„Beginne bei dir selbst“

Einer der wenigen Wow!-Vorträge auf YT.

Im Grunde hatte ich nach etwas völlig anderem gesucht, so aus der Abteilung ‚Nachdenken und Schmunzeln‘. Doch dieser Trainer Tobias Beck hat etwas Mitreißendes an sich.
In diesem Vortrag wird primär die Liebe in einer Partnerschaft behandelt – und was beide dafür tun können, damit diese Liebe nicht mit jedem Jahr des Zusammenseins ein wenig mehr erstirbt: „…eine emotionale Traumreise durch deine eigene Kindheit und welche Parallelen Beziehungen und Unternehmen haben. Es gibt Gefühle, Tränen und eine Definition davon, was Liebe ist. Weshalb man sich um Kinder kümmern und Gefühle zeigen muss.“

Der leicht zynisch gewordene Dauersingle in mir fragte sich anfangs: Hm, was hat das jetzt mit mir zu tun? Schon lange lebe ich ‚lieber alleine‘, weil es dann weniger Enttäuschungen und vor allem keine Verlustängste gibt. Doch im Laufe des Vortrages wird deutlich: Ganz egal wie der augenblickliche Beziehungsstatus lautet – zuallererst ist die Beziehung zum eigenen Selbst zu ‚klären’… was ganz ohne tiefenpsycholgisches Vokabular und Vorwissen erreicht werden kann.

Und ja, auf das kleine Experiment im Laufe des Vortrages darf man sich ruhig einlassen, es tut auch nicht weh… 😉

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Lernen oder Leiden.

Kein Problem wird gelöst,
wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.

(Martin Luther King)

Die Annahme eines als universeller Problemlöser agierenden Gottes setzt dessen Allmacht sowie seinen Willen voraus, jeden Vorgang und jeden Sachverhalt willkürlich zu beeinflussen.-
Eben davon gehen viele aus: „Gott ist doch allmächtig.“ Und weil er außerdem  allwissend und wirklich gütig sei, könne er doch dem Leid unschuldiger Kinder entgegenwirken – sofern er denn wollte!

Oder: Wenn es überhaupt einen „Allmächtigen“
gäbe, dann würde er das alles – ‚unverdientes Leid‘ – nicht zulassen.

Diese beiden Sichtweisen seien so nicht stimmig, erklärt Dr. phil. Günther Schwarz in seinem Vortrag „Leid – Unrecht – Gewalt – Krieg – Warum lässt Gott das zu?“ – vielmehr müsse die Frage gestellt werden: Ist Gott im Hinblick auf die Erde allmächtig?

Das Wort „Allmächtiger“ sei ausschließlich in deutschsprachigen Bibel-Übersetzungen zu finden; in den Ursprachen der Bibel kommt es nicht vor – weil: «Das Wort passt nicht. Es ist kein angemessener Ausdruck. […]
»Gott kann jedes Ziel erreichen, das er erreichen will.
Und er kann jeden Weg gehen, den er dabei gehen will. Er kann aber nicht jedes Ziel auf jedem Wege erreichen.»

⇒ Gegen die freie Entscheidung von Menschen wird Gott seinen Willen nicht durchsetzen. Warum nicht? Schwarz bezeichnet die Willensfreiheit als „unser größtes Erbe, die größte Gabe, die er uns geben konnte“ – selbst sehe ich dies weniger positiv: ist es wirklich ein Geschenk, dass unsere Ethik weniger weit entwickelt ist als unsere Technologie, sodass wir unsere Lebensgrundlagen demontieren und in jedem Krieg, mit jedem Gewaltakt selbstzerstörerisch agieren können?

Tatsache ist wohl: Wir sind keine Roboter, …sondern frei wählende Wesen, die sich gegen ihn, gegen seinen Willen entscheiden können –und von Anfang an konnten!
Wenn wir aber die freie Wahl haben, dann tragen wir die Verantwortung selbst.

«[Die Macht Gottes] ist für uns unvorstellbar. Aber er hat sie, um uns so sein zu lassen, wie er uns haben wollte, beschnitten.
…Ich meine natürlich nicht nur die, die hier eingekörpert sind auf der Erde, sondern alle seine Kinder. Geistige Wesen im ganzen All, ob im Körper oder außerhalb des Körpers. Das war seiner würdig. War riskant, aber seiner würdig.»

Leid, Unrecht, Gewalt, Krieg sind gegen seinen Willen, gegen seine Ordnung, gegen die von ihm geschaffene Harmonie. Gott schreitet aber trotzdem nicht ein, „damit wir unseren Weg zu Ende gehen können und am Ende lernen, wohin es führt, wenn einer sich auf seinem Wege von Gott weg begibt“ – entsprechend dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

«Leid entsteht – weil du die Zeit deiner Prüfung nicht erkannt hast
Womit befassen wir uns die meiste Zeit unseres Lebens?
Vielfach dreht sich unser Denken und Handeln um vergänglichem Tand – dabei gegen die Ambitionen oftmals weit über den Bedarf eines bodenständigen Daseins hinaus – sowie mit seichter Ablenkung. Dem zugrunde liegt ein fataler Denkfehler: ‚Ich habe nur dieses eine Leben …und weil es ist so schnell vorüber ist, nehme ich mir, was ich kriegen kann… und genieße, solange es geht.‘
Auch etliche religiöse Menschen scheinen so zu denken, sofern sie ihr Herz an irdische Reichtümer hängen und von diesem Streben nach materieller Sicherheit, Prestige & Status regelrecht ‚besessen‘. So ganz bin ich selbst diese ungesunde Lebensausrichtung bis heute nicht losgeworden, wenngleich die Prioritäten nun verschoben sind.

«Ihr sollt vollkommen werden auf der Erde, wie Abba – der Vater – vollkommen ist in den Himmeln!»
Davon ist die heutige Menschheit weit entfernt. Ohne eine Vorgeschichte – lässt sich nicht einleuchtend erklären, weshalb wir vermeintlich grundlos vom Leid betroffen werden.

Wie konnte es so weit kommen?

In einem weiteren Vortrag (Die esoterische Lehre Jesu) erklärt Dr. Schwarz:

Harmonie ist das Urprinzip jener Ordnung. Und Kern der Harmonie ist die Liebe. Die Liebe zu sich selbst und die Liebe zum anderen verlangt Respekt vor dem anderen, Achtung vor ihm; das Seine zu schützen, nicht anzutasten, sich keine Übergriffe zu erlauben; nichts für sich wollen, sondern wollen für die Gesamtheit…

Dieses Prinzip war ein fruchtbares Prinzip. Es gestattete jedem, sich frei zu entfalten, mit der Möglichkeit grenzenloser Entfaltung in alle Zukunft.

