Hinweis zum Film »Der grüne Planet – Besuch aus dem All (1996)«

Habe gesehen, die Seite mit dem eingebetteten Film wurde letzthin mehrmals aufgerufen – nur war leider kein Film mehr da.

Dies wurde nun behoben. Natürlich kann man sich den Film auch direkt bei Vimeo anschauen.

Habt alle/haben Sie einen schönen Abend 🙂

 

 

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Im Anfang · Ludwig Hirsch

»„Niemand kann deine Schönheit bewundern“, sprach der Teufel zu Gott in der Höh‘. Und ich hab mich selbst an die Wand gemalt, auch das kann niemand sehen! Wozu diese ewige Finsternis? Entschuldige, du Gott, ich verstehe das nicht!“ — „Du hast recht!“ rief der Herr zum Teufel und er sprach: „Es werde Licht!“

„Gut“, sprach der Teufel zum Herrn, „du hast Tag und Nacht geschaffen, doch wenn es Tag ist, wo wirst du spielen, wenn es Nacht ist, wo wirst du schlafen?“ — „Du hast recht!“ rief der liebe Gott, „du weißt, der Herr baut nie auf Sand!“ Und er nahm sich sogleich den Himmel und besetzte ihn instand.
„Gut gemacht“, sprach der Teufel“, du wohnst jetzt wie sich’s gehört. Nur der Ausblick, den du hast, der ist deiner noch nicht wert! — „Ja, bunte Blumen sollen blühen auf der Erde, ich will Farben sehen“, rief der Herr, und er schuf auch die grünen Wälder, und er schuf das blaue Meer.

„Sei gepriesen!“ rief der Teufel“, du hast ein Wunder vollbracht! Du hast die Erde da unten schöner als deinen eigenen Himmel gemacht!“ — Schöner als den eigenen Himmel? Das hörte der Herr nicht gerne, und er schmückte ihn schnell mit Juwelen, das waren Sonne, Mond und Sterne.
„Welch eine Pracht!“ jubilierte der Teufel“, Psalmen sollen erklingen, doch das Problem ist, edler Herr, es ist niemand da, sie zu singen!“ — „Dann müssen Sänger her!“ rief Gott, „die zu mir schnattern, miauen, tirilieren, die zu mir bellen, die zu mir röhren!“ Und der Herr schuf die Tiere.

„Geliebter Herr“, schleimte der Teufel“, fünf Wunder hast du vollbracht, aber fehlt nicht noch ein Wesen, nach deinem Ebenbild gemacht?“ — „Das mach‘ dir selbst!“ sprach der liebe Gott, „ich bin müde, ich will schlafen!“

Und so hat am sechsten Tag der Teufel den Menschen erschaffen.«

Der Schöpfer braucht ausgerechnet den Satan als Ideengeber?

Dies würde voraussetzen, dass Satan bereits existierte, bevor die Erschaffung des Sonnensystems begonnen wurde  – und außerdem, dass er (damals noch) ein entspanntes Verhältnis zum Schöpfer hatte…

Manchmal, etwa nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka, könnte man meinen: Tjaha, so ist es – wir Menschen sind vom Charakter her ein dermaßen unzulängliches ‚Produkt‘, dass wir nicht von einem in jeder Hinsicht vollkommenen Schöpfer erschaffen worden sein können.

Manche Gnostiker wie auch die späteren Katharer vertraten eine ganz ähnliche Ansicht: Als Geistwesen wurden wir zwar von dem Guten Gott geschaffen. Doch unsere Einkörperung ins Fleisch, also unser Erscheinen hier auf der Erde, gehe auf einen unvollkommenen Möchtegern-Gott mit einer ganz eigenen Agenda zurück, den Demiurgen.

Als Machthaber der materiellen Welt betrachteten die Gnostiker mächtige, tyrannische Dämonen, die sie „Archonten“ (Herrscher) nannten. Sie hielten entweder die ganze Gruppe für die Weltschöpfer oder wiesen diese Rolle nur dem Anführer der Archonten zu, den sie dann als Demiurgen bezeichneten. Die Seelen der Menschen  seien mit ihren Körpern verbunden worden und so in Gefangenschaft geraten. Dieses Unheil habe der Demiurg verschuldet, indem er die Seelen in die Materie gelockt und in Körper eingeschlossen habe.
Dieser Demiurg wurde nicht selten mit Luzifer/Satan gleichgesetzt – bisweilen jedoch auch mit dem rachsüchtigen, Tieropfer fordernden Gott des AT.

Persönlich glaube ich: Was am Anfang noch gut war, kann – aus eigenem (Un-)Willen oder durch geschickte, manipulative Beeinflussung – in eine ungute Richtung geschoben werden.

Auch wir Menschen.

Als Ganzes besehen, ist die Menschheit zudem nicht per se teuflisch oder böse, nicht (nur) ‚Ausfluss der Hölle‘ – sondern zutiefst widersprüchlich, förmlich hin- und hergerissen zwischen zwei Polen:
⇒ „Intelligenz und Schläue, eine Hässlichkeit, die jedoch einer gewissen
Schönheit nicht entbehrt, Bosheit und zugleich Milde“ …Furchtsamkeit und auch Freude, Lust und Selbstgefälligkeit, aber auch Beharrlichkeit und den Willen, die Welt zu verbessern…

Siehe auch:

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Jesus – weder aus Wittenberg noch aus Rom, sondern aus Nazareth

„Was die Christen glauben, Jesus lehrte es nicht!
Und was Jesus lehrte, die Christen wissen es nicht.

Vor jeder Bewertung von Bibelinhalten und Jesus-Zitaten steht die Frage: Was war das zentrale Anliegen Jesu? Und was hat er wirklich gesagt …wie sicher können wir sein, dass ihm bestimmte, für Interessengruppen nützliche Aussagen nicht später in den Mund gelegt wurden?
Der Journalist und Buchautor Franz Alt formulierte unlängst die Kernthese: „Wenn die Kirche des Westens wieder lebendig werden will, muss sie auf die Urworte ihres Heilands hören – und der sprach Aramäisch1

Aramäisch wird – mir war dies nicht so geläufig – nicht zu den ‚toten Sprachen‘ gezählt. Die Aramäer der Gegenwart – die traditionelle Sammelbezeichnung von Angehörigen der Kirchen syrischsprachiger Tradition als „christliche Syrer“ ist missverständlich – sind Christen und die Nachfahren der antiken Aramäer. Ihre Liturgie- und Alltagssprache ist Aramäisch. In den Kirchen wird vor allem die klassisch-aramäische Sprache verwendet, die zu Lebzeiten von Jesus Christus gesprochen wurde.
Fast alle aramäischen Christen aus der Türkei, deren Anzahl früher 50.000 betrug, seien inzwischen nach Europa, insbesondere nach Schweden, ausgewandert, berichtet der verlinkte Wikipedia-Beitrag. Sie gehören verschiedenen Ostkirchen an: u.a. der Orthodoxen Kirche und der Chaldäisch-Katholischen Kirche. Die ethnischen, christlichen Aramäer und ihre Kirchen bilden seit langem die stärkste Trägergruppe der aramäischen Sprache.

