Ein Brief

Vor einem Jahr (oder ist es schon länger her?) erhielt ich einen Brief.

Darin bekundete ein Leser den Wunsch, einen eigenen Artikel auf dieser Webseite zu platzieren. Darüber hatte ich mich ziemlich gefreut – und die Anfrage wurde von mir im Prinzip positiv (per Email) beantwortet.

Danach verlor ich das Anliegen aus den Augen und aus dem Gedächtnis, sie verlief im Sande.

Falls das Interesse an der Veröffentlichung auch nach so langer Zeit noch besteht, würde ich mich über eine weitere Nachricht freuen.

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Was wäre, wenn all diese Phantasien uns um die Ohren fliegen?

Es scheint, dieser Tage fange ich erstmals an, fremdsprachige Songs nicht nur zu hören und zu fühlen, sondern auch deren inhaltliche Bedeutung zu verstehen und zu durchdenken.
Dabei verfangen sich meine Gedanken an den Passagen, Zeilen, Aussagen, die auf irgendeine Weise mit meinem Leben zu tun haben…ist dies diese ‚Resonanz‘, von der Esoteriker so gerne sprechen?

Das Leben, das ist größer, größer als du
Und du bist nicht ich
Was ich alles auf mich nehmen würde…
Die Entfremdung in deinen Augen
Oh nein, ich habe zu viel gesagt
Ich hab’s vermasselt

Das bin ich dort in der Ecke, dort im Rampenlicht
Ich weiß nicht mehr weiter
Bin dabei, meine Religion zu verlieren.
Ich versuche, mit dir mitzuhalten
Und ich weiß nicht, ob ich das hinkriege
Oh nein, ich habe zu viel gesagt
Und doch nicht genug

Ich dachte, ich hörte dich lachen
Ich dachte, ich hörte dich singen
Ich glaube, ich dachte, ich sah, wie du es versuchtest

Mit jedem Flüstern einer jeden wachen Stunde
Wähle ich meine Geständnisse sorgfältig
Und versuche, auf dich aufzupassen
Wie ein verletzter, verlorener und geblendeter Depp – Depp!
Oh nein, ich habe zu viel gesagt, ich hab’s vermasselt.

Erwäge dies hier:
Sieh dies hier als den Ratschlag des Jahrhunderts an
Sieh dies als den Ausrutscher an
Der mich auf die Knie zwang, ich habe versagt
Was wäre, wenn all diese Phantasien
Uns um die Ohren fliegen?
Jetzt hab ich zuviel gesagt…

Aber das war nur ein Traum
Nur ein Traum…

Meine Geständnisse sorgfältig wählen…? Oh bitte, falls ich etwas zu gestehen habe, dann bestimmt nicht öffentlich;) Hm, das ist auch nicht die Passage, die mich eingehend beschäftigt.

All diese Phantasien…

Ja, dort stutze ich – jedesmal, wenn ich diesen REM-Song höre. Es ist, als streife mich eine unheilvolle Ahnung. ‚Losing my Religion‘ betrifft mich zwar nicht direkt …als Erwachsener war ich nie bereit (oder imstande), mich auf eine einzelne Religion festzulegen.
Gleichwohl habe ich einen Glauben, wie jeder von uns: Im Laufe des Lebens konkretisierte Vorstellungen von dem, was da noch sein könnte – größer als wir, umfassender, wissender, machtvoller. Eine übergeordnete, willentlich agierende Intelligenz, aus der wir hervorgegangen sind?

Wer zu keiner Zeit eine ultimative Gewissheit hinsichtlich solcher Vorstellungen und Überlegungen verspürt, bleibt anfällig für Zweifel – von außen, aber auch von innen (ganz ohne einen Anstoß, eine kontroverse Diskussion etc.). Einer dieser Zweifel ist genau dies: Was, wenn all diese Phantasien uns um die Ohren fliegen?
Der Songtexter scheint darin eine Gefahr zu sehen(?): What if all these fantasies come flailing around? – etwas, das über uns wie ein Dreschflegel  hereinbricht.

Tatsache ist aber: In diesem Fall würde nichts, aber auch gar nichts geschehen. Das ist es ja gerade, wir würden unseren Irrtum überhaupt nicht bemerken (können), weil wir dann bereits tot sind: Sofern sämtliche Jenseits- und Gottesvorstellungen reine Phantasien sind, existiert kein jenseitiges Leben.
(Es bliebe eventuell noch die Ausflucht zum Pantheismus, welcher das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur der Natur, des Universums verortet… es existiere in Allem was ist …alle Dinge würden von ihm beseelt.)