  • Wir waren in jenen Anfängen da, in der geistigen, in der spirituellen Welt, als unmittelbar aus Gott Hervorgegangene. Wir waren da. Das heißt, wir leben jetzt seit undenklichen Zeiten – und sind nicht etwa mit unserer Geburt oder Zeugung ins Leben gekommen.
  • Was mit unserer Zeugung und Geburt begann, ist eine Episode,…das mit dem Tod nicht etwa endet, sondern weitergeht, und mit der Geburt nicht etwa begann, sondern undenkliche Zeiten an Leben bereits hinter sich hat.

Damit schließt sich so langsam der Kreis zu jenen Themen, Autoren und Überzeugungen, um welche ich auch mit diesem Blog seit Jahren kreiste:

Was wir heute ernten, haben wir in unsere früheren Leben mit all ihren Entscheidungen und Fehlern selbst gesät. Gott ist kein schlechter Pädagoge, der uns mit Strafen aus purer Rache belegen würde, welche von uns nicht in in einen Zusammenhang mit eigenem schuldhaften Handeln gebracht werden könnten.

«Er erzieht uns. Er schult uns,… er schult uns auf dem Wege, auf dem alleine das möglich ist: nämlich durch Selbstschulung, durch Selbsterziehung.
Aber bevor man das kann, sich selbst in Pflicht nehmen, muss man erkannt haben. Erkannt, woher komme ich. Erkannt, wozu bin ich hier. Erkannt, wohin führt mein Weg.»

Dargestellt habe Jesus das in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. «Dieser mein Sohn war tot und ist wiederbelebt worden.» Das Gleichnis vermittle einen Abriss, der unser ganzes Sein umspannt: von unserem Ursprung aus Gott und unsere lange währende, schrittweise Rückkehr zu ihm.

«An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?
»
Matthäus 7,16; Lukas 6,44:

Hier geht es um Saat und Ernte (was wir ernten, wurde von uns gesät), also um die Kausalität, das Prinzip von Ursache und Wirkung:
Wo Gesinnungen wie Härte, Herausforderung, Rachsucht, Hass, Unterdrückung wie Unkraut wuchern und zunehmen, ist ein harmonischer Zustand des Heil-seins, des Friedens und der Freude nun einmal nicht zu erwarten. (Falls Sie, liebe/r Leser/in, sich nun fragen „Was hat das mit mir zu tun? Ich trage weder Hass noch Rachsucht und auch keine unmenschliche Härte in mir“, dann geht es Ihnen im Grunde wie mir. Bloß, diese Einschränkung müssen wir uns wohl gefallen lassen: → Heute betreffen solche Wesensmerkmale uns nicht, vielleicht niemals in diesem Leben! Aber was wissen wir davon, wie wir davor – in früheren Leben – gesinnt waren, dachten und handelten?

Wer die Möglichkeit einer wiederholten Wiedergeburt (noch) ablehnt, kommt an dieser Stelle (noch) nicht weiter! Die furchtbaren Leiden eines gequälten oder unheilbar kranken Kleinkindes lassen sich niemals in akzeptabler Weise einordnen, solange nur diese eine winzige Lebensspanne jener geplagten Würmchen gesehen wird. Natürlich sind nicht allein Kinder in ihrem Leid gefangen, doch die Tragik ihres Nichtverstehenkönnens macht die Frage nach dem Sinn solchen Leidens um so dringlicher und berührender.
Auf diese Schwierigkeit, diesen Konflikt mit der üblicherweise vertretenen christlichen Glaubenslehre (katholisch wie evangelisch) geht Günther Schwarz explizit ein:

«Also doch Reinkarnation? Also doch Wiedergeburt? Hier kommen wir an einen kritischen Punkt. Wer da anderer Meinung ist, möge mir vergeben, wenn ich sage: Lies einmal genau nach in den Evangelien. Da wirst du genügend Belege finden aus dem Munde Jesu. Aber nicht nur bei Jesus, auch bei den Kirchenvätern.
Einer der Kirchenväter, Hieronymus, schrieb in einem seiner Briefe,  an Demitrias“:
„Die Lehre von der Wiedergeburt wurde seit ältesten Zeiten den Wenigen verkündet als ein überlieferter Glaube, der nicht öffentlich verbreitet wurde.»A

Warum lehrt Kirche die Reinkarnation nicht?

Die lutherische Kirche lehrt zwei Sakramente, die katholische sieben. Luther sagt von der Taufe und vom Abendmahl: „Sie erlösen von Sünde, Tod und Teufel.“
⇒ Nach der Lehre Jesu bewirkt… die Wiedergeburt die Rückkehr zum Vater, auf einem langen Weg; für die Kirche ist Erlösung bereits allein durch die Sakramente (und nur für zahlende Mitlieder) möglich. «Das eine schließt das andere aus. Und da die Kirche nicht von den Sakramenten lässt – noch nicht! – kann sie die Reinkarnation nicht lehren.»

Das ‚göttliche Schulungsprinzip‘ – Reinkarnation und Karma – fordert einen aktiven Beitrag ein: Streben nach (und Erbitten) spiritueller Erkenntnis.  Lernen, „die Lasten, die mich niederdrücken, abzuwerfen“. Es genügt nicht, wenn mir die Sünden durch einen Pfarrer nach der Beichte vergeben werden. Zum einen werde ich mir selbst vergeben müssen, mich alsdann um einen echten Aussöhnung mit von mir verletzten Personen bemühen.
Das Wichtigste jedoch:
Ich muss an mir arbeiten. Das schädliche Fehlverhalten abstellen – gar nicht leicht, sofern es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die meisten von uns sind keine Schläger, Raubmörder oder Vergewaltiger, doch ‚vollkommen‘ sind wir genauso wenig:

  • Welchen besitzt der Begriff Nächstenliebe im Denken, Trachten und Handeln der Menschen hierzulande – oder in den Medien? Dies ist einer der Punkte, wo ich mich getrost an die eigene Nase fassen sollte.
  • Wie oft verdrehen, verzerren wir die Wahrheit aus Bequemlichkeit und ‚Rücksichtnahme‘ …mitunter ein automatischer Reflex.
  • Üble Nachrede – was die Bibel ein falsches Zeugnis wider den Nächsten nennt – lässt sich täglich beobachten. In der Politik sowieso, aber auch im allgemeinen Umgang. Es ist so einfach, voller Selbstgerechtigkeit die Verantwortung für Unzulänglichkeiten auf andere abzuwälzen.
  • Mit sexueller Freizügigkeit habe ich kein Problem, sofern sie offen und aufrichtig gelebt wird. Doch längst werden Ehebruch bzw. heimliche Untreue in einer festen Partnerschaft vermarktet, ausdrücklich in der Werbung angepriesen – Apps und Online-Portale ködern mit dem Label „Fremdgehen“. Wer denkt schon daran, dass aus solchem Verhalten am Ende doch Streit, Unzufriedenheit, ggf. die Zerstörung der Partnerschaft sowie und womöglich eine fiese Geschlechtskrankheit resultieren.
  • Geiz ist nicht geil! Rücksichtslose Gewinnmaximierung zulasten der am Wertschöpfungsprozess Beteiligten stellt erst recht keine Tugend dar. Materielle und soziale Verlustängste eine Lebenseinstellung wie ‚Nie mehr lasse ich mir etwas wegnehmen‘ – mindern die eigene Lebensqualität erheblich.

Tja, aber wie Schwarz schon sagte: zu einer echten Veränderung im Denken und Wesen einer Person bedarf es einer hinreichend starken Motivation – etwa indem überhaupt erst der Wunsch entsteht nach dieser Rückkehr, diesem Einssein mit Gott. Nicht wenige der heute lebenden Menschen verspüren diesen Impuls kaum. Zum Ende hin, ja, sobald die verbleibende Zeit merklich knapper wird, kommt zuweilen furchtsames Nachdenken auf… bloß, dann ist es für größere Lernschritte reichlich spät, denn diese brauchen Zeit.
Tröstlich ist dennoch: wer vor lauter Trödeln und Konsumieren die zentrale Sinn- und Zielgebung seines Lebens verpasst, wird deswegen nicht einer zeitlosen Verdammnis überantwortet. Sondern er hat das ‚Klassenziel‘ nicht erreicht und wird diese Klasse in einem weiteren Leben wiederholen.B

(Keine) Gebetserhörung?

Beispiel Krieg und Frieden: Wenn wir Menschen den Frieden wollen … dann müsse dieser Wunsch anfangen in unseren Köpfen, spürbar werden in unseren Herzen. Und unser Handeln muss damit übereinstimmen. «Es ist geradezu töricht, Berge von Waffen zu schmieden und zu verkaufen und wenn es dann kracht, Gott um Frieden zu bitten, dass er den Frieden machen solle. Nö, so läuft das nicht, den müssen wir selber machen.»

Bei den Einstellungen, die wir haben, bei den Handlungsweisen, mit denen wir umgehen, sei einstweilen auf der Erde kein Paradies zu erwarten, sondern Leid, Unrecht, Gewalt und Krieg. «Wenn wir aber die Verursacher sind, wie könnten wir uns dann hinstellen und sagen: wenn es einen Gott gäbe, würde er das nicht zulassen? Es ist doch unser, der Menschen Wunsch und Wille! So sind wir doch, wir Menschen!»

Mit Gebeten verhalte es sich ganz ähnlich:
«‹Gibt es unter euch einen Vater, den sein Sohn um ein Brot bittet
und er gibt ihm einen Stein?› Nur müssen die Bitten stimmen. …Nämlich um Erkenntnis, um den Weg, den wir gehen sollen, und um den Einlass in …die geistige, in die spirituelle Welt. Also Bitten, die darauf zielen, Bitten, die dem dienen, da verfährt Gott so.-

Die Rolle Jesu im ‚göttlichen Schulungssystem‘

Aus diesem Blickwinkel kann, muss ich einräumen: Meine eigenen Bitten (um Erkennen, Verstehen, ‚um ein Weiterkommen in meinem Verstehen‘, was es mit dieser Welt und mit uns auf sich hat…) wurden erfüllt. Nicht immer sofort – das ist ja nicht wie bei der Zahnfee! Auch ist dieser Erkenntnisprozess noch lange nicht abgeschlossen, und die Umsetzung gleich gar nicht.
Doch es war schon so: in verkraftbaren Schritten, auch mit den (in meiner Ungeduld nicht immer als notwendig eingesehenen) ‚Verdauungspausen‘, wurde ich auf diesem Weg des Lernens und Verstehens voran geführt. Mitunter war erstaunlich, wie ich just im richtigen Moment dem neuen Text, dem bis dato unbekannten Autor begegnete, der ‚gebraucht‘ wurde, um das Puzzle ein wenig mehr zu vervollständigen.

Was mir indessen bis in diese Tage fehlte, war eine kohärente Integration der Person Jesu in mein Weltbild.
Denn zeitlebens war ich nur mit dem Kirchen-Jesus vertraut. Wenn der Weg zum Heil, zurück zu Gott so unsagbar schmal war (vgl. Mt 7,14), dass nur ganz wenige die erforderliche Vollkommenheit erlangen würden, …nun, dann wäre einer wie ich kaum Teil dieser elitären Kleingruppe. Träge, zu inkonsequent und oftmals halbherzig in meiner Veränderungsbereitschaft war ich, um solch besonderen Lohn zu erhoffen.
Auch hatte Jesus dem Vernehmen nach betont, nur durch ihn könnten wir (also einige wenige von uns) zum Vater gelangen – ich sah darin eine ähnliche Drohbotschaft, wie ich sie von der RKK kannte. Nein, mit diesem Jesus wusste ich nicht sehr viel anfangen.

Erst die Einordnung der Lehre Jesu in das ‚göttliche Schulungsprinzip‘ von Karma und Reinkarnation ermöglicht mir die Revision dieser doch reichlich verbohrten Sicht auf Jesus: Dass der Weg ’nach Hause‘ schmal und beschwerlich ist, bedeutet nicht, dass nicht jeder von uns ihn einmal beschreiten darf!
Sondern: ‚Nicht alle gleichzeitig‘ und ein Spaziergang wird das auch nicht. Denn die Voraussetzungen müssen erfüllt sein, d.h. der Erkenntnis- sowie vor allem der Lern- und Läuterungsprozess muss abgeschlossen worden sein. Damit wird klar: es kann unter Umständen noch viele Lebensspannen dauern, bis wir so weit sind.