Nazareth (1842, David Roberts)

Mit bestimmten Jesus-Zitaten (etwa dem Heulen und Zähneklappern – also „äußerste Pein“) hatte ich beizeiten meine Schwierigkeiten, denn diese schienen nicht zu dem Bild des gütigen Lehrers zu passen, welches ich ansonsten als Kind von ihm gewonnen hatte. Meine Zweifel stießen bei Erwachsenen auf ablehnendes Verständnis: ‚Was willst du machen, Junge, wenn es doch genau so in der Bibel steht…‘.

Sollte heißen: …dann hat der Herr Jesus das auch genau so gesagt!‘
Genau so?

Das ist eben die Frage!

Das Neue Testament wurde aus dem Griechischen übersetzt, obwohl Jesus Aramäisch sprach. Der Unterschied zwischen Jesu Muttersprache und dem Griechischen damals sei „etwa so groß wie heute der Unterschied zwischen Deutsch und Arabisch“.
Folglich war die Erkenntnis des evangelischen Theologen und Sprachforschers Dr.phil. Günther Schwarz
(1928-2009) hochbrisant: Mehr als 50 Prozent aller Jesus-Worte, die uns aus dem Griechischen überliefert sind, seien falsch übersetzt oder bewusst gefälscht.

Schwarz sah seine Lebensaufgabe in der Rekonstruktion des Originaltons der Worte Jesu, es ging ihm um «die Wiederherstellung des heiligen Textes mit allen Mitteln der Wissenschaft».
Seine Methode der Rück- und Neuübersetzung führte ihn zu folgenden Schlüssen:

  • Jesus habe alle seine Worte, Lehrgedichte und Gleichnisse poetisch geformt, wobei er aus dem AT bekannte poetische Formen wie Reim, Wortspiel, Rhythmus aufgegriffen und weiterentwickelt habe.
  • Die ursprüngliche Übersetzung aus dem Aramäischen ins Griechische sei an vielen Stellen falsch – es sei willkürlich weggelassen und hinzugefügt worden. So entstanden nach Schwarz’ These die christliche „Drohbotschaft“ mit ewiger Verdammnis, Hölle, Sündenvergebung durch Priester sowie eine Vielzahl von Ge- und Verboten. Die ursprüngliche Lehre Jesu wurde nach seiner These dabei immer mehr verschüttet und entstellt.

Zudem – für Schwarz ist Jesus nicht Gott:
„Das Wort war göttlich, niemals Gott. Doch es war leicht, das Wort göttlich in Gott zu verändern. Dazu genügte es, sowohl beim aramäischen als auch beim griechischen Wort nur einen Buchstaben zu löschen. (Anm.: Diese Änderung war eine Folge der Vergottung Jesu. Sie wurde veranlaßt durch die Lehre von der Dreieinigkeit – eine Lehre, die mit der Lehre Jesu unvereinbar ist.)“

Konkrete Beispiele für fälschliche Übersetzungen

Die Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ entspringt einem Gottesbild, welches Jesus offensichtlich fremd war:

„Und er [Jesus/Jeschu] beschrieb Gott als die Liebe in Person. Als den Gott und Vater nicht nur eines Volkes, sondern aller Menschen: der «seine Sonne aufgehen lässt über Guten und über Bösen» und der «seinen Regen herabkommen lässt auf Gerechte und auf Ungerechte» (Matthäus 5,45), dessen «Wille es ist, dass nicht ein einziger verloren gehe».

Bemerkenswert: Als einen allmächtigen, zürnenden, rächenden, strafenden, verdammenden Gott beschrieb er ihn nie. Und wo immer in seinen Worten es so scheinen mag, handelt es sich um unerlaubte tonverschärfende Zusätze, hinzugefügt, um – als falsches pädagogisches Mittel – Gottesfurcht zu erzeugen…“2
⇒ Gott wollte und will niemanden „versuchen“, dieser Part wird zumeist
Satan zugeschrieben, dem Versucher. Papst Franziskus verwirft dieses ’satanische Gottesbild‘: „Ein Vater tut so etwas nicht: ein Vater hilft, sofort wieder aufzustehen… Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Gott uns versucht.“ Franziskus‘ Vorschlag: „Und lass uns nicht allein in der Versuchung.“

In Matthäus 10,34 zum Beispiel soll Jesus gesagt haben: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“
Doch aus dem Aramäischen übersetzt Schwarz: „Ich bin nicht gekommen, um Kompromisse zu machen, sondern um Streitgespräche zu führen.“ Das passt zu Jesu Lehre der Gewaltfreiheit.

„Fürchtet euch nicht!“

Ein lesenswerter Brief aus Taizé befasst sich eingehend mit der ‚Furcht des Herrn‘: „Die Furcht bildet zunächst den Hintergrund aller Religionen.“
Wohl wahr. Gleichwohl kommt es auf den Bedeutungszusammenhang an. Bleibt es bei der „Schrecksekunde, ohne die eine Begegnung mit dem Unbekannten und Unerwarteten Gottes“ kaum vorstellbar ist? Oder wird mit zweckorientierter Absicht eine lebenslange Angst vor dem schrecklichen, strafenden Gott erzeugt?

In der Bibel sei fast niemals von solchen durch Gotteserscheinungen hervorgerufenen Gefühlsregungen die Rede, ohne dass sogleich das Wort „Fürchtet euch nicht“ dazu gesagt wird. Die religiöse „Furcht“ hat keinen Wert in sich. Sie kann nicht andauern, sondern muss dem Vertrauen weichen.4
Einverstanden – bezogen auf Leben und Lehre Jesu im NT, das einen Kontrast zu blutig-grausamen Berichte und Ankündigungen im AT bildet.

