Die große Stille

„…Und siehe, der Herr zog an ihm vorüber: ein Sturmwind, gewaltig und stark, der die Berge zerriß und die Felsen spaltete, ging vor dem HERRN her;
aber der Herr war nicht in dem Sturme.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben:
aber der Herr war nicht in dem Erdbeben;

und nach dem Erdbeben kam ein Feuer:
aber der HERR war nicht in dem Feuer.
Nach dem Feuer aber kam ein leises, sanftes Säuseln.
“ [1.Könige 19,11-12, Menge]

Auf YT findet sich derzeit lediglich die englischsprachige Ausgabe des Films (Into Great Silence) – was im Grunde kaum ein Problem darstellt, denn ums Reden geht es ja gerade nicht.

Dokumentarfilm (2005) des deutschen Regisseurs Philip Gröning aus dem Jahr über das Leben in dem Kartäuserkloster La Grande Chartreuse. Das dem Film vorangestellte Zitat aus dem Alten Testament finde ich ziemlich passend. Der „nachdenkliche Film berührt die geheimnisvolle Welt des Glaubens und unser Bedürfnis nach Ruhe im Gegensatz zum modernen Leben„, befanden die Juroren der Europäischen Filmakademie, die ihn zum  besten Dokumentarfilm des Jahres kürten.

Mich beeindruckt weniger das Schweigen, als die ursprüngliche Lebensweise der Ordensmitlieder – besinnlich, bewusst, und zugleich weitestgehend autark.
Diese Männer sind nicht abhängig von den Errungenschaften der Moderne, und doch scheinen sie ausgeglichen und zufrieden (soweit die besondere Situation in Anwesenheit eines Filmteams dies überhaupt erkennen lässt). Voraussetzung dazu ist freilich, dass sie diese Lebensweise selbst gewählt haben. 

Manchmal denke ich: falls wirklich ein Sonnensturm oder eine Energiekrise unser aller Leben auf den Kopf stellen würde, auf den Alltag dieser Mönche würde sich so ein Ereignis kaum auswirken. Außer sie benötigen komplexe medizinische Hilfe o.ä.