Die Rekonstruktion der ursprünglichen Worte Jesu lässt so viele Zitate in einem völlig anderen Licht erscheinen,  Dr. Schwarz erläutert nun anhand zahlreicher Zitate und Beispiele, wie Jesus uns als Lehrer zum persönlichen Führer auf diesem langen, oft mühsamen Weg zurück werden könne. «Wenn wir also bitten um das, was wir zum Leben brauchen, körperlich-materiell, geistig-spirituell, dann werden wir das bekommen.»

Das ‚Zauberwort‘ indes lautet Selbstentwicklung («bitteschön nicht Selbsterlösung, das ist ein ganz anderes Thema»). Mit Betonung auf Selbst, also auf Eigenanteil, auf Eigenleistung:
«Der verlorene Sohn… er musste jeden Schritt, der ihn vom Vater trennte, gehen, auf eigenen Füßen. Das wird immer übersehen, wenn jemand sagt, die Gnade Gottes macht das alles. Nein, die Gnade Gottes habe ich eben erwähnt: das Herabströmen von oben. Aber wer das nicht tankt, dessen Benzintank ist leer. Fahren Sie mal mit einem leeren Tank.»

In unser Treiben, unsere Konflikte hier auf der Erde mischt Gott sich nicht ein. „Denn wenn er das täte, dann brächte er sich um den Effekt des ganzen. Und er brächte uns um den Effekt des ganzen. Nämlich, dass wir lernten, Unrecht, Gewalt, Krieg zu vermeiden.“

Einwand: Niemand verändert sich wirklich.

Falls es stimmt und wir viele Lebensspannen durchlaufen, um schrittweise zu reifen…nun, dies kann nur gelingen, sofern wir zu tiefgreifender charakterlicher Veränderung überhaupt imstande sind. Erfahrungsbedingte Zweifel daran sind verständlich – wie viele durch und durch geläuterte, zum Positiven gewandelte Personen kennt man denn so? Der Geist mag ja willig sein, aber das Fleisch bleibt eher schwach und träge…

An dieser Stelle sei wiederum auf die Vorgeschichte (s.o.) verwiesen, d.h. die möglichen Vorleben. Ein Prozess tiefgreifender Charakterformung geschieht überaus langsam, sichtbar würde er wohl nur, hätten wir die Vergleichsmöglichkeit, d.h. wie wir vorhergehenden Leben waren.

Der Blick auf den Homo Sapiens insgesamt fällt entmutigend aus: Das Bild einer kriegerischen, in hohem Maße selbstzerstörerischen Spezies hat sich abgesehen von technologischen Innovationen seit Jahrtausenden im Kern nicht verändert – die heutige Menschheit setzt zusätzlich alles daran, die Erde zu zerstören. «Sie morden sich gegenseitig, setzen radioaktives Material frei, vergiften die gesamte Biosphäre, heizen die Atmosphäre auf. Wälder werden ohne jedes Bedenken abgeholzt, Tiere aus ihren Heimen vertrieben oder ganz ausgerottet. Gleichzeitig feiert sie den technischen Fortschritt…»

Nur, ist diese diese Betrachtungsweise hilfreich oder mündet sie in eine Sackgasse. Wir Menschen sind zwar soziale, aber keine Schwarmwesen. Nein, wir sind Individuen – Einzelseelen, wie Schwarz schreibt – und den langen Weg zurück treten wir einzeln an, Anders wäre es auch kaum möglich, bedenkt man unsere ganz und gar unterschiedlichen Entwicklungsstände.
Dass die heutige Menschheit einen weithin ungünstigen Weg nimmt, lässt sich wohl konstatieren – dieser sagt indes nichts über den geistig-spirituellen Weg einzelner Personen aus.

Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.” (Dante)

Quellenangabe und Literaturhinweis

Anmerkungen

A -Weitere angeführte Belege lassen sich in dem verlinkten Vortrag nachlesen, Schwarz verweist u.a. auf Johannes Kap. 3: Die entscheidende Frage, die der Rabbi Nikodemus hatte: «Wie kann man eingelassen werden in die Herrschaft Gottes, in die Himmelsherrschaft?»; Jesus sagt: «Ohne Wiedergeburt läuft gar nichts!»

B – Die aufgeführten und verwandte Aktivitäten sind nicht notwendigerweise verwerflich, soweit sie niemandem Schaden zufügen – nur: sie bringen uns spirituell kein bisschen weiter. Es ist zutiefst bedauerlich, wenn ein Leben außerhalb der Arbeitszeit weitgehend für Fußballgucken, Sauforgien und anschließendes Auskatern ver(sch)wendet wird – aber „böse“ ist daran wohl nichts.

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„Sieht nice aus, Bro!“

Menschen allein wegen ihrer Klamotten zu beurteilen – und nicht mal, ob man diese schick, elegant oder örrrks findet, sondern allein anhand ihres Kaufpreises – hat sich mal wieder eingebürgert.

Übrigens betrifft dies nicht ‚diese‘ Jugend, nein, diese verkehrte Sicht kam auch in früheren Generationen vor, zB in meiner: Damals hatten wir auffällig frisierte Popper – und Popper-Wannabe’s, die äußerlich weniger auffielen, aber (mit 14) einen Kaschmir-Schal demonstrativ spazieren trugen. Das Teil kostete wohl 200 Mark (für die 80er schon nicht schlecht) und sollte seinen Träger ‚über die Masse erheben‘.
Ich? – „Neeiiin, so bekloppt bin iiiiich nie gewesen“… da ich mir die Kaschmir-Stola von den erteilten Nachilfe-Stunden nicht leisten konnte. Gleichwohl sparte auch ich Monate auf neue Statussymbole, auf die ich Monate sparte: den Vogel schoss ein ‚Original-‚ ab, schweineteuer und ständig sah man einen neuen Fleck. (‚Schau mir in die Augen, Kleines‘ … 😉

Später dann, mit mehr Kohle und immer noch zu wenig Selbstwert, wertete ich ‚mich‘ mit Uhrenmarken auf: „voll Understatement“, sahen zwar „boah, ist die aber flach!“ und elegant aus, wurden aber selten ‚erkannt’…und rangierten preislich auch nicht auf Rolex- und Breitling-Level.
Wie so oft gilt: da sitze ich im Glashaus und habe keinen Grund, verbale Steine auf jene zu schleudern, die heute genauso drauf sind wie ich vor ca. 35 Jahren.
(Ganz ehrlich? Diesen Superflache-Uhren-Tick habe ich bis heute nicht vollständig abgelegt… nur gehen die zu schnell kaputt. Heute zählt Originalität statt Kaufpreis; und ich bilde mir nicht länger ein, mein Handgelenk-Schmuck sei imstande, mich in den Augen anderer Leute in irgendeiner Weise aufzuwerten.)