Der Terminus Gottesfurcht ist an sich schon verwirrend. Zum Vergleich eine Aussage aus dem 1. Kapitel der Sprüche (Unterweisung in der Weisheit) in zwei unterschiedlichen Bibelübersetzungen:

  • «Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Weisheit und Zucht verachten nur die Narren.» (Spr 1,7 ELB)
  • «Den Herrn ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit.» (Spr 1,7 GNB)

Mit der GNB-Übersetzung kann ich (an dieser Stelle) gut leben, denn Ernsthaftigkeit, Respekt und Ehrfurcht gegenüber Gott habe ich als etwas Selbstverständliches verinnerlicht. Doch insbesondere Teile des AT gehen weit darüber hinaus: die Menschen, ganz besonders den ‚Gottlosen‘ sollen nackte Angst vor diesem rächenden, strafenden, eifersüchtigen Himmelsherrscher (vorherrschendes Gottesbild im AT) empfinden und dadurch zu unterwürfigem Gehorsam und Glauben gelangen.
Erst in späteren Zeiten wurde Gottesfurcht nicht länger als „Furcht im Sinne des Schreckens oder ängstlichen Eingeschüchtertseins“ verstanden, doch: auch das AT mitsamt den enthaltenen Grausamkeiten ist weiterhin verbindliche Glaubensgrundlage.

Und seien wir doch bitte ehrlich: ein ‚gesundes‘ Maß an Einschüchterung – gegenüber Gott sowie dem Klerus – war und ist der Leitungsebene der RKK dienlich. Schon deshalb müsste sich auch Franz Alt und Günther Schwarz die Frage gestellt haben:

Ist ein konsequenter Verzicht auf die traditionelle Drohbotschaft denkbar?

Eben daran zweifele ich, insbesondere große Teile der katholischen Kirchenführung betreffend. Denn was bliebe vom Markenkern, also von dem, was das Katholische typischerweise kennzeichnet und und unterscheidbar macht, würden alle nicht aus dem NT (im aramäischen Original) ableitbaren Einschüchterungen und Drohungen aus der offiziellen Kirchenlehre gestrichen?

Dabei ist zu bedenken: den theologischen Grundsatz sola scriptura („allein durch die Schrift“) macht sich die Römisch-Katholische Kirche ausdrücklich nicht zueigen! Handelt es sich doch um ein wesentliches Element der Lehren Martin Luthers und der reformatorischen Theologie, wonach nach dem die Heilsbotschaft hinreichend durch die Bibel vermittelt wird und keiner Ergänzung durch kirchliche Überlieferungen bedarf. Sogar mir als kritischem Ex-Katholiken leuchtet ein: ein Verzicht auf sämtliche nicht unmittelbar biblischen Lehraussagen und Traditionen würde die RKK entweder in ihrem Bestand gefährden oder zu einer neuerlichen Kirchenspaltung führen.

Dass sich das kirchliche Lehramt als allein zuständig und autorisiert zur rechten Auslegung der Bibel erachtet, liegt in seiner Natur. Nur, eine Antwort auf fehlerhafte Übersetzungen und verfälschende Eingriffe in den Text der Evangelien wird damit freilich nicht gegeben (siehe auch Anmerkung A).
Ein Umbau der Kirchenlehre ist auch vom Selbstverständnis des unfehlbaren Papsttums und der ebenso fehlerfrei erachteten Dogmatik praktisch nicht durchführbar.

Löst man sich aus der deutschen Innenansicht von Kirche, so zeigt sich: In weiten Teilen der Welt, beginnend schon in Italien und Polen, lebt die RKK doch recht gut von und mit der Einschüchterung. Auch hat es den Anschein, als wünschten viele praktizierende Katholiken in solchen Regionen nichts weniger als eine schriftgetreue Liberalisierung der kirchlichen Theologie und Morallehre.

Zumal Schwarz, den F. Alt mehrfach zitiert, noch weitergeht und auch den Gründungsmythos des römisch-katholischen Papsttums entzaubert: „der so genannte PrimatstextB (Mt 16,18-19) ist das Ergebnis einer gezielten Textfälschung“. Gemeint ist die berühmte Stelle über den Apostel Petrus: Er sei der Fels, auf den der Herr seine Kirche baue. Doch auf Aramäisch berichtet der Evangelist Matthäus, Gott habe dieses Wort direkt an Jesus gerichtet:

„Dies ist er, mein Sohn, mein Einzigartiger. Er, an dem mein Selbst Wohlgefallen hat. Gehorcht ihm! Denn er ist der Fels, auf diesen Felsen werde ich meinen Tempel bauen […]. Ihm werde ich die Schlüssel geben zur Himmelsherrschaft. Wem er zuschließen wird – ihm soll zugeschlossen sein. Und wem er aufschließen wird – ihm soll aufgeschlossen sein.“2

Ein Himmelswort an Jesus wurde also zu einem Jesus-Wort an Petrus umgedichtet, auf dem dann das Papsttum aufbaute. Gründet sich das päpstliche Primat somit nicht auf eine Fälschung?. Selbst Papst Franziskus scheine das erkannt zu haben, er erklärte am 22. Februar 2018, nicht Petrus sei der „Fels“, sondern Jesus.
Wird nun die RKK ihren schlimmsten Entwicklungsfehler, die Entstehung des absolutistischen, primär auf Machtzuwachs und -erhalt angelegten Papsttums korrigieren? Bei aller Wertschätzung für den derzeitigen Amtsinhaber, damit ist vermutlich nicht zu rechnen…

Damit nicht genug – es wird noch unerhörter und schwerer erträglich für eine Institution, die materiellen Besitz und Zugewinn ganz eindeutig in ihr Kerngeschäft integriert hat:

«Es ist unmöglich, dass ihr Gott und dem Geld dient!»
„Dass Jeschu [Jesus] diesen Gegensatz so unerbittlich scharf formulierte, dafür muss es Gründe gegeben haben, wahrscheinlich persönliche Erfahrungen. (…)eine akute Auseinandersetzung mit einigen seiner Zuhörer, die der Auffassung waren, sie könnten Gott und dem Geld dienen; Zuhörer, denen er bewusst machen wollte, dass sie falsch dachten und darum auch falsch handelten.“2

Vielleicht besaß er auch den Weitblick, dass wenige Jahrhunderte später diese Aussage noch an Relevanz gewinnen würde …sobald die Geldgier zusammen mit der Machtgier auftrat.