Aber keine Game-Welt mit Leveln und Avataren, deren ungeplante Tode vom Spieler jederzeit annuliert werden kann, indem er einen gespeicherten Spielstand neu lädt und sich nochmals der Herausforderung stellt. Naja, nicht ganz so banal, aber liegt darin nicht eine Faszination der VR-Welten, dass der ‚reale Tod‘ gewissermaßen ausgesperrt wird?

Das soll heute keiner meiner endlosen, kaum lesbaren Aufsätze werden…entscheidend ist: „diese Phantasien“ werden uns niemals um die Ohren fliegen, nicht in der Weise, dass wir etwas davon mitbekommen. Ein Grund mehr, jedem seine persönliche Überzeugung zu lassen und sich nicht deswegen gegenseitig abzuschlachten, oder?

 

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Lauter Zombies

Nee, nicht im Songtext…
sondern in dieser Einkaufspassage …da in Drottninggatan (hoffe, das ist richtig buchstabiert):

Achtlos an diesem herausragenden Interpreten vorbei zu gehen, ohne ihm auch nur für 5 Sekunden Beachtung zu schenken – woran erkennt man Zombies zielsicher, wenn nicht genau daran?

Dave Stewart – Zombie (Cranberries cover)

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Grönemeyers Kühe oder ‚Was geht ab‘?

25 Jahre meines Lebens und immer noch versuche ich,
das Ziel, diesen großen Berg der Hoffnungen zu erreichen,

auf eine Bestimmung.
Ich begriff schnell, als ich wusste, es war an der Zeit.
Dass die Welt errichtet werde für die Brüderschaft der Menschheit.
…was immer das auch bedeutet.

Und so weine ich manchmal, wenn ich im Bett liege.
Nur um alles herauszubekommen, was in meinem Kopf ist.
Und ich, ich fühle mich ein wenig sonderbar.

So wache ich am Morgen auf und gehe nach draußen.
Ich nehme einen tiefen Atemzug.
Und ich werde ganz schön high,
Und ich schreie aus vollen Kräften:
Was geht hier ab?
(Refrain)

Und ich versuche, oh mein Gott, wie ich es versuche!
Ich versuche es die ganze Zeit …in dieser Einrichtung.
Und ich bete, oh mein Gott, wie ich bete!
Jeden einzelnen Tag bete ich für drastische Veränderung.

Und manchmal weine ich, wenn ich im Bett liege.
Um alles los zu werden, was in meinem Kopf ist.
Und ich, ich fühle mich ein wenig seltsam.

Was geht da ab?
25 Jahre meines Lebens und immer noch versuche ich,
das Ziel, diesen großen Berg der Hoffnungen zu erreichen.

In meinem Fall sind es 2 mal 25 Jahre, und noch ein wenig mehr. Wie hat sich mein Blick auf das Leben seit etwa 1993 verändert? Nun, meine Hoffnungen, Sehnsüchte sowie die Suche nach Antworten auf große Fragen haben sich geordnet und teilweise relativiert.
Was ist mit Gott, der in in diesem Song so eindringlich angerufen wird, wie dies auch in meinem Leben oft geschah? Kurze Antwort: Keine Reaktion, geschweige denn ein ‚Zeichen‘.

Die wichtigere, konkrete Frage: Was ist mit uns Menschen, die wir überwiegend in unreflektiertem Trott umher hetzen und Zielen nachjagen, die kaum unsere eigenen sind? Fast jeder von uns wird zwischendurch mal wach und fragt sich: Was tue ich eigentlich? Sollte so mein Leben aussehen, von dem behauptet wird, es sei einzigartig?

Sofern mein Blickfeld nicht allzu eingeschränkt ist, bleibt es bei dem kurzen Innehalten. Anschließend verhalten wir uns wieder wie Grönemeyers Kühe:

Wir werden dosiert zensiert,
Menschen achtlos diffamiert
wie eine träge Herde Kühe
schau’n wir kurz auf und grasen dann gemütlich weiter.

Das Fernsehen redet uns tot
Pflanzen sterben an Atemnot
wir warten immer zu lange…

Wer ewig schluckt, stirbt von innen.

Herbert Grönemeyer – Jetzt oder nie (Mai 1984)

Klingt das sehr desillusioniert? Dieser Eindruck wäre der falsche, was mich angeht. Mein ‚großer Berg der Hoffnungen – „Brüderlichkeit“, Liebe, Integrität als Leitbild, als real möglicher Konsens für alle, die noch lebendig sind – bestehen weiterhin – nur habe ich inzwischen begriffen: Idealisierung und Illusionen sind halt (leider) nicht mit Wirklichkeit und Gegenwart zu verwechseln… und kaum je in Übereinstimmung zu bringen.