Um so mehr gefallen mir heute Songs und Meinungen, die sich von der Tendenz absetzen, Menschen nach ihrem Geldbeutel oder ihrer Fassade aus vorgezeigten Statussymbolen zu beurteilen.

„Wieviel ist dein Outfit wert?“ – Kummer

Diese Welt ist eingeteilt in Gewinner und Verlierer
Zwischen abgetragene Klamotten der Geschwister rocken
Und siebzig Euro für paar Gucci Socken
Solidarität hat Grenzen, du würdest armen Menschen ja zur Seite steh’n
Wenn sie es schaffen würden einfach bisschen geiler auszuseh’n.

„Ja, was hab‘ ich bezahlt, oder was? “
„Ja?“
„Ja, so 7.000 Euro!“
„Moncler, 3.700.“
„Gucci-Hemd, 900.“
„Ähm, Louis Vuitton Ankle Boots, 1.500.“
„Sieht nice aus, Bro!“

Yeah, du hast immer viel gelacht
Über Kinder aus dem Plattenbaugebiet am Rand der Stadt
Was tragen die für Sachen? Haben die keinen Geschmack?
Warum komm’n die mit der Straßenbahn und werden nicht gebracht?
Falscher Rucksack, falsche Jeans, alle seh’n den Unterschied
Hundert Euro liegen zwischen angeseh’n und unbeliebt

Hm, woran erkennt man einen Gewinner?

Dazu müsste erst mal abgeklärt werden, was einen Gewinner auszeichnet. Die Antwort auf diese Frage sieht mit 15 anders aus als mit 30 und erst recht gewinnt man als Ü50er eine veränderte Sichtweise: Bereits heute ist mir überdeutlich bewusst, allen Besitz und das ganze Prestige-Zeug kann ich nicht ‚mitnehmen‘. 

Zudem impliziert Gewinnen eine Gegnerschaft ⇒ muss es auch Verlierer geben? Dieser vergleichende Blick verliert auf der Zielgeraden komplett an Bedeutung. Manch einer verspürt nun den Wunsch, ein Vermächtnis zu hinterlassen und nicht alsbald in Vergessenheit zu geraten. Das Prädikat ‚war immer mit Markenklamotten ausgestattet‚ entbehrt diesbezüglich jeglicher Relevanz.
Statt dessen richtet sich der Blick vielleicht auf Leistungen, welche die eigene Lebensspanne überdauern mögen – doch wie vielen von uns gelingt dies?

Eine zentrale Frage lautet nun: Wie ist das Leben, welches ich geführt habe, zu beurteilen? Nach welchen Kriterien?

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Sockosophie

Eine/r unter Millionen Rechthabern?

Auch auf der Suche nach Denkanstößen, die über das alltägliche Kleinklein hinausreichen, aber nicht gleich Stunden über Stunden beanspruchen? Da ist der Song ‚Sockosophie‘ ganz gut geeignet, finde ich.

Am Schluss eine (nicht so sehr) überraschende Pointe: was geschieht allzu häufig, wenn wir Menschen unsere neue Religion/Philosophie/ Weltanschauung entdecken …die wir mit allen anderen teilen wollen …aber rasch feststellen müssen: die anderen sind schon versorgt und merklich weniger begeistert als wir?

⇒ „Halts Maul!! Du bist dumm, falsch, frech und faul!
Konvertiere!!“

Es sind nicht alle tolerant und ‚politisch korrekt‘  – die Unterdrückung und z.T. auch Verfolgung von vermeintlich Ungläubigen setzt sich bis zum heutigen Tage fort, obgleich wir hierzulande davon eher wenig mitbekommen.
Und die letzte Ermordung einer „Hexe“ durch einen fanatischen Mob oder ein Religions-Gericht fand auch nicht um 1850 statt, sondern bleibt eine beständige, aktuelle Gefahr.

Möglicherweise wären alle ‚Suchenden‘, die ihre bevorzugte Glaubens- und Weltanschauung noch nicht gefunden haben – gut beraten, sich schon jetzt eine bedeutsame Frage zu beantworten: Wie werde ich mit meinem neuen ‚einzigartigen, bedeutsamen Wissen und Glauben‘ umgehen, sobald ich meine Suche erfolgreich beendet habe?

  • Will ich das ‚Geheimwissen‘ nur für mich behalten oder ermögliche ich meinen Freunden, Bekannten, Zuhörern, …Lesern, sich ebenfalls mit jenen Gedanken und Erkenntnissen auseinander zu setzen?
  • Bin ich womöglich versucht, den anderen nun meine Denkweise aufzunötigen und bei Widerstand aufzuzwingen? Bleibt es bei Wutgebrüll und Verdammnis-Drohungen …oder werde ich sogar gewalttätig auf der Suche nach ‚Gläubigen‘?

Tatsache ist: Beobachter sehen eine  Zunahme religiöser Verfolgung weltweit (Jan. 2019), …wobei die Gesinnungskontrolle durch die Digitalisierung noch vereinfacht wird. Auch im 21. Jahrhundert bekämpfen sich immer noch Menschen aufgrund unterschiedlicher Überzeugungen von etwas, das objektiv nicht bewiesen werden kann.
(Zuzüglich der übrigen Konflikte, wo Gruppe/Nation B im Besitz von einem knappen Gut ist, welches Gruppe/Nation A für sich begehrt. Rasch wird B zum Feind gemacht und entweder überfallen oder ‚auf humanere Weise überzeugt‘, sprich brutal erpresst.)

Nun will ich nicht meine Unzufriedenheit über den Umgang von Menschen mit Ideologien, Überzeugungen (und materiellen Besitz) lamentieren. Durch diesen Song war mir halt wieder einmal bewusst geworden, wie leicht ‚man‘ vom Suchenden zum überheblichen Verfechter einer weiteren Ideologie werden kann.

Sockosophie – Käptn Peng u. die Tentakel von Delphie

Kernaussagen, soweit ich den Text verstehe:

Zunächst geht es um den Ursprung von Allem. Und darum, ob dahinter eine Erste Ursache, eine willentliche (göttliche?) Kraft steht.