Lauter heiße Eisen, deren konsequente Beachtung an die Substanz der organisierten und kommerziell hochaktiven Kirchen-Institutionen ginge.  Folgerichtig hat die theologische Fachwelt die von Dr. Schwarz gewonnenen Ergebnisse bislang praktisch nicht zur Kenntnis genommen – eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den wiederhergestellten Textteilen habe „bis heute, soweit ersichtlich, nicht stattgefunden“.3

Die Auswirkungen des ‚weiter so‘ sind freilich zweischneidig:
„…die Kirchen leiden darunter, dass …sie unglaubwürdig sind; vor allem deswegen, weil sie nachweislich, ohne es zu wollen, anders lehren als Jeschu gelehrt hat; und zwar ohne dass die Kirchenführer diesen Tatbestand als den eigentlichen Grund ihrer Misere erkennen.“2
Klingt fast so, als würde der Klerus zumindest die eigenen Lehren konsequent befolgen – leider trifft auch dies vielfach nicht zu.
Die

Lag Dr. Schwarz nun mit all seinen Ausführungen und Thesen richtig?

Dies kann ein Laie wie ich nicht beurteilen, sorry. Weder bin ich der Alt-griechischen Sprache mächtig noch des Aramäischen; man müsste aus beiden Sprachen verlässliche Übersetzungen anfertigen können, um das Werk von Günther Schwarz zu prüfen und zu verifizieren. Möglicherweise liegt hierin auch ein (weiterer) Grund für die Zurückhaltung der Fachtheologen – wie viele von ihnen besitzen heute noch fundierte Kenntnisse in beiden Sprachen?

Gleichwohl fügt sich das bei Schwarz Les- und Lernbare recht nahtlos in meine sonstigen Wissensfragmente über das frühe Christentum und die Entstehung von imperialer Kirche/Staatsreligion im römischen Reich sowie des Papsttums ein. Oder anders formuliert: als interessierter Laie finde ich da jedenfalls keine großen Widersprüche. Lediglich mein Bild von der Person Jesu habe ich korrigieren dürfen – selbiges ist nun ein gutes Stück positiver und weniger widersprüchlich.

Quellenangabe

  1. Christentum: „Frohbotschaft statt Drohbotschaft„, Franz Alt auf Zeit online
  2. Günther Schwarz – „Worte des Rabbi Jeschu„,
  3.  Webseite über das Lebenswerk des evangelischen Theologen und Aramäischforschers Dr. phil. Günther Schwarz (1928-2009): Wiederherstellung des geistigen Vermächtnisses Jesu
  4. Die Gottesfurcht – Brief aus Taizé 2004/4

Siehe auch

  • Frohbotschaft statt Drohbotschaft, Norbert Scholl
    Die biblischen Grundlagen des Kirchenvolks-Begehrens 1997 (Soweit ich weiß, wurde die längst zum geflügelten Wort gewordene Forderung nach Abkehr von Drohbotschaft und Angsterzeugung durch Theologie und Kirchenlehre erstmals in diesem Begehren so klar formuliert.)

Literaturhinweise

Anmerkungen

A – Die römisch-katholische Kirche reagierte auf die Forderung „sola scriptura‘ während dem Konzil von Trient (1545–1563) mit einer Präzisierung ihrer Schriftlehre. 1546 wurde ein Dekret verabschiedet, demzufolge die göttliche Wahrheit nicht allein in der Schrift, sondern in der Verbindung von Schrift und Tradition zu finden sei – begründet in Joh 16,13). Damit wurde die rechte Auslegung der Bibel durch das kirchliche Lehramt bekräftigt, da nur so das Wirken des Heiligen Geistes als sicher gelten könne. Die Bibel selbst erlange ihre Autorität erst durch die Kirche, die ja auch älter sei als die Bibel (wedelt da nicht der Schwanz mit dem Hund?). Das kirchliche Lehramt habe den Bibelkanon festgelegt, was ebenfalls die Autorität der Kirche über die Bibel zeige.

B – Die herkömmliche Übersetzung von Mt 16,18-19 lautet (hier in der ELB-Fassung): „Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“

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„Armagadd-on“ – wer hat den Firefox-Browser kaputt gemacht?

Gestern (4.5.2019) fing am Abend der Firefox an zu spinnen – ohne mein Zutun: nahezu alle Addons waren auf einmal deaktiviert. Mich überrascht immer wieder, wie wenig ich auf meinem eigenen Rechner noch zu bestimmen habe. (Diese Zusatzprogramme unterstützen Nutzer, sie können nach Belieben in den Browser integriert werden – für mich wichtig sind Sicherheits-Elemente wie NoScript, durch die Zugriffe, Tracking und ggf. Datenklau durch nicht autorisierte Drittanbieter weitgehend abgewehrt werden können.)
Ursache: ein digitales Zertifikat ist (anscheinend unbemerkt von der Mozilla-Entwicklertruppe) abgelaufen, das für Unbedenklichkeitsprüfung der Add-ons relevant ist.
(Oder handelt es sich um eine subtile Machtdemonstration? Eher nicht, denn der Marktanteil von Firefox ist seit 2008, also seit dem Start von Google Chrome, mächtig geschrumpft.)

Wichtig in diesem Zusammenhang: jetzt bloß nicht in Aktionismus verfallen: nicht die vermeintlich ungültigen Add-ons entfernen und auch keinen Ersatz installieren!
Statt dessen: „einfach abwarten“, auch wenn gerade das nicht ganz leicht fällt. Denn Mozilla arbeitet an einem Hotfix, welches diesen Bug behebt und die Add-ons wieder gültig schaltet. Dazu braucht der Anwender normalerweise nichts zu tun – sofern automatische Updates nicht deaktiviert sind.

„There are a number of work-arounds being discussed in the community. These are not recommended as they may conflict with fixes we are deploying. We’ll let you know when further updates are available that we recommend, and appreciate your patience.“

Nähere Informationen dazu:

Soweit es mich betrifft, wurde der Fehler quasi über Nacht durch ein Update behoben, bis auf weiteres sind alle Zusatzprogramme wieder aktiv.

