph Ratzinger bisweilen einen schmunzelnden Ausflug ins pantheistische Denken gestattet ;).

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Das große Kuscheln – „Wahlkampf“ 2017

Wo wird da gekämpft? Bislang beobachte ich eher einen Streichelzoo derer, die mutmaßlich die Große Koalition weitere vier Jahre fortsetzen werden.

Mich bedrückender der Umstand, dass die wirklich ernsthaften Themenfelder in diesem sog. Wahlkampf kaum zustande kommen. Das große Kuscheln entlang der auf Langfristigkeit angelegten GroKo-Marketingvorgaben kann nur gelingen, sofern die wirklich heiklen Fragen nicht ins Bewusstsein der Wählerschaft gerückt werden.

Ignoranz überwinden – aber wie?

Aus meiner subjektiven Sicht sind neben der ökologischen Thematik (welche nicht auf nationaler Ebene wirksam angegangen werden kann) folgende Problemfelder im laufenden Wahlkampf unterrepräsentiert:

  • Kriegsgefahr – befasst sich eine der um Bundestagsmandate ringenden Parteien und Kandidaten ernsthaft mit den vermehrten Rüstungsanstrengungen weltweit?
    Dass die Bundeswehr derzeit in 15 Auslandseinsätzen engagiert ist, hat inzwischen den Charakter einer Selbstverständlichkeit erlangt, über die kaum mehr kontrovers diskutiert wird.
  • Die weltweiten Migrations- und Fluchtbewegungen lassen sich seit etwa 2 Jahren nicht mehr verdrängen wie in den Jahren davor. Dass sie eine Folge einer ungerechten, unausgewogenen Wirtschafts- und Handelspolitik auch seitens der EU sind, bleibt meist ungesagt.
    (Vgl. → „Fluchtursache Handelspolitik„, Tagesspiegel, Okt. 2016)
  • Statt dessen werden Deckthemen bemüht, auf höchst unaufrichtige Weise: eine „Gerechtigkeitsdebatte“, die echte Armut außer Acht lässt – wie viele Menschen knapsen am Existenzminimum oder darunter und würden ohne die Tafeln zeitweilig hungern – mitten in Deutschland?
    (Vgl. → „Ernährungsarmut in Deutschland“ auf armut-und-gesundheit.de
  • Der vierte Punkt lässt sich nicht leicht in griffige Worte fassen, ohne in unangemessenes Pathos zu verfallen: Verlust von moralischer Integrität. Ist dies wirklich eine Aufgabe für die Politik?
    Nun, die im Blickfeld der Öffentlichkeit stehenden Spitzenpolitiker stehen mindestens in der Verantwortung, ihre Vorbildfunktion anzuerkennen. Interessenkonflikte, Nebeneinkünfte von Abgeordneten, der fast nahtlose Wechsel von politischen Entscheidern und Auftraggebern in exakt jene Branche der Wirtschaft, mit der sie noch wenige Monate zuvor politisch befasst waren, die Zugang von Lobbyisten zu Organen der legislativen und deren Mitwirkung in Gesetzgebungsverfahren…jeder Einzelfall trägt dazu bei, das Misstrauen der Bürger in politische bzw. staatliche Institutionen zu zementieren.

Wie kann solch ein Streichelwahlkampf funktionieren? Wohl nur, indem echte Emotionen weitestgehend ausgeklammert werden. Wird von einem interessierten Zuschauer ein ‚Reizthema‘ angesprochen, relativieren die Protagonisten mit 2-3 einstudierten Sätzen: „Jaja, das haben wir bereits im Griff…“ oder „da sind wir schon auf einem guten Weg“ und wenden sich wieder ihrem überschaubaren Kleinklein zu.

Damit will ich nicht behaupten, die zum zentralen Wahlkampfthema erklärten Fragen seien unwichtig. Doch die Relation stimmt nicht – verglichen mit den Problemfeldern, welche kaum zur Sprache kommen. Dass nach wie vor ein Drittel der Wähler unentschlossen ist, kann kaum verwundern.

Nicht zur Wahl gehen ist auch keine Lösung, klar. Wahlverweigerung stärkt potenziell die Kräfte, welche man am wenigsten unterstützen möchte: die extremen bis extremistischen Ränder.

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