Falls ich in den zweiten 25 Jahren zu einer Erkenntnis gelangt bin, dann ist es diese: Die Menschen um mich herum vermag ich niemals zu verändern – nur mich selbst. Und damit habe ich genug zu tun …möglicherweise bleiben mir ja nochmals 25 Jahre dafür?

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Soziales Netz: „#KeinerTwittertAllein“

„Loneliness On The Web“ war mal!

„All unser Übel kommt daher, dass wir nicht allein sein können“, befand Arthur Schopenhauer. Doch habe ich es an den zentralen Feiertagen wenig Bedarf an lautstarken Familienaufläufen. Ein Essen zu zweit ist optimal, ansonsten reicht ein gutes Buch im Verbund mit musikalischer Untermalung meist aus, um mich zufrieden zu stellen.

Allein sein weil man es so möchte, ist etwas völlig anderes, als sich über die Feiertage und ‚zwischen den Jahren‘ einsam zu fühlen und darunter zu leiden. Ausgerechnet dann sind Hilfs- und Interventions-Angebote (z.B. die bundesweit 24/7 erreichbare Telefonseelsorge) überlaufen, zumindest zeitweise. Auch liegt nicht zwangsläufig eine Notsituation vor, wenn man etwas unglücklich ist über die kurzfristig geplatzte Verabredung mit Freunden oder den grippalen Infekt, der größere Unternehmungen unerwartet torpediert.

Unter dem Twitter -Hashtag #KeinerTwittertAllein bringt User @hipsterfitness nun Menschen zusammen – auf zweierlei Weise:

  • Wer (die Weihnachtstage und) Silvester gerne in Gesellschaft verbringen möchte, wird auf Anfrage ‚vermittelt‘, d.h. mit Personen und Grüppchen in seiner Wohngegend zusammengebracht,
  • Wer zuhause bleibt und online mit Gleichgesinnten zusammenkommen mag, ruft auf Twitter einfach den #KeinerTwittertAllein auf. Unter diesem Motto wird Musik geteilt, es ergeben sich persönliche Kontakte und ein Gefühl von Online-Gemeinschaft.

Am Rande wurde neben sinnbefreiter Trollerei auch sachliche Kritik geäußert – forciert diese Initiative womöglich noch einen gesellschaftlichen Druck, z.B. den Silvester-Abend mit vielen Leuten feiernd verbringen zu müssen? Nö. Es handelt sich ja um ein bloßes Angebot, somit wird kein Druck ausgeübt.
Mit dieser ehrenamtlichen, offenbar recht spontan ins Leben gerufenen Aktion wurde zudem ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention in der Zeit von Weihnachten bis Neujahr geleistet!

Freilich handelt es sich nicht um eine Dating-Verantstaltung – keine Partnerschaften oder ONS sollen vermittelt werden, sondern ’nur‘ Gesellschaft an exakt jenen Tagen, zu denen ungewolltes Alleinsein besonders unangenehm aufstoßen kann.

Siehe auch

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Was wohl im Kopf führender Satanisten vorgeht?

Keine Leseempfehlung wird in diesem Beitrag, so viel ist mal sicher. In meinem gelegentlich etwas unkoordinierten Stöbern stolperte ich unlängst über längere Zitate aus der sog. „Satanischen Bibel“ von A.S. LaVey. Wer unbedingt will, findet mit einer Suchmaschine mehr als genug über Autor und Werk.

Deren Verfasser folgt ziemlich genau dem, was die allgemein üblichen Klischees dem Satanismus unterstellen (abgesehen von ‚düsteren, blutigen Ritualen‘, mit so etwas befasse ich mich nicht): er vermischt clevere Halbwahrheiten mit Vernebelung. Zwei zentrale Aussagen reichen mir, um solche Texte auch weiterhin mit größtmöglicher Skepsis und Vorsicht zu betrachten:

  1. Die explizite Befürwortung von Rache (wann erwuchs daraus jemals etwas Gutes?)
  2. Die Aufforderung: „Sage deinem Herzen Ich bin mein eigener Erlöser“.
    Nein! Das kann und werde ich nicht sagen, weder in meinem Herzen noch mit meinem Verstand. Denn so viel ist klar: nur aus mir allein heraus werde ich wohl niemals das erlangen, was ich mir vage unter Erlösung vorstelle. Wie unerreichbar es mir derzeit scheint, konsequent die andere Wange hinzuhalten und Gegner zu lieben (ein Punkt, für den LaVey nur Häme und Verachtung zu erübrigen weiß), dies offenbart doch meine eigenen ‚Chancen, in moralischer und persönlicher Hinsicht noch zu wachsen’…
    Hier könnte ich mich zwar mit dem Umstand trösten, wie überaus wenige Personen dauerhaft die Kraft zu einer wahrhaft gütigen Haltung gegenüber ihren Mitmenschen aufbringen…doch was nützt mir die Schwäche der anderen, falls jeder von uns irgendwann einmal persönliche Rechenschaft abzulegen hat?
    ‚Seines Glückes Schmied sein‘ meint etwas anderes als eine rücksichtslose, notfalls auch brutale Dursetzungsmentalität.

Die ferner in diesem Text forcierte Haltung „Segen den Starken – Fluch über die Schwachen“ dürfte ein paar radikalen Neo-Darwinisten vermutlich zusagen. Doch wie definiert sich Stärke, wenn nicht situativ? Wie sähe die Welt aus, wenn nur noch wutschnaubende Gewalthaber unter sich wären? Fände deren fortgesetzter Kampf um die Spitze überhaupt jemals ein Ende?
Ein Blick auf die politische Spitze der USA im Jahr 2017 zeigt mir sehr deutlich, was ich mich sicher nicht unter Stärke vorstelle. Zugegeben, ein positives Beispiel zu benennen fällt mir nicht minder schwer…vielleicht weil ‚Stärke‘ im Sinne von Überlegenheit nicht zu den charakterlichen Kategorien zählt, über die ich mir viele Gedanken mache.

Ferner fällt auf, wie dieser Satanist LaVey den unbedingten Erfolg im Hier und Jetzt betont, aber die jenseitige Welt beiseite zu lassen scheint – ist das die alte Falle? Die Verführten wird allerlei Tand für die diesseitige Gegenwart in Aussicht gestellt (nur, sofern sie sich als hinreichend stark und rücksichtslos erweisen), damit sie möglichst wenig wenig über das Jenseits nachdenken? Klingt folgerichtig, sofern es stimmt, dass ihr ‚Fürst‘ im Jenseits letztendlich nichts zu melden haben wird.
Vor allem aber: falls der Mensch nicht nur die Religionen erfunden hätte, sondern auch alles Göttliche – woher stammt dann Luzifer/Satan? Wäre er in diesem Fall nicht gleichfalls nur eine Projektion von Wünschen, Rollenbildern und einer verdrehten Variante des Über-Ichs? Anscheinend hat LaVey etwas von Feuerbach gelesen, doch wer die Existenz eines übernatürlichen Satans als gegeben voraussetzt, kommt auch an Gott nicht vorbei.

Wie in den meisten Texten und Büchern findet sich auch diesem die eine oder andere Passage, die nachdenklich werden lässt:

„Satan als anthropomorphes Wesen mit gespaltenen Hufen, Schwanz mit Widerhacken und Hörnern, (…) als Gott, Halbgott, persönlicher Heiland oder wie auch immer man ihn nennen will, wurde von den Gründern aller Religionen der Welt nur zu einem Zweck erfunden – um über die sogenannten bösen Handlungen und Situationen der Menschen hier auf Erden zu wachen. Daraus folgte, dass alles, was zu körperlicher oder geistiger Befriedigung führt, als „böse“ bezeichnet wurde – und somit wurde jedem ein Leben in ungerechtfertigter Schuld garantiert…“

Hierüber ließe sich durchaus kontrovers diskutieren: Existieren überhaupt (Gesinnungen und) Handlungen, die ‚absolut böse‘ sind – ganz gleich aus welcher Perspektive und unter welchem weltanschaulichen Paradigma sie betrachtet werden? Möglicherweise würde ich in einem Disput mit einem geschulten Philosophen (oder Satanisten) unterliegen, doch mindestens auf der gefühlsmäßig-intuitiven Ebene beantworte ich diese Frage mit einem klaren Ja. Als Beispiel nenne ich schädigende Handlungen, die in die körperliche und/oder seelische Unversehrtheit eines Individuums, insbesondere eines Kindes, unverhältnismäßig eingreifen: Menschenopfer. Jede vorsätzliche Tötung eines Menschen außer in Notwehr/Nothilfe, einschließlich der Todesstrafe. Vergewaltigung. Sexueller Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen.