Merkwürdig: wie abhängig manch einer doch vom Internet ist und welche Nervosität sich weltweit breitmacht, sobald der für selbstverständlich gehaltene Zugang zum Web plötzlich nicht so klappt, wie man es doch gewohnt ist.
Viele von uns haben weitere Browser installiert – z.B. Opera oder Chrome – auf die sie jederzeit ausweichen können. Doch wenn ein englischsprachiger Anwender bekundet, Mozilla habe sein Wochenende ruiniert, gibt das schon zu denken: was fangen wir mit unseren Leben eigentlich an bzw. wie gestalten wir unsere freie Zeit, wenn ein kurzzeitiger Browserdefekt einige User schon dermaßen aus der Bahn wirft?
Sicherlich hängen vom intakten Browser etliche Aktivitäten ab, Filme über Streaming-Dienste wie Netflix gucken oder online Musik hören zu Beispiel. Ist derlei auf einmal nicht mehr möglich, darf man sich schon ein wenig ärgern …aber bricht deswegen gleich die heile Welt zusammen?

 

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Zwei Musikstücke von Abel Korzeniowski

Melde mich nach längerer Abwesenheit (existiert eigentlich ein spezielles Fegefeuer für Hacker und Spammer? – vielleicht mit PC- und Internet-Verbot? Mein Mailaccount ist immer noch mausetot) kurz zurück, um ein Musikstück zu teilen, das sogleich meinen Nerv getroffen hat:

Closer Than Sisters von Abel Korzeniowski (u.a. im Soundtrack zur Serie Penny Dreadful zu finden):

Beim Anhören etlicher Stücke von A. Korzeniowski fiel mir nebenbei auf: allzu schwermütig darf „es“ (Musik,Literatur, Filme…) für mich auch nicht sein. Einseitige Traurigkeit, die einen immer tiefer in den Depri-Modus hinab zieht, ‚packt‘ mich nicht (wie auch ein unablässig-ausgelassener, noch dazu lautstark-grell vorgebrachter Glückstaumel mich unberührt lässt).
Sanftheit und Wehmut, gepaart mit einem gehörigen Schwung Sehnsucht und einem winzigen Hauch Hoffnung, das ist eher was. Ein Stück wie „Closer Than Sisters“ trifft meine Wellenlänge haargenau – langsam, besinnlich, auch eine fühlbare Traurigkeit, jedoch ohne jene erstickende Hoffnungslosigkeit und ganz sicher frei von Aggression.

By the way, gleich noch so ein schönes Klangwerk:

Street Horse Smell Candle – Abel Korzeniowski

Wer noch immer nicht genug hat … → Vanessa‘ Dream.

Die Horrorserie Penny Dreadful, eine lebhaft-kreative Vermischung fiktionaler Figuren aus dem 19. Jahrhundert der irischen und britischen Literatur wie Dorian Gray, Bram Stokers Dracula, Frankenstein sowie Jekyll & Hyde, wird kaum jedermann begeistern. Selbst fand ich manches daraus recht unterhaltsam, den Soundtrack hingegen mag ich immer wieder anhören.

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Nein, keine Scheibe

Für gewagte Thesen (etwa zu → Oumuamua, Komet oder »Raumsonde einer außerirdischen Intelligenz «) vermag ich mich durchaus zu begeistern – aber  mit kritischer Distanz und nur solange, wie solche Mutmaßungen nicht im offensichtlichen Gegensatz zu offensichtlich Erfahrbarem stehen. Ein Mindestmaß an Plausibilität muss schon gegeben sein (darum kann ich auch mit untoten Kreaturen nichts anfangen und fürchte mich nicht wirklich vor einer Zombie-Apokalypse). Allerdings finde ich solche Ratschläge (in Bezug auf die Zombies) eher bedenklich: „Gehen Sie kein Risiko ein und zögern Sie nicht zu schießen! Grundsätzlich ist jeder verdächtig, der torkelt, humpelt und keinen menschlichen Laut von sich gibt. Lassen Sie diese Wesen nicht zu nah auf sich zukommen und benutzen Sie sofort Ihre Waffe.“ Wer so ziemlich alles glaubt und ernst nimmt, könnte auch geneigt sein, solchen Tipps umgehend Folge zu leisten…)

Zu viel Emotion schadet da eher – man sollte schon bereit sein, sich von einer Mutmaßung zu verabschieden, sobald objektive, unwiderlegbare Gegenargumente präsentiert werden, welche auf Fakten basieren.

  • Merkur – kugelförmig (meinetwegen auch kartoffelförmig, aber ein rundliches Objekt mit Volumen…)
  • Venus – Kugel
  • Erde – eine flache Scheibe???
  • Mars – Kugel
  • alle Monde im Sonnensystem – Kugeln

Das passt einfach nicht.

Wer schon einmal in einem Langstrecken-Flieger saß, kann aus eigener Anschauung sagen: sie ist kugelförmig. Hinzu kommen Fotos von etlichen NASA-Missionen… aus einer Zeit, zu der manipulative Bildbearbeitung in großer Zahl schlicht unwahrscheinlich war)

Über die Scheibenform der Erde zu spekulieren, ist in meinen Augen schlichte Zeitverschwendung. Gleichwohl sehe ich wenig Anlass für Spott und Häme, sich wegen grobem Unfug richtig  in die Haare zu kriegen, ist nicht sehr klug…

Die Flat Earth Society ist eine 1956 gegründete Organisation, die trotz naturwissenschaftlicher Gegenbeweise die Ansicht vertritt, die Erde sei flach.
Geschichte und Gegenwart

Samuel Rowbotham (1816–1884) gründete eine Bewegung zur Propagierung dieser Ansicht. Ihn leitete dabei die Überzeugung, bestimmte Stellen der Bibel würden aussagen, die Erde sei flach.
Rowbotham behauptete, die Erde sei eine flache Scheibe mit dem Nordpol im Zentrum und mit einem Eiswall am Rand. Die Sonne sei weniger als 4000 Meilen von London entfernt.

“Warum beschäftigst du dich mit solchem Blödsinn?

Aus einem einzigen Grund (und auch nur ganz, ganz kurz…versprochen ;): auch in meinem Umfeld finden sich Flatearther…nur sehr wenige zwar, doch ich war durchaus verblüfft. Mit überheblicher Mine abwinken? Kann man natürlich machen, bloß, in erster Linie fühlte ich Bedauern darüber, in welchen Untiefen des Nichtwissens man sich bis heute dauerhaft verfangen kann.

Nun ist aber Schluss damit, ich muss noch mein Einhorn füttern und Zutaten für die Flugsalbe sammeln…

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Der Gott aller Menschen – religiöser Universalismus

Bezug:  Der Gott aller Menschen – Chancen des religiösen Universalismus,
Peter Strasser

Pro multis?