  1. Es war nie nichts vorhanden – Es ist immer was passiert“
    Nicht zuletzt die Große Urknall-Saga scheint zu suggerieren: es fand ein fulminanter, explosiver (wenn auch lautloser) Anfang von Allem statt. Und davor war nichts …oder, genau genommen, wisse man nicht was davor gewesen sein könnte, darum könne man auch so tun, als sei da ‚Nichts‘ gewesen.
    Und wie bei jedem Dogma wird der Eindruck erweckt, als sei diese Sichtweise ‚Nichts → Urknall → Alles‘ die einzige denkbare, zulässige Annäherung an die Wahrheit. Demgegenüber stellt z-B. Martin Bojowald (→ Zurück vor den Urknall) eine zyklische Betrachtung auf, welche die Begrenzungen des Grenzen des Standard-Urknall-Modells zu umgehen versucht.
  2. „Identität (= all das, was mich als Individuum von anderen unterscheidet) ist etwas Überpersönliches“.
    Unser wahres, Höheres Selbst hält sich ziemlich verborgen… so als strippenziehende Graue Eminenz. Unsere ‚Einzel-Persönlichkeiten‘ – also auch jene, die wir im Spiegel zu entdecken glauben und zu der wir liebevoll Ich sagen – werden von unserem ursprünglichen oder Höheren Selbst bewusst „erzeugt“. Das wahrgenommene Selbst stelle somit lediglich eine von mehreren ‚Sockenpuppen‘ jenes höheren Selbst dar – und darum auch nicht weiter wichtig, egal was das Ego dazu meint.
    Darum umfasse die eigene Persönlichkeit weitaus mehr, als die eigene ‚Ich-Sicht‘ uns glauben lasse.

Mein Problem mit dem schnellen Sprechgesang (ist das alles Rap? oder gibt es da unterschiedliche Genres? Oje, ich bin sowas von ahnungslos): ich verstehe beim reinen Hören kaum ein Drittel des Textes – außer ich lese mit. Nachfolgend ein Auszug daraus – jene Passagen, die mir wichtig erscheinen:

(Woraus) hat sich dieser ganze Kram erschaffen?
Hat er sich, von 0 auf 100 in den Raum gesetzt?
Ohne zu fragen, vom Nichts ins Jetzt?
Einfach so, und aus sich selbst heraus?

…‘Das Nichts, der Urknall, Menschheit, Untergang…‘
Nee Moment, Stopp, das ist zu einfach und zu ausgedacht
Wir werden schon von all den andern Weltraumrassen ausgelacht:
als die nichts Checkenden, sich selbst zerstörenden Verrückten, Deprimierten, die nichts sehen und nichts hören.

Und, huch, plötzlich bricht uns der Boden weg – 6000 Jahre fallen.
[…]Sie stoppen, denn sie schweben …und gestalten ihre Not um zu Tugend:
Sie bemerken, dass das Fallen zu Schweben wird
Wenn man aufhört sich an Dingen festzukrallen. [aber wohl nur so lange, bis man auf den harten Untergrund prallt, hm? So ein fest gefügtes Weltbild (anstelle von einem stetig wachsenden Wust unbeantwortbarer Fragen) stellt für manche von uns eine existenzielle Notwendigkeit dar. → Das  ängstliche Bedürfnis nach Sicherheit und Struktur unter Umständen dazu, dass  einige sich an der einmal übernommenen Überzeugung förmlich „festkrallen“. Lächerlich? Ach, wer in sich hineinblickt und dabei ehrlich ist, findet doch meist eigene Glaubenssätze, die vehement verteidigt werden…]

[Strophe 2]
Noch mal zurück zum Universum und zum Leben:
Genau genommen dürfte es das alles gar nicht geben
[…]Und genau genommen kann aus Nichts nichts entstehen
…Variante Zwei ist für mich auch nicht zu verstehen
Sie lautet irgendwas hat schon immer existiert
(Schon immer? Ich glaub ich hab’s noch immer nicht kapiert.)
Es war nie nichts vorhanden
Es ist immer was passiert

Alles um dich rum glüht – Nur dein Ich nicht
Denn dein Ich ist das Prisma
Durch das sich das Licht bricht
Es bündelt, selektiert und stellt sich dar wie deine Ich-Sicht
Doch in Wirklichkeit ist dein Ich viel umfassender
Ein Teil des Teils (der anfangs alles war)
Und wieder sein wird.
Wenn du dein Ich verschmelzen lässt
Mit Allem um dich rum
In dir drinnen und dem ganzen Rest
Licht mit Dunkel, die Null mit der Eins
Das Bewusstsein mit dem Körper
Und das Alles mit dem Keins
Und so vereinst du den Schein mit dem Sein
Demontierst dein altes Heim um dein Wesen zu befreien

(…Liefer‘ mir erst mal Beweise!)
Wofür?
Du meinst das mit der Quelle und der Null und der Eins?
(Jaa!)
Okay, lass mich grübeln
Ich kann dir deine Zweifel leider wirklich nicht verübeln
Doch du musst wissen, dass es hier ums Ganze geht
Nicht um den Namen, der auf deinem Schulranzen steht
Identität ist etwas Überpersönliches
Ja und Nein sind nichts Unversöhnliches
Schwarz und Weiß sind beide Licht
Und die Nonexistenz, die gibt es nicht


Du willst Erwachen, Enthüllung, Befreiung von allen Schleiern?
Dann bitt‘ ich um Verzeihung mit dem was ich dir zeige
Schock‘ ich dein Verstand:
In Wirklichkeit bist du ne Socke auf ’ner Hand!

Pass mal auf:
Also wenn du schon von Schocken redest
Du bist hier der Typ der grade mit ’ner Socke redet
Die auf deiner Hand sitzt
Und mit deiner Stimme spricht
Und du behauptest die Behauptung dieser Socke stimmt nicht?
Falsch! Ich bin die Quelle selbst
Das ist gar keine Hand mit der du dich unterhältst
Du glaubst wirklich, du bist ein abgetrenntes Wesen
Vom Kosmos, vom Urgrund, von mir, vom Leben?
Eigenständig, Unabhängig, mit eigenen Gedanken?


Erkenne! Widerstand ist vergebens!
Du bist die Socke auf meiner Hand
Bisher bist du vor der Wahrheit weggerannt!
(Aber Socke!)
Schweig!!
(Aber Socke! )
Halts Maul!!
Du bist dumm, falsch, frech und faul!
Konvertiere!!
Zur Sockosophie – Zum Sockismus
Jetzt oder nie!