„Die sieben Todsünden der christlichen Kirche sind: Gier, Eitelkeit, Neid, Zorn, Gefräßigkeit, Wollust und Faulheit. Der Satanismus befürwortet jede dieser „Sünden“, da sie alle zu körperlicher, geistiger oder emotionaler Befriedigung führen.“

Das Vorhandensein menschlicher Grundbedürfnisse – nach Nahrung, einem Dach über dem Kopf, nach Sicherheit auch in materieller Hinsicht und sogar der bisweilen immer noch verteufelten Sexualität – keinesfalls als ‚böse‘ einzuordnen. Entscheidend für die Beurteilung menschlichen Verhaltens nach ethisch-moralischen Kriterien (ohne die eine Gesellschaft nun einmal nicht auskommt) ist, wie der Einzelne vorgeht, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Tja, und hier scheiden sich nun die Geister: das Recht des Stärkeren auf Kosten der sog. Schwachen eignet sich m.E. nicht im mindesten, um eine funktionierende Gemeinschaft zu errichten und zu bewahren. Das sieht LaVey anders, soweit ich ihn verstanden habe.
Gefräßigkeit und Faulheit vermag ich ebenfalls nicht als „böse“ einzuordnen, aber genauso wenig als erstrebenswerte Tugend – ein Drittel der erwachsenen Deutschen hat eine sog. Fettleber, was sollte daran positiv oder günstig sein?

„Satan ist mit Sicherheit der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hat sie die ganzen Jahre über am Leben erhalten!“
Diese Aussage ist schwer zu widerlegen (vgl. die Erzählung „Samaan und der Satan“, s.u.), doch was hat der Vatikan noch mit Gott und dem Inhalt der Bibel zu tun?
Aber mal ehrlich, Satan als Opfer von übler Nachrede klerikaler Kreise, echt jetzt? Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Siehe auch

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Einsteins Irrtum

Nein, nein… als naturwissenschaftlicher Laie werde ich mich hüten, die experimentell überprüfbaren Theorien Albert Einsteins in Zweifel zu ziehen. Um sich auf derart dünnes Eis zu wagen, sollte man mindestens wissen, wovon man spricht.
Es geht vielmehr um das Verhältnis Einsteins zur Quantenphysik: einerseits bildete einiges von seiner Arbeit, etwa die Erklärung des photoelektrischen Effekts, deren Grundlage; andererseits lehnte er bestimmte Deutungen der Quantenmechanik ab.

„Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist.
Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt.“

Lassen wir die humorige(?) Umschreibung für Gott beiseite – wie auch den Umstand, dass einem bei Betrachtung des Weltgeschehens mitunter genau dieser Gedanke kommen könnte: ‚ob Er bisweilen nicht doch würfelt?‘
Zudem habe ich Zweifel, inwiefern das Wesen (oder halt das ‚Geheimnis‘ im Sinne Fausts) der Gottheit sich mittels naturwissenschaftlicher Versuchsanordnungen ermitteln lässt.

Im Diskurs jedoch blieben Niels Bohr und seine Anhänger zumeist siegreich; auch aus heutiger Sicht sprechen die experimentellen Belege gegen Einsteins Standpunkt.
Die Photonenwaage war ein von Einstein entworfenes Gedankenexperiment, mit dem er die Unvollständigkeit der Quantenmechanik aufzeigen wollte. „Nach der Quantentheorie können der Zeitraum, an dem ein Quantenteilchen einen bestimmten Raum verlässt, und die Energie dieses Quantenteilchens nicht beide beliebig genau bestimmt werden. Diese „Unschärfe“ wird in der Quantentheorie durch die Heisenbergsche Unschärferelation beschrieben. Albert Einstein stellte dieses Gedankenexperiment 1930 auf dem Solvay-Kongress überraschend Niels Bohr vor.

Interessanterweise wird der scheinbare Widerspruch zwischen spezieller Relativitätstheorie und Quantentheorie durch Albert Einsteins eigene allgemeine Relativitätstheorie aufgehoben.“

„Bereits das Zusehen beeinflusst das Geschehen.“

Worum es sich bei dem ‚Quantenzeugs‘ eigentlich dreht, wird in nachfolgendem Filmbeitrag verständlich erklärt:

Einsteins Ansichten über Gott und Religion

…waren Gegenstand zahlloser Dispute. Wie dieser Beitrag auf hpd.de aus dem Jahr 2008 zu belegen scheint, nahm er eine äußerst distanzierte Haltung zu jeglicher Form von Religion ein:

  • „Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern.“
  • „Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

Siehe auch

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