Pro multis (Für viele) ist ein Teil der lateinischen Wandlungsworte in der katholischen Messfeier: „qui pro vobis et pro multis effundetur in remissionem peccatorum“ (dt.: Dies ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden). Papst Benedikt XVI. ordnete im April 2012 in einem Schreiben an die an die Mitglieder der deutschen Bischofskonferenz an, dass „pro multis“ statt mit den Worten „für alle“, mit „für viele“ übersetzt werde. (Vgl. → Mt 26,26-28)

Was auf den ersten Blick als spitzfindiges Kleinklein über eine Frage zur korrekten Übersetzung der Bibel erscheinen mag, hat einen ernsten Hintergrund: Der Ausdruck „für viele“ gebe auch die Tatsache wieder, dass die Erlösung nicht in einer „mechanistischen Weise“ verstanden werden dürfe: „Christus stirbt jedoch nicht für alle, sondern nur für viele in dem Sinn, dass nicht allen tatsächlich die Sünden vergeben werden. Nicht alle erlangen effektiv das Heil. Zu Christi größtem Schmerz gibt es Menschen, an deren Seele sein Opfertod nicht wirksam wird (eingeschränkte Heilswirksamkeit).2
Andernfalls bliebe die ‚Hölle‘ wohl leer, was nicht jedem Theologen behagen will.

Mit dieser Anordnung – getreu dem konservativ-päpstliche Motto Extra ecclesiam nulla salus – „Kein Heil außerhalb der Kirche“ – wandte sich Benedikt ein weiteres Mal entschieden „gegen den Modernisierungseifer“ all jener Christen, die sich Laienplattformen wie „Wir sind Kirche“ verbunden fühlten“1.
Dieser Exklusivismus, Instrument sowohl zur theologischen Abgrenzung von anderen Religionen als auch zur dogmatischen Ausgrenzung aller Anders- und Nichtgläubigen wie auch derer, die ’nicht kirchentreu‘ sind – basiert auf der subjektiven Vorstellung, die eigene Konfession sei „die einzig wahre, richtige oder heilbringende“ und andere Glaubensrichtungen hätten keinen Anteil an heilsentscheidenden Wahrheiten.

Nun gibt der österreichische Philosoph Peter Strasser zu bedenken, die Zukunft des Christentums werde sich daran entscheiden, „ob es gelingt, glaubhaft zu lehren und zu leben, dass die christliche Gottesvorstellung tatsächlich dem Gott aller Menschen verbunden war und bleibt“.
Demnach lasse sich das dogmatische Aussage, nur innerhalb der Kirche sei (voll wirksames) Heil zu erlangen, als ein „Angriff auf das innerste Wesen des [Ur-]Christentums“ auffassen. (Bereits hier zeigt sich: Strasser differenziert zwischen dem von Jesus begründet Christentum und der römisch-katholischen Lehre.)
Das eigentliche Wesen des Christentums liegt für ihn im religiösen Universalismus. Aus der Lehre Jesu lasse sich aus dem „für viele“ eben kein kategorisches, befehlendes Dogma im Sinne eines ausschließenden „aber nicht für alle!“ ableiten.

Kein Machtanspruch Jesu, sondern der Verzicht auf einen solchen

Das jesuanische Christentum habe in seiner ursprünglich eschatologischen (‚auf das Jenseits blickenden‘) Ausrichtung, keinen Wert darauf gelegte, die Welt zu erobern. Vielmehr wurde das Ende aller Tagein einem „agonale Weltgefühl zwischen Verzweiflung und Heilserwartung“ als nahe bevorstehend erwartet:
„…Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“ (Mt. 10, 5–7)
(Jesus weiter: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel.“ Auch diese Mahnung scheint im Umfeld der institutionalisierte Religion etwas in Vergessenheit geraten…)

Oswald Spengler ging so weit, dass er in seinem „Untergang des Abendlandes“ aufgezeigt, wie falsch es war, die Haltung Jesu als „moralischen Imperativ“ zu interpretieren. Die Moral Jesu sei vielmehr ein „als heilkräftig empfohlenes Verhalten, dessen Kenntnis als eine besondere Gnade verliehen wird“. Für Spengler sei Jesu Heilsbotschaft eine geheimnisvolle Wohltat, die man „erweist, nicht aufdrängt“.

Spengler: „Die christliche Mission ist in ihrem Wesenskern beinahe immer missverstanden worden. Aber das Urchristentum, die magische Religion des Stifters, dessen Seele dieser brutalen Aktivität ohne Takt und Tiefe gar nicht fähig war, ist erst durch die hellenistische Praxis des Paulus – bekanntlich unter schroffstem Widerspruch der Urgemeinde – in die lärmende städtische demagogische Öffentlichkeit des Imperium Romanum hineingezogen worden.“
Jesus habe Fischer und Bauern an sich gezogen, wohingegen Paulus der „großstädtischen Form der Propaganda“ zuwandte.“3

(Exakt in dieser Weise nehme ich die Entwicklung des frühen Christentums wahr, welches sich in dem Maße von seinen Wurzeln und seinem Urheber (= Jesus und nicht etwa dieser Paulus) entfernte, wie es sich an die Machthaber im Imperium Romanum anlehnte und bald mit ihnen kungelte.)

Strasser knüpft hier an: das jesuanische Christentum sei maßgeblich umgeformt worden, um es den griechischen und römischen „Heiden“ nahe bringen zu können – wobei die Prediger anfänglich noch darauf verzichteten, das Evangelium mit Drohgebärden aufzudrängen oder gar mit Gewalt durchzusetzen.

Spätestens mit dem ersten Konzil und der Vereinnahmung durch die römischen Kaiser zeige sich „eine grundlegende Veränderung der Glaubensatmosphäre, hin zum Totalitären“. Die Bekämpfung der Arianer, die Verdammung ihrer Position stehe exemplarisch für den nun erhobenen Absolutheitsanspruch:
Mit der Dogmatisierung des Glaubens wähnt man sich nun „im Besitz der einen, einzigen Wahrheit –; es wird darüber hinaus der Bekehrungsauftrag als einer verstanden, der gottgewollt mit allen Mitteln durchzuführen sei“1.
Die Kirche verband sich mit der weltlichen Gewalt, bediente sich ihrer und ließ sich von ihr benutzen – ein drastischer Abschied vom sanften Geist ihres Gründers.