Anmerkung

  1. Ambiguitätstoleranz (v. lat.  „Mehrdeutigkeit erdulden/ertragen“),→ Fähigkeit und Wille, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen. Ambiguitätstolerante Personen sind in der Lage, Widersprüchlichkeiten, kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, zur Kenntnis zu nehmen, ohne darauf aggressiv zu reagieren. Im Idealfall wird zudem darauf verzichtet, diese Ambguitäten einseitig negativ oder vorbehaltlos positiv zu bewerten.
    In psychologischen und pädagogischen Theorien wird diese Fähigkeit als Merkmal/Kriterium der Persönlichkeitsentwicklung benannt. 

     
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Im Nebel

Kommt der Herbst, kommt er, jajaja…endlich?
Hach, ich freu‘ mich so auf kühle Tage…

Im Nebel (Hermann Hesse)

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Kein versteckter Hinweis von meiner Seite oder so… zwar verbringe ich viel Zeit alleine, bloß fühle ich mich dabei selten einsam. Glaube, Hesse meint auch eine andere Einsamkeit als jene, die mitunter beim Alleinsein empfunden wird. 

 

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‚Neue‘ christliche Werte?

Der Theologe Joachim Elschner-Sedivy hat seinen (nach wie vor lesenswerten) Blog umgestaltet: Aus «Offenkatholisch» wurde nun «Neue Christliche Werte», wobei viele frühere Blogartikel mit Bezug zur RKK nicht mehr abrufbar sind.

„Die römisch-katholische Kirche ist jetzt endgültig nicht mehr mein Thema. Sondern mein Thema ist ab jetzt das gesellschaftliche Überleben des Christentums ohne die kirchlichen Institutionen, die wir bisher kannten. Für diese Kehrtwende scheint es mir jetzt Zeit zu sein.“

Hingegen konnte ich selber als einfacher Laie bislang nicht mit dem Katholizismus abschließen. Die formale Vereinszugehörigkeit ist lange beendet, nur die emotionale Loslösung gelingt allenfalls schleppend – einer während der gesamten Kindheit und Jugend anerzogenen Prägung entkommt man nicht so leicht. Was geblieben ist, ließe sich als tief empfundene Abneigung umschreiben – ausdrücklich nicht gegen alles Katholische, wohl aber gegenüber jenen, die Religiosität primär als Macht- und Drohmittel gegenüber Schwächeren missbrauchen:

«Wenn du den Rosenkohl nicht isst, müssen die Engelchen weinen.» Darüber grinse ich heute… und esse noch immer keinen Rosenkohl. Doch als Junge zitterte ich buchstäblich vor dem Teufel und der Hölle, bevor ich heuchlerische Verlogenheit in der Familie durchschauen lernte: Frömmlerischer Anschein wurde gegenüber dem jungen Nachwuchs (‚Finger auf die Bettdecke!! Auf Onanisten wartet der Satan!‘) und am Sonntag erweckt, während Ältere keinem Alkoholexzess, keinem Seitensprung aus dem Weg gingen und ihre eigene Verkommenheit regelrecht auskosteten.
Bis heute spüre ich meine Verblüffung, gefolgt von bitterer Enttäuschung über jene Bigotterie: Verhielt es sich etwa überall so?
Dabei erwartete ich weder Heilige noch perfekte Menschen, sondern den ernstlichen Versuch, die elementaren Gebote einzuhalten…auch wenn keiner zuschaute.
Klar, Generalisierung ist immer falsch – und ungerecht, das ist mir heute auch klar.

Wäre ein kategorisches „Schluss damit!“ nicht auch für mich gesünder? Gut möglich, doch ich kenne mich ja: Sobald eine provokante „Ihr seid alle verdorben und werdet dafür ewiglich leiden müssen!“-These (sinngemäß…so explizit drücken sich inzwischen nur noch wenige aus) in den Medien anklingt, zack, bin ich wieder im Thema.
Zwar nicht länger mit Schaum vor dem Mund, aber schon noch emotionsgeladen. Alptraum-erfüllte Nächte voller Höllen- und Satans-Phantasien der Kinderzeit wird man als Erwachsener zwar relativieren; ganz aus dem Gedächtnis verbannen lassen sie sich bedauerlicherweise nicht.

Neue christliche Werte?

Okay, das AIDA-Prinzip aus dem Marketing dürfte auch weiterhin funktionieren: zunächst Aufmerksamkeit wecken, dann konkretes Interesse steigern. Abseits davon habe ich mich gefragt, worin denn das Neue bestehen könnte.

Gemeint hat der Autor des o.a. Blogs folgendes: «die „Erneuerung“ einer christlichen Ausrichtung der Gesellschaft… das ist es, worum es mir geht. In meiner Vorstellung ist diese Erneuerung aber keine „Restauration“; man kann nicht einfach „zu etwas Altbewährtem zurückkehren.“ […] Das Alte, das wirklich erneuert wird, bleibt nicht das Alte, es wird in gewissem Sinne etwas ganz Neues, das an etwas Altes erinnert. Anders geht es nicht.»

Doch was genau ist ggf. zu erneuern, hinsichtlich der grundlegenden Werte, also einer ethisch-moralischen Orientierungshilfe? Der Kern der Lehre Jesu, so wie ich ihn aus den Evangelien kenne, bedarf in meinen Augen keiner Optimierung:

Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Knapp, präzise und bei näherem Hinsehen eben nicht leicht zu erfüllen. Als Konkretisierung können bei Bedarf die 10 Gebote dienen, die in vergleichbar knapper Form eine vollständige Sozialethik umfassen. (Wobei ich mich immer noch frage: was wurde aus dem an sich doch sinnvollen Bildnisverbot, wie es bei Mose zu lesen ist?)
Alles weitere an Erläuterungen und vertiefenden Kommentaren ist bestenfalls „nice to have“. Ein hunderte Seiten langer Katechismus wird heutzutage von immer weniger Menschen zur Hand genommen – und falls doch, so geschieht dies eher zwecks erstaunter Befassung mit einer altmodischen Kuriosität denn in der Absicht, die zahllosen Vorschriften ernstlich zu studieren und anschließend zu befolgen.