Allerdings – und „das eben ist die Ironie und Weisheit der Geschichte“ –, wäre das Christentum dem Vorbild Jesu konsequent treu geblieben, hätte es sich kaum gegenüber der nicht minder aggressiven religiösen Konkurrenz behaupten können.
(Ist dem so? In ersten drei Jahrhunderten waren Christen grausamsten Verfolgungen ausgesetzt, das ist wahr, doch lebte es unter härtesten Bedingungen im Untergrund weiter. Ohne die Erhebung zur Staatsreligion und die einhergehende dogmatische Vereinheitlichung würde sich das Christentum wohl nicht über die gesamte bekannte Welt ausgebreitet haben – doch wäre es ganz untergegangen? Oder hätte es als weitgehend verborgene Kostbarkeit weitergelebt?)

Der moralische Anspruch und seine fragliche Berechtigung

Nun wendet sich Strasser einer hochaktuellen Frage zu: Mit welcher Berechtigung stelle das westliche Christentum heute noch einen spirituellen und moralischen Anspruch?
Hat es sich denn nicht mit dem Blut der Religionskriege [sowie der Ausrottung von Abweichlern] besudelt, ist es nicht schon längst in das Lager des Erzfeindes übergetreten…?

Tatsache ist: diese behauptete moralische Instanz wird zunehmend in Zweifel gezogen, was gegenwärtig weniger der historischen Belastung als dem Verhalten des klerikalen Personals geschuldet ist. Was spräche dagegen, zum Geist des Urchristentums zurückzukehren und die Abkehr „von dem, was daraus geworden war“ in einer radikalen Wende zu vollziehen?
(Sobald das Christentum bzw. das Religiös-Spirituelle allgemein als moralgebende Instanz abgelehnt wird, erweitert sich der Fokus dieser Frage. Worauf überhaupt beruht jeder Versuch, moralisches Fundament zu begründen und zu rechtfertigen?
Die unverletzliche Würde eines jeden Menschen lässt sich nicht leicht gegenüber einer Position behaupten, die mit David Hume den Standpunkt vertritt ‚alles Ethische ist subjektiv‚. Mir fällt in meinem ganzen Halbwissen nur das Naturrecht in seiner säkularen Ausprägung ein, das einen ‚autonomen Werterationalismus‘ abseits religiöser Grundwerte allein von der Erkennbarkeit durch menschliche Vernunft herleitet. → Vgl. Vernunftrecht)A

„Ethische Anerkennung setzt die Erkenntnis eines natürlich Guten voraus.“1

An dieser Stelle, so Strasser, werden wir religiös sensibel. „Werte sind nicht die Wirkungen irgendwelcher Naturgesetze; sie sind vielmehr … ontologisch gestiftet“. Damit stelle sich vehement die Frage nach dem Willen des „Stifters“, also Gottes.
Strassers Antwort auf die Frage nach dem ethischen Anspruch ist nun hochinteressant: Das Christentum sei schrittweise zum Träger eines Universalitätsgedankens geworden, eng verzahnt mit den Kräften des Humanismus und der Aufklärung.

Hingegen habe sich das das Credo quia absurdum (lat. „ich glaube, weil es unvernünftig ist“)  – jene Haltung, wonach christlicher Glaube nur im diametralen Widerspruch zur Vernunft echt und plausibel sei, weil Menschwerdung, Kreuzestod und Auferstehung des ewigen Gottessohnes einem vernünftigen Gottesbegriff widersprächen – nicht wirklich durchgesetzt.

Je absonderlicher, vernunftwidriger das Ereignis, umso glaubwürdiger die Zeugenschaft? Ich weiß nicht… für eine Sekte mag diese Position zweckmäßig sein, um sich nach außen abzuschotten und den Zusammenhalt nach innen zu festigen – aber für eine Weltreligion, die sich nach zähem Ringen sogar der neuzeitliche Naturwissenschaft (Abkehr vom geozentrischen Weltbild, Einbeziehung der Evolutionslehre etc.) öffnete, öffnen musste? Mag sein, mir fehlt hier der philosophische Tiefgang, doch die ausdrückliche Hinwendung zum vermeintlich Absurden erscheint mir als Sackgasse. Vielleicht liegt hier der zentrale Irrtum Joseph Ratzingers, der in seiner Jesus-Biografie auf dieses Argumentationsmodell vom ‚glaubbaren Skandal‘ bemühte, um die Jungfrauengeburt und die Auferstehung Jesu als historische Fakten zu vermitteln.

Eine Überzeugung, das von Jesus gelehrte und gelebte Christentum sei keine regionale, sondern eine universelle Heilsreligion, lasse sich auf Tugenden gründen, die über rein säkulare Ethik hinausreichen und zum „Kernbestand der christlichen Moral“ zählen: Nächstenliebe und Barmherzigkeit – die nicht nach dem Ansehen der Person fragt, sondern allein die Pflicht kennt, dem in Not geratenen Menschen helfend beizustehen.

„Barmherzig zu sein, ist eine Einstellung,
die nichts weiter sieht als die leidende Kreatur.“1

Die Verpflichtung zu Caritas (Nächstenliebe) und Misericordia (Barmherzigkeit) erwachse aus einer persönlichen Verantwortung gegenüber dem Schöpfer und weise daher daher Bedenken zurück, die sich aus zweckrationalen und an (Er-)Folgen orientierten Betrachtungen ergeben.

Jener christliche Universalismus wirke insoweit richtungsweisend: „Die wahre Moral ist demnach notwendig eine gottgefällige und kann als solche nur eine für alle Menschen sein. Das Gute ist gut in allen möglichen Welten.“ Der Mächtige, der Angehörige einer Elite besitzt keine größere Würde und hat in diesem Kontext kein größeres Recht als der Schwache und Wehrlose. Wenn alle Menschen nach Gottesebenbild von Gott geschaffen wurden, kommt ihnen allen auch das gleiche (Grund-)Recht zu.

Szenarien für die Zukunft des Christentums

Der Blick auf die Wirklichkeit… weckt freilich abweichende Eindrücke: Als sei „The Devil’s Party im Gange“, begegnen wir auf Schritt und Tritt unvorstellbarem Leid, das nicht selten daraus entsteht, was Menschen ihresgleichen antun. Gott scheine die Menschen verlassen zu haben, so viele Gebete auch zu ihm aufsteigen mögen. (Vgl. „Theodizee – Gott und das Leid vieler Menschen„).

Vor dem Hintergrund dieser globalen Wirklichkeit sieht Strasser die bedrängende Frage nach der Zukunft des Christentums. Je mehr wir über die Natur wissen, um so schwerer hat es jede Form von Religion, die ihrem Wesen nach ohne das Übernatürliche und Jenseitige nicht auskommt, nicht auskommen will. Das Leben Jesu ist voll von Wundern.
Der großartige Bogen, gespannt von der Genesis (‚Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde, alle Geschöpfe und zuletzt den Menschen‘) über Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu bis zu seiner prophezeiten Wiederkehr am Ende der Zeiten – sowie die Zusage einer Erlösung „nicht an alle, aber doch an viele“ (s.o.) – all dies nehme heute vielfach den Charakter eines Gleichnisses an.

Aber eines Gleichnisses wofür? – Worin besteht die Substanz, in einer „inneren Wahrheit“ des Christentums?
Was von den wundersamen Erzählungen und Verheißungen, welcher Kern der in Traditionen überlieferten und neu erfundenen Rituale erlangt einen objektiven Wahrheitscharakter?
In der Tat, jede dieser Fragen offenbart eine Krise: „Für den Glauben an ein echtes Wunder fehlt heute, in der Epoche des Naturalismus, die ontologische Basis, mithin jenes Seins-Verständnis, das ein unmittelbares Einwirken Gottes auf die Welt glaubhaft scheinen ließe“.1

Strasser sieht das Christentum vor dem Problem, dem Druck der Verweltlichung nachgeben zu müssen – zumal sich innerhalb unserer Kultur kaum noch Stärkungen des Glaubens finden (außer an den zunehmend extremen Rändern, die sich in einem reaktionären Fundamentalismus einrichten, der sie zusehends von der Gesellschaft forttreibt…wohl wahr, Pius-Brüder und Legionäre Christi werden das Christentum kaum retten).

Ferner Laien wollten sich einen Reim auf das biblische und konventionell-religiöse Lehrangebot machen dürfen.

  • Das neofundamentalistische Szenario
    Auch im liberalen Westen sei damit zu rechnen, dass – nicht zuletzt im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Islam – sich die christliche Glaubenspraxis wieder verhärtet: „Mehr Bibeltreue, mehr liturgischer Ernst …und stattdessen die Befreiung Gottes aus den Fesseln einer menschgemachten Moral, einer glaubensindifferenten Humanität!“ Damit könnte auch die Religions- und Bekenntnisfreiheit unter Druck geraten.
    Für Strasser liegt darin ein Irrweg, zumal die blutigen Fehden zwischen den Religionen (und Konfessionen) dadurch neu aufzuleben drohten. Zudem, das breite naturwissenschaftliche Wissen ist sicher nicht auf dem Rückzug und die vermeintliche ‚Wohnungsnot Gottes‘ nimmt eher zu.
  •  Als Alternative: das ‚universalistische Szenario‘
    Der Glaube an den Gott aller Menschen erhalte eine echte Chance, indem die im liberale Richtung des Westens seit Langem entschieden weiter verfolgt werde: gute Werke zu tun im Geiste der Goldenen Regel (⇒ Caritas und Misericordia), „welche den wahren religiösen Universalismus aus persönlichem Bekenntnis repräsentieren“.

Fazit

Sofern wirklich nur diese beiden Alternativen bestünden, wäre ein Rückfall in Verhärtung und Feindlichkeit sicher nicht die passende Antwort, um die Zukunft des Christlichen zu sichern. Dennoch, ’nur‘ gute Werke in einem universellen Verständnis christlicher Tugenden? Dies wäre sogar für mein Empfinden „zu wenig an spezifisch religiöser Kontur“ – vor allem jedoch zu wenig an Antworten auf die großen Sinn- und Seinsfragen.
Allerdings sehe ich persönlich nicht nur die Alternative zwischen aggressiver Abgrenzung und einem verdünnten Extrakt einer Rechtfertigung aus guten Werken. Eher wahrscheinlich ist meiner Beobachtung nach eine fortschreitende Pluralität, also ein Auseinanderdriften des Christlichen in zahlreiche Einzellehren und -vorstellungen.

Universalismus bezeichnet eine Anschauung, die den Anspruch erhebt, die Vielfalt aller Wirklichkeit des Ganzen auf ein einzelnes Prinzip, Ordnungsgesetz oder Ähnliches zurückführen zu können. Daraus folgt auch, dass Ideen, Ideale, Rechte und Pflichten grundsätzlich für alle Menschen gelten müssen. Etwas anderes also als der in unseren Tagen so geschätzte Pluralismus.

Mutmaßlich haben bereits christliche Theologen mancherlei Bauchschmerzen mit dieser Idee – von islamischen Religionsgelehrten ganz zu schweigen. Zwar ließe sich ein positiver Konsens dahingehend finden, dass Nächstenliebe und Barmherzigkeit tatsächlich als universell gültige Tugenden erstrebenswert sind. Dennoch: jede Konfession sieht ihre subjektive Existenzberechtigung doch gerade in ihrem weitergehenden Anspruch, wonach allein ihre Herleitung dieser und zusätzlicher (jeweils unterschiedlicher) moralischen Leitsätze gültig sei. Die Muslime, die Jesus bekanntlich als einen von vielen Propheten Allahs respektieren, werden weiterhin ihr Gottes- und Menschenbild im Koran finden.

Die Menschheit braucht nichts weniger als eine Einheits-Religion (welche Peter Strasser vermutlich auch nicht im Sinn hatte). Wichtiger wäre nach meinem Verständnis (ja, ich wiederhole mich;): die eigene Glaubens-Überzeugung zu leben und zugleich  die offenkundige Vielfalt der Weltanschauungen bereitwillig zu akzeptieren…


Referat von P.Strasser – Der Gott aller Menschen

Quellenangaben

  1. Der Gott aller Menschen – Chancen des religiösen Universalismus„,
    Peter Strasser
  2. Pro Multis„, Artikel auf Kathpedia
  3. Der Untergang des Abendlandes„,
    Oswald Spengler

Anmerkung

A – Gerhard Ludwig Kardinal Müller vertritt die Ansicht, weltweite Gerechtigkeit und wahrer Humanismus seien nur „im Lichte des Glaubens“ möglich. Er belegt diese Position mit Verweisen auf gottferne Regime. Nach der Logik des Kardinals sollten am besten alle Menschen auf der Welt katholisch werden, dann klappt’s auch mit der Moral. Auch eine Form von Universalismus, und bekanntlich nicht neu. Von der Praktikabilität einer unblutigen Katholisierung der Welt einmal abgesehen – ist Müller allen Ernstes der Ansicht, die RKK habe zu allen Zeiten eine vorbildliche Moralität gelebt?

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