Ob lebendiger Glaube auf Institutionen angewiesen ist und falls ja, in welchem Umfang? Aus eigener Anschauung meine ich, eine lokale Gemeinde ‚Gleichgesinnter‘ (d.h. Menschen, die prinzipiell dasselbe Anliegen verfolgen, ohne in allem immer übereinstimmen zu müssen) kann ungemein hilfreich sein, gerade auch in schwierigen Lebensmomenten und Phasen hartnäckiger, nicht selten quälender Zweifel. Die frühe Christenheit hat dies recht gut vorgelebt – jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, da sie gewaltsam gegen Abweichler und ‚Häretiker‘ vorging.
Wozu wäre eine weltumspannende, nicht zuletzt auf unternehmerische Tätigkeit (monetäre Gewinnerzielung) ausgerichtete Organisation angesichts fortschreitender Individualisierung notwendig? Ein weites Feld, diese Frage, und viel zu komplex, als dass sie sich in einem kurzen Blogartikel von einem nunmehr Außenstehenden erschöpfend beantworten ließe.

Erneuerung und Rückbesinnung auf christliche Werte stellen meines Erachtens zuallererst einen inneren, ganz persönlichen Prozess dar, welchen ein jeder von uns in sich selbst auslösen kann …und möglicherweise auch anstreben sollte.
Kein riesiges Projekt, eher denke ich an eine allabendliche Bestandsaufnahme: beispielsweise ein Tagebucheintrag, welcher u.a. der Frage nachgeht: Wie war mein Verhalten heute, gegenüber meinen Mitmenschen und auch zu mir selbst? War ich wieder einmal lieblos unterwegs…wen habe ich unbedacht (oder mit voller Absicht) verletzt, mit wem möchte ich mich versöhnen…wen um Vergebung bitten? Wie ist es um mein Verhältnis zu Gott bestellt?

Denn wo und wie könnte christliches, ethisch-bewusstes Denken überleben, wenn nicht vor allem in uns selbst?

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Im Anfang · Ludwig Hirsch

»„Niemand kann deine Schönheit bewundern“, sprach der Teufel zu Gott in der Höh‘. Und ich hab mich selbst an die Wand gemalt, auch das kann niemand sehen! Wozu diese ewige Finsternis? Entschuldige, du Gott, ich verstehe das nicht!“ – „Du hast recht!“ rief der Herr zum Teufel und er sprach: „Es werde Licht!“

„Gut“, sprach der Teufel zum Herrn, „du hast Tag und Nacht geschaffen, doch wenn es Tag ist, wo wirst du spielen, wenn es Nacht ist, wo wirst du schlafen?“ – „Du hast recht!“ rief der liebe Gott, „du weißt, der Herr baut nie auf Sand!“ Und er nahm sich sogleich den Himmel und besetzte ihn instand.
„Gut gemacht“, sprach der Teufel“, du wohnst jetzt wie sich’s gehört. Nur der Ausblick, den du hast, der ist deiner noch nicht wert! – „Ja, bunte Blumen sollen blühen auf der Erde, ich will Farben sehen“, rief der Herr, und er schuf auch die grünen Wälder, und er schuf das blaue Meer.

„Sei gepriesen!“ rief der Teufel“, du hast ein Wunder vollbracht! Du hast die Erde da unten schöner als deinen eigenen Himmel gemacht!“ – Schöner als den eigenen Himmel? Das hörte der Herr nicht gerne, und er schmückte ihn schnell mit Juwelen, das waren Sonne, Mond und Sterne.
„Welch eine Pracht!“ jubilierte der Teufel“, Psalmen sollen erklingen, doch das Problem ist, edler Herr, es ist niemand da, sie zu singen!“ – „Dann müssen Sänger her!“ rief Gott, „die zu mir schnattern, miauen, tirilieren, die zu mir bellen, die zu mir röhren!“ Und der Herr schuf die Tiere.

„Geliebter Herr“, schleimte der Teufel“, fünf Wunder hast du vollbracht, aber fehlt nicht noch ein Wesen, nach deinem Ebenbild gemacht?“ – „Das mach‘ dir selbst!“ sprach der liebe Gott, „ich bin müde, ich will schlafen!“

Und so hat am sechsten Tag der Teufel den Menschen erschaffen.«

Der Schöpfer braucht ausgerechnet den Satan als Ideengeber?

Dies würde voraussetzen, dass Satan bereits existierte, bevor die Erschaffung des Sonnensystems begonnen wurde  – und außerdem, dass er (damals noch) ein entspanntes Verhältnis zum Schöpfer hatte…

Manchmal, etwa nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka, könnte man meinen: Tjaha, so ist es – wir Menschen sind vom Charakter her ein dermaßen unzulängliches ‚Produkt‘, dass wir nicht von einem in jeder Hinsicht vollkommenen Schöpfer erschaffen worden sein können.

Manche Gnostiker wie auch die späteren Katharer vertraten eine ganz ähnliche Ansicht: Als Geistwesen wurden wir zwar von dem Guten Gott geschaffen. Doch unsere Einkörperung ins Fleisch, also unser Erscheinen hier auf der Erde, gehe auf einen unvollkommenen Möchtegern-Gott mit einer ganz eigenen Agenda zurück, den Demiurgen.

Als Machthaber der materiellen Welt betrachteten die Gnostiker mächtige, tyrannische Dämonen, die sie „Archonten“ (Herrscher) nannten. Sie hielten entweder die ganze Gruppe für die Weltschöpfer oder wiesen diese Rolle nur dem Anführer der Archonten zu, den sie dann als Demiurgen bezeichneten. Die Seelen der Menschen  seien mit ihren Körpern verbunden worden und so in Gefangenschaft geraten. Dieses Unheil habe der Demiurg verschuldet, indem er die Seelen in die Materie gelockt und in Körper eingeschlossen habe.
Dieser Demiurg wurde nicht selten mit Luzifer/Satan gleichgesetzt – bisweilen jedoch auch mit dem rachsüchtigen, Tieropfer fordernden Gott des AT.

Persönlich glaube ich: Was am Anfang noch gut war, kann – aus eigenem (Un-)Willen oder durch geschickte, manipulative Beeinflussung – in eine ungute Richtung geschoben werden.

Auch wir Menschen.

Als Ganzes besehen, ist die Menschheit zudem nicht per se teuflisch oder böse, nicht (nur) ‚Ausfluss der Hölle‘ – sondern zutiefst widersprüchlich, förmlich hin- und hergerissen zwischen zwei Polen:
⇒ „Intelligenz und Schläue, eine Hässlichkeit, die jedoch einer gewissen
Schönheit nicht entbehrt, Bosheit und zugleich Milde“ …Furchtsamkeit und auch Freude, Lust und Selbstgefälligkeit, aber auch Beharrlichkeit und den Willen, die Welt zu verbessern…

Siehe auch:

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